BundeswehrreformEine Truppe voller Unzufriedener

Die Reform der Bundeswehr stößt innerhalb der Truppe auf breite Ablehnung. Der Bundeswehrverband warnt: Die Mehrheit ist unzufrieden und fordert schnelle Korrekturen. von dpa

Rekrutengelöbnis der Bundeswehr

Rekrutengelöbnis der Bundeswehr  |  © Steffi Loos/dapd

Die Reform der Bundeswehr wird von einem Großteil der Truppe abgelehnt. Eine Umfrage des Bundeswehrverbandes unter Führungskräften zeigt, dass die Mehrheit mit der Neuausrichtung und den damit verbundenen Standortschließungen äußerst unzufrieden ist.

Neun von zehn Befragten gaben an, dass die Reform von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ( CDU ) einer baldigen Korrektur bedarf und nicht von Dauer sein wird. Etwa 75 Prozent der Befragten gaben an, schlecht beziehungsweise sehr schlecht an der Neuausrichtung der Bundeswehr beteiligt zu werden.

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In der ARD sagte Verbandschef Ulrich Kirsch , "die Enttäuschung ist riesig". Es müsse jetzt dringend mit den Soldaten gesprochen werden, um zu ergründen, warum sie zu einem so harten Urteil kommen. Bislang geschehe dies nicht in ausreichendem Maße. Dabei könne die Bundeswehr-Führung aus der Einbindung der Soldaten wertvolle Erkenntnisse gewinnen, woran es genau kranke und wie sinnvoll umgesteuert werden könne, sagte Kirsch.

Vor allem bei den sogenannten weichen Faktoren sieht Kirsch Nachbesserungsbedarf: So lasse die Vereinbarkeit von Dienst in der Armee und Familienleben immer noch sehr zu wünschen übrig. Dies bestätige auch die Umfrage.

Der Bundeswehrverband mahnt ein schnelles Umsteuern an. Doch die befragten Führungskräfte der Armee fürchten, dass dies nicht geschehen wird. Rund drei Viertel von ihnen nehmen laut Umfrage die Bundeswehrreform nicht als gemeinsames Projekt der Bundesregierung wahr.

Verteidigungsministerium zeigt Verständnis

De Maizières Sprecher sagte, es sei verständlich und zu erwarten gewesen, dass eine derartige Strukturreform bei vielen Soldaten, Mitarbeitern und deren Familien mit dem Gefühl der Unsicherheit einhergehe. Es müsse aber umso nachdenklicher stimmen, dass nur die Hälfte der Befragten die Umsetzung der Reform positiv bewerte und sogar größeren Handlungsbedarf als zuvor sehe, sagte er. Er kündigte an, bei der weiteren Umsetzung der Reform die Bundeswehrangehörigen besser einzubinden . Dies werde ein zentraler Bestandteil der Bundeswehrtagung Ende Oktober sein.

Zu der im Frühjahr 2010 noch vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf den Weg gebrachten Reform gehört die Aussetzung der Wehrpflicht Mitte 2011, die durch einen freiwilligen Wehrdienst ersetzt wurde. Zudem soll bis 2017 ein Personalabbau auf 170.000 Soldaten und bis zu 15.000 freiwillig Wehrdienstleistenden vollzogen werden. Etwa 30 Standorte sollen geschlossen werden. 2010 hatte die Bundeswehr noch 250.000 Soldaten.

Der Bundeswehrverband hat die Umfrage gemeinsam mit der TU Chemnitz durchgeführt. 4.000 Fragebögen wurden verschickt, rund die Hälfte kam ausgefüllt zurück. An diesem Freitag sollen detaillierte Umfrageergebnisse auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt werden.
 

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Leserkommentare
  1. Genitiv.

    Eine Truppe voller Unzufriedener.

    2 Leserempfehlungen
  2. Das beisst sich halt.

    Soldaten sollten wissen dass sie in Sachen "Familienleben" den Kürzeren ziehen.

    Man nehme als Beispiel die Fremdenlegion. Soldaten, die nur Soldaten sind... und das freiwillig. Dafür sind diese aber auch effektiver als der Bürger in Uniform.

    Eine Leserempfehlung
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    das sich Armee und Familie beißt, zeigen die Streitkräfte diverser Länder. Die Bundeswehr hinkt halt auch in diesem Bereich hinterher.

  3. Nun grummelt es schon gegen sie "super " Reform die unser Herr tu Gutenberg sich ausdachte, und die so viele Verteidugten als grfragt wurde was er denn so alles tolles überhaupt geleistet hat.

    Nun Kritik an der Reform gabs ja schon damals, und so haben die Soldaten wohl recht das sch niemand in der Politik für sie interesseirt wenn die Reform erst jetzt mal ein bisschen Korregiert wird, wo man die gantze Zeit wuste das sie "Schrott" ist.

    Aber das Ansehen der Reform war ja wichtiger als die Soldaten, weil daran das ansehen des Herrn zu Gutenberg hing, und so kommt nun allmälich die Probleme auf den Tisch wenn der Nahme nicht mehr so stark mit der Reform verknüpft ist.

    Nich das noch jemand die Tese aufstellt das die Reform genauso wie die Doktorarbeit schnell mal aus verschiedenen ideenquellen zusammengeschrieben wurde und so keine einheitliche Linie hat und nie umsetzbar war oder gar sinnvoll.

    Grosse Worte von Politiker die die Zeit eingehohlt hat. Ih hoffe nue die Mentschen vengessen das nächste mal nicht das es nicht darauf ankommt wie etwas verkauft wird sonder auf das was verkauft wird.

    Naja ..... villeicht bekommen wir die Wehrpflicht ja wieder zurück in 5-10 Jahren wenn die neue Reform dann endgültig zusammengebrochen ist, da die Spaarziehle schon jetzt nicht mehr eingehalten werden können. Und nun mal Berufssoldaten mehr geld verlangen als Wehrpflichtige.

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    Soll das allen Ernstes heissen, dass Zwangsdienste – in diesem Fall potenziell lebensgefährlicher Art – aus primär finanziellen Motiven angeordnet werden können? Gibt es dann in Zukunft auch Arbeitsdienst beim Bauhof, weil das billiger ist, als Arbeiter zu bezahlen?

    • zappp
    • 07. September 2012 11:44 Uhr

    Die Soldaten beschweren sich nicht über die neue politische und strategische Ausrichtung der Truppe, sondern schlicht über ihre "work-"life-balance". Eigentlich unterscheiden sich diese Arbeitsbedingungen nicht von denen eines zivilen Berufsnomaden unserer modernen Zeit.

    Entweder nimmt die Truppe mit Rücksicht auf Familie und stabiles soziales Umfeld der Soldaten Einbußen bei der Effizienz inkauf, oder entschädigt für die Nachteile mit mehr Geld.

    Will man den mobilen, kasernierten Soldaten mit in jeder Hinsicht kleinem Gepäck und der Truppe als neuer Familie, oder den Soldaten der noch in der Gesellschaft integriert ist?

    • CM
    • 07. September 2012 11:51 Uhr

    Denn die Bundeswehr hat offenbar noch ganz andere, ganz eigene Pläne, die bisher nicht genügend im Parlament zur Sprache kamen:

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/152711

    Darüber wüßten wir Bürger gerne mehr, liebe ZEIT-Redakteure.

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    Darf die Bundeswehr jetzt etwa keinen Häuserkampf mehr üben, weil sie künftig auch im Inneren eingesetzt werden könnte? Soldaten müssen üben und Häuserkampf gehört nun mal zum sehr wahrscheinlichen Szenario künftiger Auslandseinsätze.

    Der Kommentar von Frau Höger, wonach das Gefechtsübungszentrum am besten gleich geschlossen werden soll, spricht ja mal wieder Bände und geht, wie das meiste, das DIE LINKE von sich gibt, völlig an der Realität vorbei.

    • kai1
    • 07. September 2012 17:40 Uhr

    Abgesehen davon, dass die Diskussion über Häuserkampfszenare nichts mit dem zu diskutierenden Artikel zu tun hat, ist der Protest gegen die geplante große Stadtkampfanlage von keinerlei Fachwissen getrübt. Auch wenn die Bundeswehr in ihren bisherigen Auslandseinsätzen nicht in einem "Großstadtdschungel" zu kämpfen hatte, bedeutet das nicht, dass das immer so bleiben muss. Bei dem rasant wachsenden Urbanisierungsgrad auch und besonders in Ländern der sogenannten Dritten Welt ist die Verstrickung in Häuserkampfszenare (in Bürgerkriegsgebieten oder bei Naturkatastrophen beim Streit um Hilfsgüter) wahrscheinlich, selbst dann, wenn ein Einsatz nur "humanitären" Charakter hat. Die verschiedenen Einsatzszenare "Humanitäre Operationen - Aufstandsbekämpfung - Geiselbefreiung - Konvoischutz" können dabei gleitend ineinander übergehen und das in zunehmenden Maße in Stadtarealen. Die von deutschen Politikern und Zivilisten so lange bevorzugte Rollenverteilung "Deutsche helfen - Partnerstaaten kämpfen" geht schon lange an jeder Realität vorbei. Selbst dem sicherheitspolitisch und militärisch ignorantesten "Zivilbürger" müsste das spätestens seit Afghanistan klar sein.

    Was die Kritik an der Bundeswehrreform angeht, so ist es in der Tat befremdlich, dass man ausgerechnet "Führungskräfte" zu ihrer Meinung befragt hat, hätte man doch wissen müssen, wie die Antwort derjenigen ausfällt, die den Verwaltungswasserkopf der Truppe bilden, der besonders stark reduziert werden soll.

  4. das sich Armee und Familie beißt, zeigen die Streitkräfte diverser Länder. Die Bundeswehr hinkt halt auch in diesem Bereich hinterher.

    Antwort auf "Armee und Familie"
  5. Darf die Bundeswehr jetzt etwa keinen Häuserkampf mehr üben, weil sie künftig auch im Inneren eingesetzt werden könnte? Soldaten müssen üben und Häuserkampf gehört nun mal zum sehr wahrscheinlichen Szenario künftiger Auslandseinsätze.

    Der Kommentar von Frau Höger, wonach das Gefechtsübungszentrum am besten gleich geschlossen werden soll, spricht ja mal wieder Bände und geht, wie das meiste, das DIE LINKE von sich gibt, völlig an der Realität vorbei.

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    • CM
    • 07. September 2012 12:50 Uhr

    Lassen wir mal Verschwörungstheorien beseite.

    Dann bleibt die eine interessante Frage, wieso die Bundeswehr sage und schreibe 100 Millionen für diese neue Anlage ausgibt.

    1985 hatte die Bundeswehr 495.000 Soldaten, denn wir lebten auf dem wahrscheinlichsten zukünftigen Schlachtfeld. Zu Zeiten des kalten Krieges waren Häuserkampfübungen beim Heer völlig normal. Wie hat man die nur durchführen können ohne solch eine Monsterinvestition? Nun, man hat das aus immerhin 120 Häusern bestehende "Bonnland", ein ehemaliges Dorf auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg benutzt. Es gab viele dieser Anlagen, meist etwas kleiner als "Bonnland". Heute hat die Bundeswehr immerhin neben Bonnland noch drei weitere Ortskampfanlagen auf dem Truppenübungsplatz Lehnin zur Verfügung.

    Deutschland unterhält immer noch stattliche 196.433 Mann unter Waffen, und das ohne jede äußere militärische Bedrohung. Nicht nur ich bezweifle, daß das nötig ist. Nicht nur ich bezweifle, daß 100 Millionen Euro für ein militärisches Übungsthema, das auch an anderer Stelle erledigt werden kann, unbedingt notwendig sind.

    Daraus ergibt sich die weitere Frage, ob die Bundeswehr mit unseren Steuern etwas Sinnvolles macht oder stattdessen Prestigeprojekte baut.

  6. Soll das allen Ernstes heissen, dass Zwangsdienste – in diesem Fall potenziell lebensgefährlicher Art – aus primär finanziellen Motiven angeordnet werden können? Gibt es dann in Zukunft auch Arbeitsdienst beim Bauhof, weil das billiger ist, als Arbeiter zu bezahlen?

    Antwort auf "Sieh mal an "

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