Deutsche Politiker sind sich uneins, ob der umstrittene Film Innocence of Muslims in Deutschland gezeigt werden soll. Die rechtspopulistische Gruppierung Pro Deutschland hatte am Wochenende angekündigt, dass sie den Film in Berlin aufführen wolle . Innenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ) forderte daraufhin ein Verbot der Filmvorführung. Das wiederum lehnen Oppositionspolitiker ab.

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sagte, eine bloße außenpolitische Rücksichtnahme reiche nicht aus , die Grundrechte zu beeinträchtigen. Verbote könnten nur das letzte Mittel sein. Der Grünen-Geschäftsführer Volker Beck sieht für ein Verbot ebenfalls keine Grundlage. "Nach dem, was ich gesehen habe, ist der Film eine geschmacklose Dämlichkeit, aber ohne strafbaren Inhalt", sagte Beck. Becks Parteikollege Jerzy Montag forderte Pro Deutschland auf, die Vorführung des Films abzusagen. "Das ist keine Kunst, keine Meinung, das ist nur Verunglimpfung."

Bei der katholischen Kirche stieß die Ankündigung von Pro Deutschland ebenfalls auf scharfe Kritik. Eine solche Filmvorführung wäre eine "inakzeptable und sinnlose Provokation, die letztlich den Frieden und die Christen weltweit gefährdet", sagte Erzbischof Robert Zollitsch , Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die gewaltsame Eskalation in der arabischen Welt erfülle ihn mit Sorge. Christen müssten sich in der arabischen Welt sicher fühlen können. Nur so sei Versöhnung möglich.

Filmvorführung könnte gefährlich sein

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt , sagte, eine Vorführung des Mohammed-Schmähfilms könne sehr gefährlich werden. Auch in Deutschland gebe es ausgesprochen aggressive Islamisten, sagte er. Ein kleiner Funke könne gleich eine Explosion an verschiedenen Stellen auslösen. Allerdings zeigte sich Wendt skeptisch, dass es gelingen könnte, eine öffentliche Aufführung des Films zu verhindern, sofern er keine Straftatbestände erfülle.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mahnte in der Debatte zur Mäßigung und forderte ein klares Zeichen der Bevölkerung. "Diejenigen, die den Glauben anderer derart herabwürdigen, provozieren unter Berufung auf die Meinungsfreiheit ganz bewusst", sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende. Zu einem respektvollen Miteinander in Frieden und Freiheit gehöre, "dass sich die breite Mehrheit der Gesellschaft entschieden gegen die wenigen Provokateure stellt".

Neben Friedrich hatte auch Außenminister Guido Westerwelle "rechtsstaatliche Härte" gegen die Verbreitung des Videos gefordert. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz regte an, zu prüfen, ob der Straftatbestand der Beleidigung religiöser Bekenntnisse erfüllt werde.

Seit knapp einer Woche gibt es in der muslimischen Welt teils gewalttätige Proteste gegen den in den USA produzierten Amateurfilm. Dabei starben mindestens 17 Menschen. Auch die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde angegriffen und angezündet.