Kurt Beck : Ein Rücktritt, der trotz aller Vorzeichen überrascht

Kurt Beck will nicht mehr Ministerpräsident sein – aus gesundheitlichen Gründen, sagt er. Im Januar 2013 wird damit eine Ära enden.
Der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck © dpa/Fredrik von Erichsen

Am Ende bleibt eine offene Frage. Mit leiser Stimme verkündete Kurt Beck am Freitagabend seinen Rückzug aus allen Ämtern bis Januar 2013. Er wisse seit einem Krankenhausaufenthalt im Winter 2011, dass er ein erhebliches Problem in der Funktion seiner Bauchspeicheldrüse habe, das ernst zu nehmen sei, sagte der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz . Es sei sein Wunsch gewesen, länger im Amt zu bleiben. Aber seine gesundheitliche Kraft sei "sehr angegriffen", ein längerer Krankenhausaufenthalt stehe im kommenden Februar bevor.

Die Entscheidung stellt eine Zäsur für Rheinland-Pfalz dar. Es ist das Ende einer Ära. 18 Jahre lang regierte Kurt Beck das kleine Land im Südwesten und krempelte es grundlegend um. Aus der Region der "Reben und Rüben" machte der Maurer-Sohn ein Land, das heute eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen der Republik hat.

Wirtschaft und Industrie konnten aufholen, es wurden Technologiezentren gegründet, die Bildungspolitik, die früh auf Ganztagsschulen und Kindertagesstätten setzte, ist bundesweit beachtet. Rheinland-Pfalz entwickelte sich zum Erfolgsland Nummer drei – nach Baden-Württemberg und Bayern .

Nürburgring nichts damit zu tun

"Nah bei de' Leut" war sein Erfolgsrezept, das ihn seit seiner Amtseinführung im Oktober 1994 drei Landtagswahlen gewinnen ließ. Auch 2011 sagte der heute 63-Jährige noch, er habe weiter Lust auf das Amt, sogar noch für eine ganze Amtszeit. Doch schon da schlich sich öfter der Zusatz ein: "wenn meine Gesundheit es denn zulässt". Da war noch nicht klar, ob der Satz schlichte Strategie war, oder einen ernsten Hintergrund hatte.

Am Freitag aber stellte Beck die gesundheitliche Frage in den Mittelpunkt: Noch bis vor wenigen Tagen habe er aufgrund der ärztlichen Behandlungen gehofft, ihm werde noch einmal die Kraft zuwachsen", im Amt bleiben zu können. Er sei seit mehr als 30 Jahren Abgeordneter, er habe sein ganzes Leben auf der Politik aufgebaut: "Das ist für mich als Person ein schwerer Tag." Und Nein, mit dem Nürburgring habe das nichts zu tun , im Gegenteil.

Dass der Regierungschef irgendwann in dieser Legislaturperiode zurücktreten würde, war spätestens seit dem Frühjahr anzunehmen. Da waren in Berlin Gespräche Becks mit seinen potenziellen Nachfolgern durchgesickert, damals bestand die Runde aus Innenminister Roger Lewentz und Fraktionschef Hendrik Hering sowie aus Bildungsministerin Doris Ahnen und Justizminister Jochen Hartloff. Beck soll sauer gewesen sein, dass sein Nachfolgefahrplan in die Presse geriet. Erinnerungen an den Schwielosee wurden wach, als Beck im September 2008 wegen Indiskretionen um die SPD-Kanzlerkandidatur den Bundesvorsitz der SPD hinwarf. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Beck sagte, er bleibe im Amt, gerade auch wegen der Probleme um den Nürburgring .

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Gute Besserung

Mag er in Ruhe alt werden. Und seine Krankheit ihm nicht zur Qual werden. Also gute Besserung.

Für die politische Kultur in Deutschland ist der Umgang mit dem Komplex Nürburgring nur einer von den üblichen Vorgehensweisen, wenn die SPD irgendwo was falsch macht. Ihre Pressebeteiligungen, die in den 1960iger Jahren aus Gründen der Parität erst zur Parteispendenpraxis geführt haben, zahlt sich stets aus.

Frau Dreyer macht einen kompetenten Eindruck. Sie wäre aber nicht da, falls die anderen Kandidaten völlig "frei" vom Nürburgring wären.

Ein eigentümlicher Beitrag ....,

der offene Fragen ankündigt.
Es gehört zum Mediengeschäft, in jede Personalie etwas hineinzugeheimnissen.
Aber wo offene Fragen draufsteht, sollten auch offene Fragen drin
sein.
Ich kann keine herauslesen.
Seinen gesundheitlichen Zustand wird doch noch jeder selbst bewerten dürfen, oder?
Die Nürburgring-Geschichte... na ja......
Selbst wenn das eine offene Frage sein soll, welches sind die anderen?
Komischer Beitrag ....

Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff...

Ha, der Kapitän verlässt das sinkende Schiff. Das war's dann wohl mit dem Flughafen Hahn. Bevor man zugeben muss, daß nun doch wie am Nürburgring endgültig Schluss ist, verabschiedet man sich genau im richtigen Moment und taucht unter. Vorgezogen wird wie so oft mal wieder die eigene Gesundheit. [...]

Verzichten Sie bitte auf pauschalisierende und diffamierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

{...]

impliziert, dass gerade Sie es besser wissen. Sie sollten also in die Politik gehen. Sie ändern das bestimmt (oder es bleibt alles beim Alten).

Eigentümlicher Ausdruck von Politik(er-/Parteien-) verdrossenheit, den Sie an den Tag legen. Scheinen Sie offeenbar zu wissen, dass Herr Beck kerngesund ist und machen Ihre einfache Rechnung: [...]

Es wäre beneidenswert, könnte man mit so simplen Erklärungen sein Leben fristen, wäre die Welt nicht tatsächlich doch vielschichtiger.

Der Kommentarteil, den Sie kritisch zitieren, wurde entfernt. Die Redaktion/fk.