Altersarmut : Der Generationenvertrag ist nicht das Problem

Die Debatte um Altersarmut geht in die falsche Richtung, sagt Leser Michael Feindler. Der Generationenkonflikt lenke vom wahren Problem ab.

Das Wort Generationenvertrag nervt. Ich kann es nicht mehr hören, ohne mich zu ärgern – vor allem über diejenigen, die es mit dem Thema Altersarmut in Zusammenhang bringen. Sie streuen Gerüchte über den Bruch dieses Vertrages.

Offensichtlich hat sich meine Generation der 20- bis 35-Jährigen von der Politik in die Irre führen lassen. Wir glauben inzwischen selbst, der Hauptkonflikt der nahen Zukunft bestünde zwischen uns und einem Heer von Greisen, die nur eines im Sinn haben: sich auf Kosten der Jungen einen schönen Lebensabend zu machen.

Diese Behauptung ist zynisch, unwahr und lenkt vom eigentlichen Konflikt ab. Das wahre Problem benennt der amerikanische Unternehmer Warren Buffet , der laut Forbes-Magazin der drittreichste Mann der Welt ist. Schon vor Jahren äußerte er in einem Interview mit der New York Times : "Es herrscht Klassenkrieg, richtig. Aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen." Es geht nicht um den Kampf jung gegen alt, sondern um den zwischen arm und reich.

Auch in Deutschland lässt sich das feststellen. Die politischen Reformen der vergangenen zwölf Jahre haben die Wohlhabenden und insbesondere die Arbeitgeber schrittweise entlastet. Der Spitzensteuersatz und die Unternehmenssteuer wurden gesenkt. Dann wurde der Niedriglohnsektor konsequent ausgebaut, wodurch die Arbeitgeber sich die Kosten für die Sozialversicherung sparen. Da ist es kaum verwunderlich, wenn in den Staatskassen immer größere Lücken entstehen. Die Schuld jedoch dem demographischen Wandel zuzuschreiben, ist eine Verdrehung der Fakten.

Die Privatvermögen in Deutschland wachsen schneller als die öffentlichen Schulden. Es wäre durchaus möglich, allen Bürgern eine humane Rente zu garantieren – vorausgesetzt, alle gesellschaftlichen Schichten beteiligen sich an der Finanzierung des Rentensystems – und zwar gemäß ihrer Möglichkeiten. Stattdessen gibt es Pläne zur privaten Alters- und Krankheitsvorsorge, die nichts weiter sind als eine Subventionierung privater Versicherungsunternehmen.

Nicht der Generationenvertrag ist das Problem, wenn wir über Altersarmut diskutieren. Der Fehler ist, dass der Sozialstaat seit Jahren zugunsten der Wohlhabenden demontiert wird.

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Kommentare

255 Kommentare Seite 1 von 25 Kommentieren

Generationenvertrag funktioniert nicht mehr

Die zukünftigen Alten sind diejenigen, die Schuld sind an ihrer Misere. Sie bekamen und bekommen zu wenige Kinder. Darauf basiert der Generationenvertrag aber. Nicht die mangelnde Umverteilung ist das Problem, sondern, dass das System veraltet ist. Wir leben nicht mehr in den 50er Jahren. Noch mehr Umverteilung, wie der Autor sie fordert, macht das Problem in Zukunft noch schlimmer, weil wir eine schrumpfende und alternde Gesellschaft sind.

Es geht nicht um Umverteilung, sondern Beteiligung ALLER

an dem Generationenvertrag. Solange nicht alle wie in der Schweiz in das Rentensystem einzahlen, bleibt das Ganze schief. Im übrigen, die private Versicherung funktioniert letztlich auch nicht anders oder glauben Sie allen Ernstes, da habe jeder sein persönliches und stetig anwachsendes Konto?!
Das ist das wirkliche Kettenspiel, dessen Gewinne vor allem bei den Versicherungskonzernen bleiben.
Die Produktivität ist derartig gestiegen, dass eine Grundrente für alle gewiss gestemmt werden könnte.
Aber es ist natürlich einfacher nach dem Motto "Teile und herrsche" die schwächeren Gruppen der Gesellschaft aufeinander zu hetzen, damit die Starken und Reichen ungestört von revolutionären Umtrieben ihren Geschäften nachgehen können.

Ihre These ist falsch

Dies kann man an einem aktuellen Beispiel bestens skizzieren. Spanien ist innerhalb der EURO Zone nun auch in die Krise geraten. Wie Spanien, Portugal undd Griechenland weisen diese Staaten eine ähnlich Geburtenrate wie Deutschland aus. Dort sind aber bis zu 50 Prozent der jungen Menschen arbeitslos, werden also für die Versorgung des Landes und den produktiven Sektor nicht benötigt. Wollen Sie uns jetzt weis machen, daß mit einer 50 bis 100 prozentigen Anzahl von mehr jungen Menschen das Problem gelöst ist? Der Autor hat das schon ganz richtig erkannt, insbesondere unter dem Aspekt, daß in einen weltweiten Kapitalismus mit sehr unterschiedlichen Sozialsystemen dieser Prozeß in den letzten Jahren beschleunigt wurde.

Übrigens: Warum ist es in Deutschland eigentlich so schwer (oder besser gesagt fast unmöglich) als qualifizierter Mitfünfziger bei eingetretener Arbeitslosigkeit wieder eine Anstellung zu finden. Weil zu wenig Nachwuchs da ist? Wohl kaum. Vielmehr geht es Leuten wie Ihnen darum die eigenen Reproduktionswünsche von anderen bezahlen zu lassen. Da liegt die Wahrheit.

Wachstumszwang

nennt man das wohl. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wachsen will, dann müssen mehr Kinder her! Das ist (leider) vollkommener Blödsinn. Man kann das Defizit unseres Geldsystems nicht durch Wachstum an anderer Stelle ausgleichen. Das einzig vernünftige ist meiner Meinung nach eine sinnvolle Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen (gleich hoch wie Einkünfte aus Arbeit oder Vermietung) und strikte Einführung von Kapitalverkehrskontrollen, um endlich alle Steueroasen trocken zu legen. Dann sprudelt plötzlich wieder das Steueraufkommen und das Geld von den Off-Shore-Konten kommt endlich wieder unter die Leute.

Gegendarstellung

Arbeitslosigkeit mit weniger Kindern bekämpfen zu wollen, klingt vielleicht vordergründig überzeugend, ist aber nicht schlüssig.

Wenn die jungen Menschen weniger Kinder haben, dann ist die sog. Erwerbsneigung deutlich größer (weil es ja sonst nichts für diese Menschen zu tun gibt).

Andererseits werden viele Dienstleistungen deutlich weniger nachgefragt: Schulen werden geschlossen, die Zahl der Kindergärten sinkt, man braucht weniger Musikpädagogen, Schulbusfahrer, Kinderbettproduzenten, Windelhersteller, ...

Durch zunehmende Erwerbsneigung und weniger Aufgaben, steigt potentiell die Arbeitslosigkeit.
Deutschland hat sich deshalb auf den Export von Gütern spezialisiert (Vize-Exportweltmeister). Bei Exporten in das europäische Ausland, wird auf diese Weise die Arbeitslosigkeit in den übrigen Ländern Europas zugunsten der deutschen Arbeitsplätze noch größer.

Maschinensteuer

>>Und wenn immer weniger Leute in hochrationalisierten Abläufen ihr Auskommen finden, warum z.B. keine Abgabe als Maschinensteuer oder Maschinen-Rentenbeitrag?<<

Weil das keinen Sinn ergibt. Er würde nichts an dem Faktum ändern, daß Automatisierung trotzdem weiter menschliche Arbeit verdrängt, denn seit Beginn derselben - sagen wir, ab Mitte der 70er - ist diese Tendenz ungebrochen in allen Industrieländern zu beobachten.
Auch ein Fahrkarten- oder Geldautomat ist eine Maschine. Wollen sie ernsthaft den Industriebetrieben, Banken oder anderen hierfür eine Gebühr berechnen?
Und wie verhindern Sie, daß diese Gebühr einfach an den Kunden weitergegeben wird?

Der Vorschlag ist übrigens nicht wirklich neu. Ich empfehle das inzwischen etwas angestaubte Werk von Jeremy Rifkin 'Das Ende der Arbeit'.
Hier kann man schön sehen, was vor inzwischen 17 Jahren und mehr von vernünftigen Analytikern empfohlen wurde (von der Brundtland-Kommission 1987 zum Beispiel) , um die Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten. Dumm nur, daß Politiker weltweit exakt das Gegenteil getan haben.

und Sie sehen....

... keinen Zusammenhang zwischen der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse, steigender Belastung durch Vorsorge und dem Rückgang der Geburtenrate?

Dann wollen wir mal sehen wie Sie mit weniger als € 1500,- brutto eine sechsköpfige Familie durchbringen... am Ende landen Sie dann bei vielen Kindern auch wieder bei viel Unterstützung durch den Staat (Kindergeld, Betreuungsgeld/Kitaplatz, Hartz IV Aufstockung etc.)

Das wahre Problem ist, das unsere Politik einfach nicht mit dem vom Volk "bereitgestellten" Geld umgehen kann. Statt in Bildung und Entwicklung stecken diese Menschen nämlich lieber Milliarden in vollkommen überflüssige und dem Bürger auch nicht mehr vermittelbare Prstigeprojekte ala Elbphilharmonie und S21.

Ich habe manchmal den Eindruck das manche Staatsbedienstete das hier für einen Selbstbedienungsladen halten. Man vergisst dabei gerne das jeder Euro den man auszugeben plant erstmal durch jemanden verdient werden muss. Wenn unsere lieben Politiker das nicht lernen wird ihnen das Ganze irgendwann fürchterlich um die Ohren fliegen.

Die Politik hat es versaut der Wirtschaft Grenzen zu setzen und nun werden der Politik Grenzen durch die Wirtschaft gesetzt.

Generationenkonflikt ist dafür das falsche Wort, "Klassenkampf" trifft es da schon bedeutend besser.

Zur Geburtenrate

"... keinen Zusammenhang zwischen der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse, steigender Belastung durch Vorsorge und dem Rückgang der Geburtenrate?"

Es sind ja gerade Akademiker, Hochqualifizierte und Wohlhabende die oft eine zu geringe Geburtenrate haben. Das ist ja einer der Gründe, warum sich Reichtum über Generationen hinweg auf "konzentriert", anstatt sich auf viele Erben zu verteilen.

Beteiligung aller?

Nun, wenn sie alle als Beitragszahler haben wollen, dann sind auch alle Leistungsempfänger. Das BVerfG wird nämlich eine anderweitige Regelung mit Sicherheit nicht hin nehmen.

Es geht überhaupt nicht darum, dass die Finanzierung des Rentensystem und die Gestaltung der Beiträge Fehler aufweist. Es lässt sich gerne darüber diskutieren, ob hohe Einkommen stärker belastet werden und somit das System stärken, aber lügen Sie sich doch nicht selbst an.

Das Rentensystem ist allein aus schlichten mathematischen Gründen nicht mehr in dieser Form zu retten. Das ist weder eine Frage von Klassenkampf und schon gar nicht Ideologie, sondern simple Mathematik und Logik. Die Rente der jetzt 50+ Gesellschaft lässt sich mit Umverteilung noch retten, aber wenn sich nichts grundlegendes ändert, dann bricht das System für die unter 50-jährigen völlig zusammen.

Ich hoffe sie gehören nicht zu der egoistischen Fraktion der Alten, die sich auf ihrer Lebensleistung ausruhen und sich einen Dreck für Nachhaltigkeit interessieren.

Zu 3: private Rentenkassen in Konkurs?

In der Subprime Krise haben wir gesehen, dass AIG, die größte Versicherung der USA, vor dem Bankrott stand und staatlich gerettet werden musste. Die Bankenrettung diente auch der Sicherung der Anlagen von anderen Versicherungskonzernen wie Allianz etc. Eine Weltwirtschaftskrise wie in den 1920er Jahren hätte den überwiegenden Verlust der privaten Vorsorge bedeutet! Sie wären pleite!

Ähnliches konnte man auch bei der Asienkrise beobachten.

Nach der Währungsreform 1948 empfahlen die Handwerkskammern jungen Meistern, die sich verselbständigten, eine Mindestversorgung durch die gesetzliche Altersvorsorge sicherzustellen. Warum? Ältere Selbständige mussten bis ins hohe Alter zuverdienen.

Die öffentlichen Rentenkassen mit Direktauszahlung haben diese Krisen immer unbeschadet überstanden. Die Zeit von 1945 bis zur Vollbeschäftigung war schwierig, aber sie konnte gehandhabt werden, weil alle einen Teil der Last trugen. Die Alten bekamen ja nicht mehr als die Jungen! Allerdings gab das Wirtschaftswachstum den Arbeitslosen die Hoffung auf Wiederbeschäftigung.

Auch die Riesterrente ist ohne staatliche Zuschüsse nicht rentabel, wie von Finanzexperten berechnet wurde. Systemisch liegt das an der Gewinnerwartung der privaten Versicherungen und an der Konjunkturabhängigkeit.

Sicherlich muss die gesetzliche Rentenversicherung an heutige Bedingungen angepasst werden, aber sie ist der Privaten systemisch überlegen, wie gezeigt wurde.

Zu 3: Alterspyramide? Folgt nicht den Rattenfängern!

In vielen Köpfen spukt noch die Alterspyramide von 1900/10. Diese war schon damals anormal und instabil! Berechnet man die Entwicklung für zehn weitere Jahre, so verformt sich die Pyramide in ein Haus mit Walmdach mit breiter Basis! Jedes vierte Kind starb im ersten Lebensjahr! Es gab keine Impfstoffe gegen Kinderkrankheiten. Die Sterblichkeit nahm erst mit dem 6. Jahr ab, weshalb vorher nicht eingeschult wurde.

Die Altersverteilung von 1934 zeigt noch deutlicher, dass die heutige Verteilung für Menschen über 18 Jahren nur unwesentlich von der damaligen abweicht. Gründe sind die Verfügbarkeit von Antibiotika, die Verhinderung von Wundstarrkrampf und die Vermeidung von Unfällen bei der Arbeit und im Verkehr. Die hohe Geburtenrate war nutzlos, weil viele Kinder starben, ehe sie sozialversicherungspflichtig wurden. Im Gegenteil verursachten diese Kinder nur Kosten!

Eine nachhaltige Altersverteilung entspricht der Sterbetafel, weil dann alle Menschen eines natürlichen oder Unfalltodes sterben. In Deutschland gibt es nur zwei Abweichungen davon.

Zuerst die Babyboomer von 1960-65, welche nicht verantwortlich für ihren Überschuss sind.

Zweitens die Geburtenabnahme der letzten 15 Jahre. Diese Unterdeckung kann jedoch durch Migration ausgeglichen werden. Dadurch wurde zwischen 1970 und 2000 die geringere Geburtenrate erfolgreich kompensiert.

Im Gegensatz zu heute war bis vor kurzem nur die Hälfte der Einkommensfähigen (nur Männer) auch berufstätig.

Es gibt Abhilfe.

@85 Ich folge Ihnen einmal völlig ungeprüft.

Wenn Sie Recht haben, gibt es für die Rentenreformen (Rentenkürzungen) zwischen 1983 und heute nur zwei Möglichkeiten:
1) Die Anzahl der Arbeitnehmer gegenüber der Anzahl der Rentner hat signifikant abgenommen, weil überproportional viele selbständig oder Beamte oder Kapitalrentner geworden sind. Das gibt aber die Entwicklung der Sozialversicherungsbeiträge bis 2006 nicht her.
Bleibt also nur
2) Wir geben deutlich weniger Geld (anteilig zum Sozialprodukt) für Renten aus, als z.B. 1965. Das geben allerdings die Zahlen der Rentenkassen nicht her.

Da 1) und 2) falsch sind, ist Ihre Dartsellung falsch. Case closed.

Gruss,
Thorsten Haupts

Es ist doch egal, wieviele Kinder geboren werden oder auch nicht

Kinder ohne ausreichende Arbeitseinkommen werden weder für sich noch für die vorherige Generation, noch die eigene Nachfolgegeneration in das Sozialsystem einzahlen können.Mit leeren Kassen funktioniert kein Versicherungsprinzip.

Wenn jetzt zu lesen ist, dass bis 2020 in den neuen Ländern Vollbeschäftigung erreicht sein wird, weil die Bevölkerungszahl sinkt, muß das zu denken geben. Immerhin wurde die ehmalige DDR durch niedrigere Löhne und Abwanderung der jungen, gut Ausgebildeten mit ihren Familien ausgeblutet. Wer wandert dann dann von West nach Ost?

Z. Z. ist der Klassenkampf Reich gegen Arm. Und Sozialneid nach unten. Die Fakten sind bekannt.

Lesen wir doch mal diesen Artikel

http://www.zeit.de/wirtsc...

und beschäftigen uns damit mit der Gegenwart. Die Vorhersehung für 2020 für die neuen Bundesländer habe ich auch gelesen. Wer es glaubt, wird selig. Die gleichen protagonisten haben uns auch im jahr 2000 für 2010 Vollbeschäftigung wegen der demographischen entwicklung vorhergesagt. Ich behaupte, das die Glaskugeln auf den Jahrmärkten besser funktionieren als die Glaskugeln dieser Experten.

Fazit: Steigende Produktivität in kapitalistischen wirtschaftsordnungen führt eben zur Arbeitslosigkeit wenn nicht ordnungspolitisch gegengesteuert wird. Achtung: Das ist keine Kritik am Kapitalismus selbst. Es bleibt auch zu hoffen, daß am Ende das Menetekel Erich Honeckers nicht wahr wird: "Der Kommunismus hat nur eine Schlacht,aber nicht den Krieg verloren."

Zu 89: ThorHa: nur zur Altersverteilung geäußert

Ich sprach nur über die Altersverteilung! Weil viele den demographischen Wandel beklagen und darin einen Grund für die private, kapitalgedeckte Versicherung sehen. Was ich so nicht sehe!

Zudem zeige ich, wie eine zu geringe Geburtenrate früher kompensiert wurde. Was die junge Generation auch machen kann.

Zudem ist nicht das Verhältnis der Rentner zu den 18-65-jährigen wichtig, weil nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in die Sozialversicherung einzahlen. Da Frauen im letzten Jahrhundert lange Zeit als Mütter nicht berufstätig waren, also selber ihrem Ehemann Kosten verursachten, gibt es die Möglichkeit Frauen sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen, um das relevante Verhältnis, und damit die Einnahmen, zu verbessern. Die Arbeitsplätze werden von den Babyboomern freigemacht. Und zusätzlich entstehen Arbeitsplätze für die erforderliche Kinderbetreuung.

Mehr habe ich nicht dargestellt!

Ich kann Ihren Einwand also nicht verstehen. Und schon gar nicht sehe ich eine Widerlegung meiner Darstellung!

Die Altersverteilungen und Sterbetafeln werden vom Statistischen Bundesamt im Statistischen Jahrbuch veröffentlicht und sind von jedem als PDF-Datei bei www.destatis.de abrufbar. Damit sollte jeder die Richtigkeit meiner Darstellung nachprüfen können.

Halt! Eine Voraussetzung gibt es noch. Ihr müsst die vier Grundrechenarten beherrschen. Kenntnisse in höherer Mathematik sind nicht zwingend erforderlich, gleichwohl sie hilfreich sind beim Erkenntnisgewinn.

Ich muss Ihnen widersprechen,

natürlich ergibt sich das Hauptproblem für Deutschland in der Rentenversorgung aus dem Geburtenknick nach den Baby-Boomern. Ich empfehle einen Blick in die Alterspyramide für Deutschland: https://www.destatis.de/b...

Sie ähnelt doch stark einem Baum mit einer üppigen Krone (vorallendingen in den Geburtenjahren 1950-1967). Der rapide Abfall nach diesen Jahrgängen lässt doch nur ein Schluss zu, in dieser Zeit wurden zu wenig Kinder geboren. Man kann da zwar nicht von Schuld reden, aber verantwortlich sind die Baby-Boomer dafür sehr wohl.

Sie haben damit den Generationsvertrag (wie von Waräger im Kommentar #3 angesprochen) in gewisserweise sehr wohl gebrochen. Und wenn man wirklich objektiv ist, muss man die Kritik noch weiter spannen. Es kommen zu diesem Ungleichgewicht ja noch all die üppigen Pensions- und Rentenansprüche hinzu. Aus einer Bismarck'schen Altersgrundsicherung wurde doch in den Jahren 1970-90 eine quasi Lebensstandardsicherung gemacht.

Ich bin nur gespannt, was passieren wird, wenn all die Pensionsforderungen tatsächlich gezahlt werden müssen und (man muss es leider sagen) die Verteilungskämpfe der Generationen ausbrechen. Irgendwie muss das schließlich alles bezahlt werden. Was wird die Antwort sein, massive Umverteilung, griff ins private Vermögen?

Ein Nachtrag

Hier und an anderer Stelle wird in solch einem Zusammenhang immer sehr gerne von Ausbeutung, Dumping-Löhnen Renditesucht Konzernen u.ä. gesprochen. Meiner Meinung nach ist das wenn überhaupt nur ein Teil der Wahrheit. Wenn man sich die Unternehmen anschaut, in denen der Großteil der Leute arbeitet, so trifft das auf diese zu mindest nicht zu.

Ehrlicherweise muss man wohl eher zugeben, daß man sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ein Wohlstandsniveau, Sozialleistungsumfang und Anspruchsdenken geleistet hat, der real nicht gedeckt war und es findet jetzt nur eine sukzessive Anpassung statt. Was passiert, wenn der Lohn für die Arbeit die man leistet, nicht erwirtschaftet werden kann, ist aktuell bei der Lufthansa zu sehen.

Man nehme nur die Automobilbranche, in der die Löhne nur über "Quersubventionierung" durch Automatisierung, Preisdumping in den Zulieferbetrieben und Fertigung im Ausland halbwegs bezahlt werden können (und trotzdem sind die Autos noch wesentlich teurer).

Die bittere Wahrheit in meinen Augen ist, daß wir uns alle in mehr Bescheidenheit üben werden müssen. Spätestens die Konkurenz aus China wird uns auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

@bekassine

Natürlich könnten sie eine Maschinensteuer einführen, nur müssten sie sich mal wieder erinnern, warum man diese Maschinen überhaupt anstelle einer Arbeitskraft gesetzt hatte. Na, die Lohnkosten waren viel zu hoch. Also hatte man rationalisiert und mittels moderner vollautomatischer "Maschinen" die Produktionsabläufe effinzienter gemacht, um seine Lohnstückkosten zu senken, um so im internationalen Wettbeweb mithalten zu können. Wenn sie nun eine Maschinensteuer einführten, so würden sie eben diesen Rationalisierungseffekt wieder zunichte machen. Die Folgen: A) Unternehmensverlagerungen ins Ausland oder B) den Bankrott der betreffenden Betriebe.

Artikelzitat: "Der Spitzensteuersatz und die Unternehmenssteuer wurden gesenkt. Dann wurde der Niedriglohnsektor konsequent ausgebaut, wodurch die Arbeitgeber sich die Kosten für die Sozialversicherung sparen. "

Und warum hatte das damalig die Schröder-Regierung gegen viele Widerstände durchgesetzt? Na, um die Arbeitgeber und Investoren zu entlasten und um so viele Arbeitsplätze zu schaffen! Schon vergessen, dass wir vor rund 10 Jahren weit über 5 Millionen Arbeitslose hatten? Und DIESE! Arbeitslosigkeit wurde seitdem auf rund 3 Millionen Menschen abgesenkt. Zugegegebenermaßen mit nicht schönen Mitteln. Totzalledem stehen wir aber nicht trotz, sondern genau wegen! der "Agenda 2010" heute viel, viel besser da, als jedes andere Land in Europa. Insofern war/ist das alles bei weitem nicht schlecht, wie das von Autor suggeriert wird.

Wer Kinder will muss Mütter absichern

@ Waräger
"Die zukünftigen Alten sind diejenigen, die Schuld sind an ihrer Misere. Sie bekamen und bekommen zu wenige Kinder."

Die zukünftigen Alten wuchsen in einer Zeit auf, als Ehen vermehrt geschieden oder gar nicht erst geschlossen wurden und sichere Empfängnisverhütung möglich war. Der Unterschied zwischen Männer- und Frauenverdiensten war damals viel höher, als das heute der Fall ist. Kinder blieben bei den Müttern nach einer Scheidung. Es gab wenig Betreuungsmöglichkeiten. Männer konnten ihre Karriere verfolgen, finanziell fürs Alter vorsorgen, Zweit-, Drittfamilien gründen und immer wieder eine Frau mit einem Kind stehenlassen.

Dass diejenigen, die letztlich für Kinder dasein und geradestehen müssen, damals lieber verhüteten oder abtrieben, liegt daran, dass es damals und heute i.d.R. Männer sind, die die Gesetze machen.

60er Jahre

Männer konnten ihre Karriere verfolgen, finanziell fürs Alter vorsorgen, Zweit-, Drittfamilien gründen und immer wieder eine Frau mit einem Kind stehenlassen.

Kaum. Mit den üblichen Unterhaltszahlungen ist der Durchschnittsmann zu so etwas nicht in der Lage. Aber das führt auf den Kern der Frage, die der Autor des ursprünglichen Artikels wohl verdrängen wollte. Haben die gesellschaftlichen Veränderungen der 60er Jahre zu einer aus demographischen Gründen instabilen Gesellschaft geführt?

Wie auch?

In der Generation der Babyboomer haben sich Familienbeziehungen destabilisiert. Kinder und der betreuende Elternteil hatten das Nachsehen. Es gab kaum Betreuungsangebote, noch weniger Arbeitgeber, die Alleinerziehende eingestellt hätten. Denn der nicht erziehende Elternteil wurde nicht herangezogen um bei Kinderkrankheit mitzubetreuen. Der Arbeitgeber musste/muss das finanzieren. Dito Altersvorsorge, noch dazu wo die Renten doch sicher waren.

Als in den 90ern die Arbeitslosigkeit hoch war, blieb vielen nur die Selbständigkeit. Da war Altersvorsorge schwierig, weil nicht genug verdient wurde. Gutverdienende haben sich damals reihenweise aus der Rentenversicherung herausprozessiert. Seit dem Mauerfall müssen Ostrentner mitgetragen werden, wobei Ostjugend nicht entsprechend beitrug.

Frauen hätten damals und würden heute mehr Kinder kriegen, wenn Erziehungs- und Hausarbeit nicht hauptsächlich zu ihren Lasten auch bez. Einkommen, Einkommensmöglichkeiten und Altersversorgung gehen würde. Scheidungsquote liegt bei ca. 46%, durschnittl. Ehedauer bei ca. 13 Jahren. Ca. 20% der Kinder leben in Einelternfamilien, in > 90% der Fälle bei der Mutter. Frauen verdienen gleichzeitig durchschnittlich 20% weniger als Männer bei gleichem Job/gleicher Qualifikation.

Wenn man annimmt, dass Kindesunterhalt durchschnittlich 300/350€ p.m. beträgt, kann man sich ausrechnen wieviel der betreuende Elternteil noch drauflegen muss: Wohnungsmiete/Heizung/Kleidung/Essen/Schule/Ferien etc.

Wie bitte, Ostjugend trug nicht bei ?

Hier muss bei @karoo wohl was richtig gestellt werden:

„Seit dem Mauerfall müssen Ostrentner mitgetragen werden, wobei Ostjugend nicht entsprechend beitrug.“

Die ostdeutsche Jugend wurde doch in Größenordnungen in den Westteil, der schon viel früher demographisch zu implodieren begann, gelockt. Das wirkt natürlich dauerhaft nach! Aber keine Angst, der Strom versiegt mathematisch korrekt.

Die Geburtenrate in der DDR war ein gutes Stück höher und lag um die 1,8 Kinder pro Frau. Das mittlere Alter der Mütter betrug um die 25 Jahre! Dagegen sind BRD-Mütter steinalt.

In Bezug auf diese durchschnittlich 25 Jahre alten DDR-Mütter, beträgt doch die Geburtenrate hier altersbereinigt gar keine 1,36 Kinder pro Frau mehr, wie behauptet. Das richtige Drama sieht man in dieser Grafik:

http://www.indexmundi.com...

Da dieser Staat mit dem Elterngeld ein Programm für Risikoschwangerschaft und Hinausschieben des Kinderwunsches aufgelegt hat (schließlich zählt als Berechnungsbasis das Einkommen), wird dieser Effekt bald noch markanter.

Außerdem zwingt das Elterngeldgesetz stringent, zwischen den Kindern mehrere Jahre Pause einzulegen, sonst gibt’s beim zweiten Kind z.B. statt 21600 nur 4500 pro Jahr, da kein vorheriges Erwerbseinkommen zählt.

Lupenreine Familienpolitik in die Katastrophe - mit Vorsatz?

Struktur der Sozialversicherungssysteme . . .

Diese "Studentenjobs" mit den günstigen Beiträgen zu den Sozialversicherungsbeiträgen müssen abgeschafft werden. Außerdem sollte vor jedem Studium eine reguläre Berufsausbildung stehen. Wer mit 17 Jahren Abitur hat, dann - verkürzt - 3 bzw. 2,5 Jahre in Ausbildung ist, erwirbt nicht nur erste Berufserfahrung und weiß später, was er / sie als Führungskraft seinen/ihren Unterstellten zumutet, sondern zahlt bereits in die Sozialkassen ein. Mit 20 Jahren ist man immer noch sehr jung und kann, wenn man es nach der Einstiegserfahrung der Berufsausbildung immer noch will, sein Studium beginnen. Der heutige Trend, erst sehr spät im Beruf Fuß zu fassen, verwundert nicht, dass die Sozialversicherungssysteme ausgehöhlt sind und das sich ein Praktikum an das andere anschließt.
Altersarmut ist auch dadurch bedingt, das eben immer später eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen wird und dadurch nichts in die "Kassen" eingezahlt wird. Ich finde, es wird nicht ausreichend selektiert, das manche nur deshalb studieren, um nicht arbeiten zu müssen.
Und sich dann wundern, wenn es anschließend mit dem "Traumjob" nicht klappt, weil sich während des Studiums die Haltung zum Thema "Arbeit" wohl kaum geändert hat.