CDU/CSUDie bigotten Polit-Intrigen der Konservativen

Wulff, Waigel, von Boetticher: Der Versuch, Politiker mit Frauengeschichten zu stürzen, ist unter Deutschlands Konservativen auffällig verbreitet.

Bettina und Christian Wulff, Oktober 2010

Bettina und Christian Wulff, Oktober 2010

Lange kursierten die Gerüchte nur im Internet, in einzelnen Medien und – hinter vorgehaltener Hand – im politischen Betrieb Hannovers und Berlins. Doch seit die Süddeutsche Zeitung am Samstag groß über den juristischen Abwehrkampf von Bettina Wulff gegen Verleumdungen berichtete, die ehemalige First Lady habe früher im Rotlichtmilieu gearbeitet, ist kein Halten mehr. Mit der Argumentation, sich nur mit der Weitergabe der haltlosen Unterstellungen zu beschäftigen, berichten nun die Medien, auch ZEIT ONLINE, über den Fall.  

Interessanter ist aber, dass der erfahrene Investigativjournalist Hans Leyendecker und ein Kollege in der SZ schreiben, die vermeintliche Geschichte über Wulffs zweite Frau sei bereits seit 2006 von CDU-Leuten in Hannover gestreut worden – um dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten zu schaden. Denn der hatte schon damals außer- und innerhalb der Partei nicht nur Freunde, sondern auch zahlreiche Feinde. Manche gönnten ihm sein Amt und sein neues privates Glück nicht, andere wollten womöglich seinen weiteren politischen Aufstieg verhindern. So wiesen am Rande der Bundesversammlung 2010, auf der Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wurde, CDU-Politiker Journalisten gezielt auf die Gerüchte hin. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt…

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Solche Intrigen von vermeintlichen Parteifreunden gibt es immer wieder. So wurde auch der schleswig-holsteinische CDU-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Christian von Boetticher auf diese Weise 2011 von den eigenen Leuten aus dem Amt getrieben. Er hatte engen Vertrauten erzählt, dass er über das Internet eine Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen geknüpft hatte. Als einige in der Partei ihn als Ministerpräsidenten-Kandidaten loswerden wollten, weil sie ihn für eine Fehlbesetzung hielten, nutzten sie dieses Bekenntnis und stachen es gezielt an die Medien durch. Von Boetticher war erledigt.

Waigel ist bis heute verbittert

Ähnlich erging es Theo Waigel bereits Anfang der neunziger Jahre. Er konkurrierte damals mit Edmund Stoiber um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Als Stoiber den CDU-internen Zweikampf zu verlieren drohte, ließ er verbreiten, dass Waigel mit der ehemaligen Skiläuferin Irene Epple liiert sei, obwohl dieser noch verheiratet und seine Frau schwer krank war. Zwar waren Waigels private Verhältnisse in München seinerzeit durchaus bekannt, die Zeitungen hielten sich aber mit Rücksicht auf die tragischen Umstände bewusst zurück.

Stoiber kannte hingegen keine Zurückhaltung, als es um die Macht ging. Waigel verlor das Duell. Diesen Angriff unter der Gürtellinie, gegen den er sich nicht wehren konnte, hat er seinem CSU-Rivalen nie verziehen und aus seiner Verbitterung darüber später auch keinen Hehl gemacht. Wer könnte das nicht verstehen?

Auch die Affäre von Horst Seehofer wurde wohl von eigenen Leuten in Umlauf gebracht. Immerhin arbeitete seine Geliebte als Sekretärin des ehemaligen CDU-Generalsekretärs und Bundestagsabgeordneten Laurenz Meyer. Einige in der Partei und in der Fraktion dürften deshalb davon gewusst und ihr Wissen genutzt haben, um dem CSU-Vorsitzenden eine Scharte beizubringen. Seehofer jedoch überstand den Skandal.

In anderen Ländern wie etwa Großbritannien sind solche politischen Schlammschlachten mithilfe des Privatlebens schon lange Usus. Bei uns sind es bisher Einzelfälle. Bemerkenswert ist, dass sie vor allem im bürgerlichen Lager vorkommen. Von Sozialdemokraten und Grünen erwartet das Publikum kein keusches Leben. Gerhard Schröder und Joschka Fischer mit ihren zahlreichen Ehen sind beste Beispiele. Bei Konservativen dagegen ist das Empörungs- und Angriffspotenzial immer noch wesentlich größer.

Und so können sich Konservative jetzt auch gleich doppelt empören: dass angeblich eine Ex-Escortdame im Schloss Bellevue wohnte. Und dass böse Medien und noch bösere Blogger das auch noch verbreiten. Dabei müssten sie sich ob ihrer Bigotterie zuvorderst an die eigene Nase packen.

 
Leserkommentare
  1. Dass nachhaltige Streuen von Gerüchten hat eine lange Tradition: Schon Maria Magdalena wurde und wird völlig fälschlicherweise in besagten schlechten Ruf gebracht. Was sich seit jeher unvergleichlich besser verkauft als eine treue Frau, die ihren Gefährten mit allem, was sie hat, Liebe, aber auch Vermögen, vorbehaltlos unterstützt. Gegen hartnäckige Gerüchte nützt eine neue Botschaft anscheinend recht wenig. Womöglich werden sie halt in scheinheilige Fragen verpackt. Dass sich Gerüchte auch zu ambivalenten Kampagnen eignen, kann heute niemand übersehen.

    • vonDü
    • 10.09.2012 um 17:09 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

    Eine Leserempfehlung
  2. Politiker und andere Prominente sind genau so wenig Heilige wie Lieschen Müller und Paulchen Panther.
    Müssen sie auch nicht. Wenn sie ihre Arbeit machen, ist ihr Privatleben irrelevant. Das mag die Yellow Press (einschliesslich der elektronischen Ableger) anders sehen. Aber deren Interesse kann wohl kaum Maßstab für Relevanz sein.
    Jeder Bürger hat ein Anspruch auf (s)ein Privatleben und dessen Schutz.
    Im "Fall Wulff" mag es manche Kritikwürdigkeit bezüglich der Amtsführung geben. Aber das - tatsächliche oder behauptete - Privatleben ist so lange tabu, so lange es keine vorwerfbaren strafrechtlich relevanten Aspekte gibt.

    11 Leserempfehlungen
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    >> Das mag die Yellow Press (einschliesslich der elektronischen Ableger) anders sehen. Aber deren Interesse kann wohl kaum Maßstab für Relevanz sein. <<

    ... die Katze in den Schwanz. Denn für die Yellow Press ist nur das interessant, was Abnehmer findet. Konservative Yellow Press-Leser stehen auf Politpromi-Gerüchte, und das wird in konservativen Kreisen genutzt, um unliebsame Parteikollegen abzuschießen. Dieser miese Trick funktioniert allerdings nur, solange die bigotte Moral in diesen Kreisen es zulässt.

    • Bashu
    • 10.09.2012 um 19:35 Uhr

    Es geht nicht an, dass Politiker immense Macht und Ressourcen (durch unser Kreuzchen) übertragen bekommen und sich dann aber Beobachtung und Kontrolle entziehen.

    Die Politik schafft mit Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriff etc. den gläsernen Bürger. Was wir brauchen, ist der gläserne Politiker, wie es die UN-Antikorruptionsrichtlinie fordert. Doch dagegen widersetzen sich vor allem FDP und CDU/CSU. Das ist völlig unakzeptabel!

    Das diese Parteien noch so viele Wähler haben, zeugt entweder von Ahnungslosigkeit - oder aber von schlimmerem...

    >> Das mag die Yellow Press (einschliesslich der elektronischen Ableger) anders sehen. Aber deren Interesse kann wohl kaum Maßstab für Relevanz sein. <<

    ... die Katze in den Schwanz. Denn für die Yellow Press ist nur das interessant, was Abnehmer findet. Konservative Yellow Press-Leser stehen auf Politpromi-Gerüchte, und das wird in konservativen Kreisen genutzt, um unliebsame Parteikollegen abzuschießen. Dieser miese Trick funktioniert allerdings nur, solange die bigotte Moral in diesen Kreisen es zulässt.

    • Bashu
    • 10.09.2012 um 19:35 Uhr

    Es geht nicht an, dass Politiker immense Macht und Ressourcen (durch unser Kreuzchen) übertragen bekommen und sich dann aber Beobachtung und Kontrolle entziehen.

    Die Politik schafft mit Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriff etc. den gläsernen Bürger. Was wir brauchen, ist der gläserne Politiker, wie es die UN-Antikorruptionsrichtlinie fordert. Doch dagegen widersetzen sich vor allem FDP und CDU/CSU. Das ist völlig unakzeptabel!

    Das diese Parteien noch so viele Wähler haben, zeugt entweder von Ahnungslosigkeit - oder aber von schlimmerem...

  3. Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zur Diskussion bei. Danke, die Redaktion/mk

    Eine Leserempfehlung
  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

    2 Leserempfehlungen
  6. 7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
    • CM
    • 10.09.2012 um 17:34 Uhr

    Das Prinzip Bigotterie ist leider bei den sogenannten "bürgerlichen" Parteien nicht nur bei gelegentlichen Bettgeschichten einiger Parteifreunde ein grundlegendes Prinzip:

    - Union und FDP predigen freien Wettbewerb, lassen sich aber von Lobbyisten schmieren, um genau diesen Wettbewerb zu verhindern.

    - Union und FDP predigen "Eigenverantwortung", setzen aber für ihr eigenes Personal eine Rundum-Sorglos-Versorgung durch.

    - Union und FDP predigen Anstand, nutzen jedoch angefangen bei der kleinsten Gemeinde bis hinauf in den Bundestag jedes politische Mandat für Vetternwirtschaft und Selbstbereicherung.

    - Die Union gibt sich christlich, tritt jedoch die christlichen Werte mit Füßen.

    - Die FDP gibt sich freiheitlich, hilft jedoch bereitwillig bei der Demontage von Bürgerrechten.

    Da kommt es doch nun wirklich nicht mehr darauf an, ob dieser bigotte Haufen sich auch noch gegenseitig wegen Bettgeschichten in die Pfanne haut.

    48 Leserempfehlungen
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    ...der braucht wahrlich keine Feinde mehr.

    Das Problem der Konservativen Parteien ist, dass es sich bei ihnen um Organisationen handelt, die einzig und allein auf Abwehr ausgerichtet sind. Da man sich in permanenter Defensive wähnt, von einer vermeintlich bösen Umgebung vermeintlich eine Niederlage nach der anderen zugefügt bekommt, müssen die Reihen fest geschlossen und alles, was dem Korpsgeist zuwider ist, politisch eleminiert werden.

    Schauen wir in die Geschichte, dann haben sich Konservative in Krisenzeiten stets als äußerst schlechte Krisenmanager erwiesen. Korpsgeist erzeugt Abhängigkeiten, Alleingänge, wie sie Helmut Schmidt bei der Hamburger Sturmflut 1962 oder im Deutschen Herbst 1977 erfolgreich praktizierte, sorgen nur für Ärger.

    Edmund Stoiber versagte 2002 beim Elbhochwasser genauso, wie es Franz-Josef Strauß 1962 tat. Beiden haben Fluten die Karrieren verhagelt.

    Wie gut, dass es bei der SPD besser zugeht ;)

    fairerweise sollte man aber noch hinzufügen, daß es bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien nicht anders ist:

    SPD - verkauft sich als Partei der Arbeiter und des kleinen Mannes, hat aber Lohndumping und Quasi-Zwangsarbeit (Müntefering: "wer nicht arbeitet, muß auch nichts essen") zu verantworten

    Grüne - eine Partei, die uneingeschränkten Pazifismus vertrat, stimmte für den ersten Angriffskrieg der BRD

    Linke - vertreten freie und klassenunabhängige Bildung und haben massive Kürzungen des Bildungsetats in Berlin mitgetragen.

    Liste ließe sich mit vielen, vielen Beispielen ergänzen (auch mit den Piraten) und erweitern.

    Das kommt halt davon, wenn man ein System schafft, in dem fast ausschließlich anstandsfreie Leute mit unterfüttertem Ego politische Macht erhalten können.

    ...das war einmal. Fremdschämen lohnt sich allerdings nicht bei solchen Leuten.

    Ob man unter den Politikern aD keine Angst hat das es mal so einen Machtwechsel gibt bei dem der Gesetztgeber dann eine Luecke findet um die Rentenansprueche wegen nicht erbrachter Leistung einfach zu kuerzen

    ...der braucht wahrlich keine Feinde mehr.

    Das Problem der Konservativen Parteien ist, dass es sich bei ihnen um Organisationen handelt, die einzig und allein auf Abwehr ausgerichtet sind. Da man sich in permanenter Defensive wähnt, von einer vermeintlich bösen Umgebung vermeintlich eine Niederlage nach der anderen zugefügt bekommt, müssen die Reihen fest geschlossen und alles, was dem Korpsgeist zuwider ist, politisch eleminiert werden.

    Schauen wir in die Geschichte, dann haben sich Konservative in Krisenzeiten stets als äußerst schlechte Krisenmanager erwiesen. Korpsgeist erzeugt Abhängigkeiten, Alleingänge, wie sie Helmut Schmidt bei der Hamburger Sturmflut 1962 oder im Deutschen Herbst 1977 erfolgreich praktizierte, sorgen nur für Ärger.

    Edmund Stoiber versagte 2002 beim Elbhochwasser genauso, wie es Franz-Josef Strauß 1962 tat. Beiden haben Fluten die Karrieren verhagelt.

    Wie gut, dass es bei der SPD besser zugeht ;)

    fairerweise sollte man aber noch hinzufügen, daß es bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien nicht anders ist:

    SPD - verkauft sich als Partei der Arbeiter und des kleinen Mannes, hat aber Lohndumping und Quasi-Zwangsarbeit (Müntefering: "wer nicht arbeitet, muß auch nichts essen") zu verantworten

    Grüne - eine Partei, die uneingeschränkten Pazifismus vertrat, stimmte für den ersten Angriffskrieg der BRD

    Linke - vertreten freie und klassenunabhängige Bildung und haben massive Kürzungen des Bildungsetats in Berlin mitgetragen.

    Liste ließe sich mit vielen, vielen Beispielen ergänzen (auch mit den Piraten) und erweitern.

    Das kommt halt davon, wenn man ein System schafft, in dem fast ausschließlich anstandsfreie Leute mit unterfüttertem Ego politische Macht erhalten können.

    ...das war einmal. Fremdschämen lohnt sich allerdings nicht bei solchen Leuten.

    Ob man unter den Politikern aD keine Angst hat das es mal so einen Machtwechsel gibt bei dem der Gesetztgeber dann eine Luecke findet um die Rentenansprueche wegen nicht erbrachter Leistung einfach zu kuerzen

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