Am Ende bleibt eine offene Frage. Mit leiser Stimme verkündete Kurt Beck am Freitagabend seinen Rückzug aus allen Ämtern bis Januar 2013. Er wisse seit einem Krankenhausaufenthalt im Winter 2011, dass er ein erhebliches Problem in der Funktion seiner Bauchspeicheldrüse habe, das ernst zu nehmen sei, sagte der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz . Es sei sein Wunsch gewesen, länger im Amt zu bleiben. Aber seine gesundheitliche Kraft sei "sehr angegriffen", ein längerer Krankenhausaufenthalt stehe im kommenden Februar bevor.

Die Entscheidung stellt eine Zäsur für Rheinland-Pfalz dar. Es ist das Ende einer Ära. 18 Jahre lang regierte Kurt Beck das kleine Land im Südwesten und krempelte es grundlegend um. Aus der Region der "Reben und Rüben" machte der Maurer-Sohn ein Land, das heute eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen der Republik hat.

Wirtschaft und Industrie konnten aufholen, es wurden Technologiezentren gegründet, die Bildungspolitik, die früh auf Ganztagsschulen und Kindertagesstätten setzte, ist bundesweit beachtet. Rheinland-Pfalz entwickelte sich zum Erfolgsland Nummer drei – nach Baden-Württemberg und Bayern .

Nürburgring nichts damit zu tun

"Nah bei de' Leut" war sein Erfolgsrezept, das ihn seit seiner Amtseinführung im Oktober 1994 drei Landtagswahlen gewinnen ließ. Auch 2011 sagte der heute 63-Jährige noch, er habe weiter Lust auf das Amt, sogar noch für eine ganze Amtszeit. Doch schon da schlich sich öfter der Zusatz ein: "wenn meine Gesundheit es denn zulässt". Da war noch nicht klar, ob der Satz schlichte Strategie war, oder einen ernsten Hintergrund hatte.

Am Freitag aber stellte Beck die gesundheitliche Frage in den Mittelpunkt: Noch bis vor wenigen Tagen habe er aufgrund der ärztlichen Behandlungen gehofft, ihm werde noch einmal die Kraft zuwachsen", im Amt bleiben zu können. Er sei seit mehr als 30 Jahren Abgeordneter, er habe sein ganzes Leben auf der Politik aufgebaut: "Das ist für mich als Person ein schwerer Tag." Und Nein, mit dem Nürburgring habe das nichts zu tun , im Gegenteil.

Dass der Regierungschef irgendwann in dieser Legislaturperiode zurücktreten würde, war spätestens seit dem Frühjahr anzunehmen. Da waren in Berlin Gespräche Becks mit seinen potenziellen Nachfolgern durchgesickert, damals bestand die Runde aus Innenminister Roger Lewentz und Fraktionschef Hendrik Hering sowie aus Bildungsministerin Doris Ahnen und Justizminister Jochen Hartloff. Beck soll sauer gewesen sein, dass sein Nachfolgefahrplan in die Presse geriet. Erinnerungen an den Schwielosee wurden wach, als Beck im September 2008 wegen Indiskretionen um die SPD-Kanzlerkandidatur den Bundesvorsitz der SPD hinwarf. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Beck sagte, er bleibe im Amt, gerade auch wegen der Probleme um den Nürburgring .