"Die guten Agenten des MAD" – so überschrieb Y-Das Magazin der Bundeswehr Anfang August eine mehrteilige Serie über die Arbeit des Militärgeheimdienstes. Tatsächlich hat der eine Imagekampagne dringend nötig: FDP , Grüne und Linke fordern seit einiger Zeit seine Abschaffung : Er sei die Kosten nicht wert. Selbst im Bundeswehr-Magazin werden interne Akzeptanzprobleme angedeutet: "In der Truppe hat der Militärische Abschirmdienst (MAD) einen geheimnisvollen Ruf. Manche haben Schiss, wenn er vorbeischaut", heißt es da.

Nähe zu den "Besonderheiten der Streitkräfte" gefordert

Wie jetzt bekannt wurde , versuchte der Militärgeheimdienst 1995 den damaligen Wehrdienstleistenden und späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos als Informanten anzuwerben. Das Vorhaben schlug fehl, ein entsprechender Aktenvermerk über Mundlos wurde allerdings an das Bundesamt für Verfassungsschutz und drei Landesbehörden des Verfassungsschutzes weitergeleitet. Heute untersucht der NSU-Ausschuss des Bundestages das Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Suche nach den mutmaßlichen Rechtsterroristen – bis zu dieser Woche wurden die Abgeordneten allerdings nicht über den MAD-Vermerk informiert. Das hat die Diskussion über den Sinn und Unsinn des umstrittenen Geheimdienstes MAD wieder entfacht.

Die 1.250 Mitarbeiter des Militärischen Abschirmdienstes handeln losgelöst vom Inlandsgeheimdienst und dem Auslandsgeheimdienst BND . Einstellungsvoraussetzung ist, dass sie schon der Bundeswehr angehören. Man wolle eine "besondere Nähe" der Geheimdienst-Agenten "zu den Belangen und Besonderheiten der Streitkräfte" sicherstellen, heißt es auf der Homepage des MAD .

Als einziger deutscher Geheimdienst agiert der MAD sowohl im In - und im Ausland und hat dabei drei Hauptaufgabenbereiche: Er überprüft Soldaten auf extremistische Einstellungen, er ist für die Spionageabwehr und Sicherung der Bundeswehr-Lager im Ausland zuständig. So hat er zum Beispiel ein Auge auf die Vertrauenswürdigkeit von afghanischen Mitarbeitern in deutschen Camps. Für diese Aufgaben steht dem MAD ein Jahresbudget von 73 Millionen Euro zur Verfügung, der überwiegende Teil davon wird für Personalkosten aufgewandt.

Der Bundesrechnungshof hat Zweifel

Die Kosten des Militärgeheimdienstes stehen in keinem Verhältnis zu dessen Nutzen, finden Grüne, FDP und Linke. "Keiner kann nachvollziehen, wofür das viele Geld gebraucht wird", sagt Linkspartei-Politiker Steffen Bockhahn. Er ist Mitglied im geheim tagenden Vertrauensgremium des Bundestages, das über die Haushalte der drei Geheimdienste befindet. Das Gremium hatte im Frühjahr beim Bundesrechnungshof ein Gutachten in Auftrag gegeben. Darin regt der Rechnungshof an, zu prüfen, ob es wirklich einen eigenen Geheimdienst beim Militär braucht. Gleichzeitig sind die Rechnungsprüfer der Ansicht, dass die Aufgabe der Extremismusabwehr bei der Bundeswehr auch vom Verfassungsschutz übernommen werden könnte.

Medienberichten zufolge verweist der Rechnungshof in diesem Zusammenhang auch auf die Zahl der vom MAD bearbeiteten Fälle: Pro Jahr werde im Schnitt 690 Mal geprüft, ob bei einem Bundeswehrmitglied eine extremistische Gesinnung vorliege. Nur 49 Fälle seien begründet. Ein Sprecher des Rechnungshofes bestätigte ZEIT ONLINE, dass in dem geheimen Gutachten "Empfehlungen abgegeben wurden, wie die Ressourcen des MAD optimiert werden können."

Für FDP, Grüne und Linke ist die Sache klar: Die Suche nach Extremisten in den Reihen der Bundeswehr könnte problemlos der jeweils zuständige (Landes-) Verfassungsschutz übernehmen. Sobald ein des Extremismus oder der Spionage Verdächtiger Soldat die Kaserne verlasse, sei ja sowieso wieder der Verfassungsschutz zuständig, argumentiert zum Beispiel die Grünen-Fraktion in einem Bundestagsantrag zur Abschaffung des MAD aus dem Jahr 2011. Die Linke sieht das ähnlich: "Was passiert bei der Bundeswehr, dass sie eigene geheimdienstliche Strukturen braucht?", fragt Linkspartei-Politiker Bockhahn. "Das gibt mir ein eigenartiges Gefühl." Seiner Partei wäre es sowieso am liebsten, wenn Verfassungsschutz und BND gleich mit abgeschafft würden.