BundestagCSU und FDP wollen gegen Frauenquote stimmen

Einige Union-Frauen würden wohl gern für die Quote stimmen. Aber die Mehrheit in CSU und FDP ist dagegen und fürchtet, die Opposition wolle die Koalition nur spalten. von afp und dapd

Die Führungen von CSU und FDP im Bundestag wollen die Bundesratsinitiative zur Einführung einer Frauenquote kippen. "Die breite Mehrheit unserer Abgeordneten lehnt eine solche staatliche Bevormundung klar ab", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller , der Zeitung Die Welt vom Montag. Die CSU bevorzuge die sogenannte Flexi-Quote, bei der sich Unternehmen selbst eine individuelle Frauenquote geben. Für dieses Modell plädiert auch Familienministerin Kristina Schröder , im Gegensatz zur Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU ).

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jörg van Essen , sagte der Zeitung ebenfalls, er gehe in der FDP-Fraktion von einer "großen Mehrheit gegen den Bundesratsentwurf" für eine feste Frauenquote aus. Derlei Vorgaben behinderten die Freiheit der Unternehmen und seien aus Sicht vieler Frauen der falsche Weg.

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Der Bundesrat hatte am Freitag für eine Gesetzesinitiative zur Einführung einer festen Frauenquote in Aufsichtsräten von Dax-Unternehmen gestimmt, mit der sich nun der Bundestag befassen muss. Weibliche Abgeordnete der Union verlangen dafür die Aufhebung des Fraktionszwangs. Damit wäre eine Mehrheit für den Vorstoß möglich, den auch die Opposition im Bundestag unterstützt.

Der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach , kritisierte die Forderung der Union-Frauengruppe. "Hier geht es nicht um Gewissensfragen. Die CDU-Frauen sollten sich nicht zum Handlanger von Rot-Grün machen lassen und die Koalition spalten", sagte er. Die Politik solle sich aus Unternehmensentscheidungen heraushalten. SPD und Grünen gehe es nicht um die Frauen, sie wollten vielmehr die Koalition auseinanderdividieren.

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Leserkommentare
  1. ich hätte nie gedacht, dass aussgerechnet nur CSU und FDP hier das Grundgesetz (Art. 3 Abs. 3) schützen:
    "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

    25 Leserempfehlungen
  2. "Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jörg van Essen, sagte der Zeitung ebenfalls, er gehe in der FDP-Fraktion von einer "großen Mehrheit gegen den Bundesratsentwurf" für eine feste Frauenquote aus. Derlei Vorgaben behinderten die Freiheit der Unternehmen und seien aus Sicht vieler Frauen der falsche Weg."

    Dem kann man im Grunde nichts mehr hinzufügen. Oder doch: Wie wäre es eigentlich mit einer Männerquote in frauenaffinen Berufen?

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    Oder.. eine Frauenquote in Gefängnissen - schließlich kann es nur die Ungerechtigkeit des Justizsystems sein, wenn mehr Männer als Frauen im Knast sitzen.

    Zurück zum Ernst des Lebens:
    Ich bin froh, dass wir nicht in einer Planwirtschaft leben, wo der Staat vorgibt, wer wo zu arbeiten hat.

  3. Oder.. eine Frauenquote in Gefängnissen - schließlich kann es nur die Ungerechtigkeit des Justizsystems sein, wenn mehr Männer als Frauen im Knast sitzen.

    Zurück zum Ernst des Lebens:
    Ich bin froh, dass wir nicht in einer Planwirtschaft leben, wo der Staat vorgibt, wer wo zu arbeiten hat.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ganz genau"
  4. Von einem meiner Dozenten hörte ich, dass sein Professor meinte, dass er sich gar nicht erst auf eine neue Stelle bewerben solle. Die sei zwar regelkonform ausgeschrieben, aber nur für eine Frau gedacht.

    Jeder kennt wohl sein ganz eigenes Beispiel.

    Ich bin auch dafür, dass wir Seilschaften einiger hohen Herren aufbrechen. Diesbezüglich nützt es aber nichts, Frauen in Berufe hineinzuzwingen. Es geht bei Gerechtigkeit auch darum, Jugendliche aus Arbeiterfamilien, ob männlich oder weiblich, in eine hohe Position zu lassen.
    Mein Vater ist behindert (Diabetes, Bluthochdruck, diverse Herzoperationen etc), meine Mutter arbeitet im Schichtsystem, was auch auf ihre Gesundheit geht. Mütterlicherseits betrachtet, sind mein Bruder und ich die einzigen unter 60 Verwandten, die studieren. Eine Frauenquote nützt uns gar nichts.

    Es geht um LEISTUNG! Diese allein sollte Maßstab sein, ob jemand den Berufs- oder Ausbildungsplatz bekommt oder nicht.

    Mit einer Frauenquote nehmen sie jungen Männern wie mir die Hoffnung auf eine faire Bewertung ihrer Leistungen. Wozu sollte ich dann studieren?
    Meine Antwort: Aus Interesse und Lust, das lasse ich mir nicht nehmen.)

    Grüße,
    Hogobaram

    19 Leserempfehlungen
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    Ihre Argumentation ist nicht schlüssig:

    Ich verstehe die Frauenquote so, dass bei gleicher Qualifikation aller Bewerber sichergestellt werden soll, dass 40 % der Aufsichtsrats-Positionen von Frauen besetzt werden.

    Dann bleiben 60 % der Positionen für Männer mit den gleichen Qualifikationen übrig. Inwiefern kommen Sie da zu dem Schluß, dass für einen Mann das Studium zwecklos geworden wäre?

    Wenn eine Frauenquote von 40 % bereits dazu führt, dass so viele Männer in Panik geraten, sollte man als Mann mal in Brecht`scher Weise einen geistigen Rollentausch vornehmen und sich fragen, wie sich die Frauen bisher fühlen müssen:

    Bei gleiche Qulifikation und gleicher Leistung in der Regel schlechter bezahlt und mit sehr mäßigen Aufstiegschancen!

    Also ruhig Blut - es sind noch mehr als genug Jobs für qualifizierte Männer da.

    • Kriton
    • 23. September 2012 11:06 Uhr

    "SPD und Grünen (...) wollten vielmehr die Koalition auseinanderdividieren." als ob das noch nötig wäre...

    Eine Leserempfehlung
  5. Abgesehen einmal dovon, dass das Grundgesetz eine Bevorzugung oder Benachteiligung nach dem Geschlecht verbietet, bin ich auch gegen eine Frauenquote.
    Das schadet eher den Frauen z.B. im mittleren Managementbereich. Da heißt es dann schnell "Quotenfrau" und das ist eher eine Dissqualifizierung.

    Umgekehrt wird auch ein Schuh draus. Es gibt Modeunternehmen, bei denen Männer kaum eine Chance haben, nach oben zu kommen. Ähnliches gilt für die Belegschaft von Reedereien. Es sind fast immer nur Frauen, die am PC Container von A nach B versenden.
    Wenn zwischen Frauen Streit am Arbeitsplatz ausbricht,
    kommt es zu sogenannten "Zickenkrieg", wie mir eine Schiffskauffrau erzählte. Sie wünscht sich einen Mann in der Crew. Männer sind angeblich nicht so nachtragend.

    Wenn eine Quotierumg nach Geschlecht erforderlich sein sollte, ist das Aufgabe der Gewerkschaften und nicht der Politik.

    In einem einzigen Fall wünsche ich mir allerdings eine Männerquote. Wir brauchen mal wieder einen Bundeskanzler

    (letzter Abs.: Ironie lb. Redaktion)

    4 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 23. September 2012 11:39 Uhr

    Wie mag sich eine Frau fühlen, die nur aufgrund einer Quote in irgendeinen Aufsichtsrat gehievt wurde? Ob sie sich auf ihr Frausein reduziert fühlt?

    2 Leserempfehlungen
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    • lcamino
    • 23. September 2012 12:29 Uhr

    Stelle gehievt wurde fühlt sich wahrscheinlich schlechter als ein Mann, der diese Position nur über Vitamin B (halt die "Richtigen" oben zu kennen), Geklüngel und Verbindungen aus dem Studium, aber halt auch nicht aus Leistung heraus bekommen hat.

    Die Managerelite in Deutschland stellt sich genau so wenig aus einer Leistungselite wie in anderen Kulturen zusammen, sondern aus persönlichen Beziehungen - Langzeitstudien dazu wurden auch immer wieder in der Zeit (halt a bissl in Nebenrubriken wie Gesellschaft und Wissenschaft) gezeigt.

    Ob bei so viel Leistungsgesellschaft eine paar Frauen im Management schaden können wage ich zu bezweifeln!

    Also liebe Männer, tun wir nicht so, als sei der Status Quo euer Verdienst, weil wir ja alle so viel besser sind sondern erkennen endlich die Realität an!

    PS an hogobaram: Und dass Gejammer von Professoren, dass es ein Fünkchen Ausgleich im staatlichen System gibt ist doch wohl Hohn - die wenigsten Professuren hatten irgendwann etwas mit Leistung zu tun, sondern noch viel mehr mit Geklüngel!

    • DerDude
    • 23. September 2012 11:46 Uhr

    müssen es 2013 in den Bundestag schaffen.

    Unter der Prämisse, dass die Union eine Quote ablehnt, wäre damit keinerlei Mehrheit für die Frauenquote mehr möglich.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dapd
  • Schlagworte CSU | FDP | CDU | Grüne | SPD | Ursula von der Leyen
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