Die Reform der Bundeswehr wird von einem Großteil der Truppe abgelehnt. Eine Umfrage des Bundeswehrverbandes unter Führungskräften zeigt, dass die Mehrheit mit der Neuausrichtung und den damit verbundenen Standortschließungen äußerst unzufrieden ist.

Neun von zehn Befragten gaben an, dass die Reform von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ( CDU ) einer baldigen Korrektur bedarf und nicht von Dauer sein wird. Etwa 75 Prozent der Befragten gaben an, schlecht beziehungsweise sehr schlecht an der Neuausrichtung der Bundeswehr beteiligt zu werden.

In der ARD sagte Verbandschef Ulrich Kirsch , "die Enttäuschung ist riesig". Es müsse jetzt dringend mit den Soldaten gesprochen werden, um zu ergründen, warum sie zu einem so harten Urteil kommen. Bislang geschehe dies nicht in ausreichendem Maße. Dabei könne die Bundeswehr-Führung aus der Einbindung der Soldaten wertvolle Erkenntnisse gewinnen, woran es genau kranke und wie sinnvoll umgesteuert werden könne, sagte Kirsch.

Vor allem bei den sogenannten weichen Faktoren sieht Kirsch Nachbesserungsbedarf: So lasse die Vereinbarkeit von Dienst in der Armee und Familienleben immer noch sehr zu wünschen übrig. Dies bestätige auch die Umfrage.

Der Bundeswehrverband mahnt ein schnelles Umsteuern an. Doch die befragten Führungskräfte der Armee fürchten, dass dies nicht geschehen wird. Rund drei Viertel von ihnen nehmen laut Umfrage die Bundeswehrreform nicht als gemeinsames Projekt der Bundesregierung wahr.

Verteidigungsministerium zeigt Verständnis

De Maizières Sprecher sagte, es sei verständlich und zu erwarten gewesen, dass eine derartige Strukturreform bei vielen Soldaten, Mitarbeitern und deren Familien mit dem Gefühl der Unsicherheit einhergehe. Es müsse aber umso nachdenklicher stimmen, dass nur die Hälfte der Befragten die Umsetzung der Reform positiv bewerte und sogar größeren Handlungsbedarf als zuvor sehe, sagte er. Er kündigte an, bei der weiteren Umsetzung der Reform die Bundeswehrangehörigen besser einzubinden . Dies werde ein zentraler Bestandteil der Bundeswehrtagung Ende Oktober sein.

Zu der im Frühjahr 2010 noch vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf den Weg gebrachten Reform gehört die Aussetzung der Wehrpflicht Mitte 2011, die durch einen freiwilligen Wehrdienst ersetzt wurde. Zudem soll bis 2017 ein Personalabbau auf 170.000 Soldaten und bis zu 15.000 freiwillig Wehrdienstleistenden vollzogen werden. Etwa 30 Standorte sollen geschlossen werden. 2010 hatte die Bundeswehr noch 250.000 Soldaten.

Der Bundeswehrverband hat die Umfrage gemeinsam mit der TU Chemnitz durchgeführt. 4.000 Fragebögen wurden verschickt, rund die Hälfte kam ausgefüllt zurück. An diesem Freitag sollen detaillierte Umfrageergebnisse auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt werden.