RechtsextremismusV-Mann gab fünf Hinweise zu NSU-Aufenthaltsort

Mehrere Male soll V-Mann Thomas S. dem Berliner LKA Angaben zum Versteck der NSU-Terroristen gemacht haben. Was mit diesen Hinweisen geschah, weiß offenbar niemand. von dpa und dapd

Landeskriminalamt Berlin

Landeskriminalamt Berlin  |  ©Ole Spata/dpa

Der mutmaßliche Helfer der Terrorzelle NSU Thomas S. hat dem Berliner Landeskriminalamt fünf Hinweise auf die drei Neonazis gegeben. Nach Informationen der Welt am Sonntag lieferte er 2002 den ersten Tipp zum Aufenthaltsort von Uwe Böhnhardt , Uwe Mundlos und Beate Zschäpe . 2005 soll Thomas S. vier weitere Angaben gemacht haben.

S. war von Ende 2000 bis Anfang 2011 als V-Mann für das Berliner LKA tätig. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren.

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Der V-Mann nannte dem Bericht zufolge auch den Namen eines Musikproduzenten, der dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) Waffen beschafft haben soll. Wie die Berliner Sicherheitsbehörde mit den Hinweisen umging und ob die Informationen an das Landeskriminalamt in Sachsen , den Verfassungsschutz und an das Bundeskriminalamt weitergeleitet wurden, ist derzeit offenbar unklar.

Die Enthüllungen bringen Berlins Innensenator Frank Henkel ( CDU ) weiter in Bedrängnis. Er soll bereits im März von der Tätigkeit des Terrorhelfers erfahren haben, diese Informationen jedoch nicht an den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags weitergegeben haben.

Sicherheitsüberprüfung ohne Folgen

Außerdem wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz S. offenbar von 2008 bis 2009 einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen hat. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung . Dabei habe das Amt keine Gründe gegen eine Einstellung "in einem sicherheitsrelevanten Beschäftigungsverhältnis" festgestellt.

Thomas S. soll sich seinerzeit bei einer Firma beworben haben, die mit Bundes- und Landesverschlusssachen zu tun hatte. Dem Bericht zufolge konnte er glaubhaft machen, dass er sich von der rechtsextremen Szene gelöst habe. Dass er bis 2011 Informant des Berliner Landeskriminalamts war, sei dem Verfassungsschutz nicht bekannt gewesen.

Der Behörde zufolge wurde der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags über die Sicherheitsüberprüfung informiert. Dessen Vorsitzender Sebastian Edathy ( SPD ) reagierte überrascht: "Mir ist dieser Sachverhalt nicht bekannt." Dass ein einschlägig bekannter Rechtsextremist, der als Informant in der rechten Szene arbeitete, bei einer Sicherheitsüberprüfung auf keine Beanstandungen stoße, sei für ihn nicht nachvollziehbar.

ZDF tilgt Fotos von Mundlos und Böhnhardt

Fahndungsfotos von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tauchten in einer 2004 erstmals ausgestrahlten Folge der ZDF-Serie "Küstenwache" auf. Die Bilder seien Teil einer fiktiven Polizeiakte gewesen, sagte ein Sprecher des Senders. Nach dem Hinweis einer Zuschauerin sei die Szene aus der Folge entfernt worden. Wie die Bilder in die von der Requisite gebastelte Akte gerieten, sei heute nicht mehr nachvollziehbar, sagte der ZDF-Sprecher. Man sei damals offensichtlich noch nicht so sensibel mit diesen Dingen umgegangen.

Die Fahndungsfotos stammen vom Landeskriminalamt Thüringen und waren zwischen 1998 und 2003 auch vom Bundeskriminalamt im Internet veröffentlicht worden.
 

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Leserkommentare
  1. sprachlos...

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  2. Körting sollte ja eigentlich noch mehr in Bedrängnis geraten! Unter Rot-Rot ist wohl da auch in Berlin eine ziemlich schwierige Struktur gewachsen.

    Eigentlich sollte das ja auch wieder auf Wowi zurückfallen können, wenn man es böse sieht (Der Fisch stinkt vom Kopf).

    Ich kann verstehen warum die Grünen nie einen Innenminister bisher gestellt haben! Sonst müssten die sich ja jetzt mal der Verantwortung stellen.

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    Es geht darum, dass Henkel bereits Anfang des Jahres davon wusste und es nicht dem Untersuchungsausschuss mitteilte. Ob Körting diese Infmormation vorher schon bekam oder diese jetzt erst im Laufe Ermittlungen offengelegt wurden steht auf einem anderem Blatt.

  3. angesichts dieses mehr und mehr undurchschaubaren Netzes überhaupt noch Vertrauen in unsere politischen Strukturen und Instanzen zu fassen.

    Es scheint keine zuverlässigen Kontrollmechanismen zu geben.

    Und das nach meinem Eindruck nicht nur auf der Ebene NSU-Verfolgung.

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  4. Die Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe zogen seit dem Jahr 2000 mordend durch die Republik, überfielen Banken und machten an der Ostsee Urlaub. Sie standen im Visier mehrerer Geheimdienste, ihr Umfeld war mit V-Leuten durchsetzt und derzeit wird von Seiten der Verantwortlichen in Politik und den Behörden alles daran gesetzt die Aufklärung der rassistischen Mordserie und die möglichen Verwicklungen bundesdeutscher Behörden zu behindern.Beschämend!!

    ZDF tilgt Fotos von Mundlos und Böhnhardt:
    Das Internet vergisst nichts.

    10 Leserempfehlungen
  5. Es ist immer vom "Versagen" der Geheimdienste die Rede.
    Was aber, wenn da gar niemand versagt hat.
    Was, wenn die NSU schlicht und einfach ein Killerkommando eines "tiefen Staats" war?

    Auch die NPD ist nur eine Veranstaltung des Verfassungschutzes. Ein Drittel der Parteimitglieder ist V-Mann. Bei den Kadern dürfte das Verhältnis noch ausgeprägter sein, bei den Finanzmitteln kann man von einer vollständigen Finanzierung aus Steuermitteln ausgehen. Deshalb geht die NPD allen Finanzskandalen zum trotz ja auch nie pleite

    Was ist nun der Zweck dieser Nazi-Inszenierung durch unsere Staatsorgane:

    Vor allem : die NPD soll die Parole vom "Der Schoß ist fruchtbar noch" glaubhaft machen. Dadurch wollen die Eliten den Ruf nach mehr Mitwirkung, nach mehr plebiszitäter Demokratie unterbinden.
    Funktioniert spitze: Ein Großer Teil des linksliberalen Milieus fürchtet sich vor direkter Demokratie, weil da nur die "dumpfen, nationalistischen Spießer" und "Alltagsrassisten" gewinnen würden.

    Die BRD-Eliten verstehen sich als Erziehungseliten für ein ganzes Volk. Deshalb ist die NPD, sind die Nazis aus Sicht der Eliten systemnotwendig. Sie sollen auf staatliches Geheiß hin eine Gefahr darstellen, die den Erziehungsstaat rechtfertigt.

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    sie entspricht den schlimmsten befürchtungen. nur ihre erklärung finde ich seltsam. die neo-nazis dienen den "eliten" als instrument gegen mehr demokratie? wie kommen sie darauf? die übliche erklärung ist doch eigentlich, dass die neo-nazis unterstützt werden als mittel gegen die linken... den alten systemfeind..?

  6. Auch in der Eurokrise kommt die staatliche Nazikeule zum Einsatz. In München halten die Freien Wähler derzeit Demonstrtionen und Versammlungen gegen die Euro-"Rettung" ab. Um diesem Protest ein böses Image anzuheften lässt der Verfassungsschutz immer die NPD bei diesen Veranstaltungen mit auflaufen. Die Freien Wähler gehen gerichtlich gegen die Nazis vor, aber leider ohne Erfolg. Denetablierten Parteien und der "Süddeutsche Zeitung" ist das nur recht. Sie schwadronieren vom bürgerlichen rechten Rand und mangelnder Distanz zu Neonazis -so funktioniert Politik in der BRD!

    Und weil gerade "Die Zeit" teil dieses Systems ist, wird dieser Post nicht lange hier zu lesen sein

    7 Leserempfehlungen
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    die von Anfang an offenen Fragen zu diesem Fall, die in Quantität und Qualität in erstaunlicher Weise immer weiter zunehmen, lassen einen dazu neigen, Ihnen zuzustimmen.

  7. Die für die Anhänger feudaler Privilegien doch so sympathische menschernverachtende Philosophie der reechten Szene hat so manches Auge mit wohlgefälliger Blindheit geschlagen und so ist jetzt die Hektik nur zu versständlich, mit dem man sich von dem Geruch des heimlichen Sympathisierens zu befreien versucht mit markkigen Worten, wo eine nüchterne und soorgfältige Aufklärung sicher mehr zur Lösung eines wohl lange schwelenden Problems beitragen könnte.
    Die Geheimdienste per se zu verdammen, kann das "Kind" mit dem Bade ausschütten.
    Die dumpfe Brutalität, die plakative Rethoriken bevorzugt ist auch ein Kind der Angst vor dem Anderen und Unbekannten, dass seinen Schutz dort sucht, wo die wegen einer ausgeuferten Lernresistenz übersehene Gefahr ihre willigen Opfer findet.
    Für den Umgang mit fremden Kulturen und Lebensstilen bieten sich in unserem Land noch viele eher selten genutzte Lernfelder, die uns vor den echten und den eingebildeten Belzebuben besser schützen als die Staatsmacht es je vermag.

    Eine Leserempfehlung
  8. die von Anfang an offenen Fragen zu diesem Fall, die in Quantität und Qualität in erstaunlicher Weise immer weiter zunehmen, lassen einen dazu neigen, Ihnen zuzustimmen.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd
  • Schlagworte Uwe Böhnhardt | Uwe Mundlos | CDU | SPD | ZDF | Beate Zschäpe
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