Ein letztes Mal stehen sie als Dreierspitze auf einem Podium, doch die Kameras haben längst nur noch einen im Fokus: Peer Steinbrück. Da können Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier reden und gestikulieren wie sie wollen, die Objektive klicken erst dann wie wild, als Steinbrück sich kurz an die Stirn fasst.

Mit der Vorstellung des Ex-Finanzministers als designiertem Kanzlerkandidaten der SPD auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz heute in Berlin ist die Troika Geschichte. Alle Erwartungen lasten nun auf dem Übriggebliebenen: Peer Steinbrück.

Schon jetzt ist klar: Die eigene Partei wird ihrem Kandidaten nicht ohne Widerworte folgen. Sie stört sich zum Einen an der Art der Kandidatenkür. Die drei hätten am Ende unter sich ausgekungelt, wer es wird – und es dann zuerst der Presse und nicht der eigenen Partei verkündet.

"Ich habe das heute morgen aus den elektronischen Medien erfahren", ärgert sich Klaus Barthel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Partei. "Das ist nicht die Art, wie man so etwas bei uns machen sollte", sagte er ZEIT ONLINE. Für die Sprecherin der SPD-Linken Hilde Mattheis ist das Verfahren "sehr befremdlich". Sie und viele andere stören sich daran, dass sich die Parteispitze nicht an die eigenen basisdemokratischen Ansprüche hält. Insbesondere SPD-Chef Gabriel hatte in der Vergangenheit immer wieder die Basis gebauchpinselt, einfachen Mitgliedern mehr Mitspracherecht einräumen wollen. 

Doch zwischen wem hätte sich die Basis entscheiden sollen? Wer keine Auswahl hat, braucht auch keine Wahl. Am Ende war die Kandidatenkür ein Ausscheidungsverfahren, wie Gabriel den verdutzten Journalisten am Freitagnachmittag erklärte. Er selbst wisse schon seit dem Frühjahr 2011, dass er nicht antreten wolle, und vor vier Wochen hätte dann auch Steinmeier abgesagt. "Ein Mitgliederentscheid hätte ja nur dann Sinn gemacht, wenn es mehrere Kandidaten gegeben hätte", sagt auch der SPD-Chef von Schleswig-Holstein Ralf Stegner, ein Parteilinker. 

Zweitens ist die Tonlage der Parteilinken geradezu vorfreudig kampfeslustig, wenn es um die Inhalte geht. "Die inhaltlichen Debatten sind ja mit der Personalentscheidung noch lange nicht beendet, im Gegenteil", sagt Arbeitnehmer-Chef Barthel. Er und seine Mitstreiter wollen dem Kandidaten Steinbrück nun ihr Programm verpassen. Das ist vor allem: Ein Rentenkonzept, das das Niveau nicht auf 43 Prozent absenkt, wie es auch Steinbrück bisher vertreten hat. Schon am kommenden Montag diskutiert der Parteivorstand dieses umstrittene Thema ein weiteres Mal.