Steinbrück-KandidaturEin Peer, sie zu einen

Die K-Frage ist entschieden, die Kämpfe in der SPD aber noch lange nicht beendet: Die Parteilinke will dem einstigen Gegner Steinbrück jetzt ihr Programm aufdrücken. von 

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück   |  © Tobias Koch/dapd

Ein letztes Mal stehen sie als Dreierspitze auf einem Podium, doch die Kameras haben längst nur noch einen im Fokus: Peer Steinbrück. Da können Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier reden und gestikulieren wie sie wollen, die Objektive klicken erst dann wie wild, als Steinbrück sich kurz an die Stirn fasst.

Mit der Vorstellung des Ex-Finanzministers als designiertem Kanzlerkandidaten der SPD auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz heute in Berlin ist die Troika Geschichte. Alle Erwartungen lasten nun auf dem Übriggebliebenen: Peer Steinbrück.

Schon jetzt ist klar: Die eigene Partei wird ihrem Kandidaten nicht ohne Widerworte folgen. Sie stört sich zum Einen an der Art der Kandidatenkür. Die drei hätten am Ende unter sich ausgekungelt, wer es wird – und es dann zuerst der Presse und nicht der eigenen Partei verkündet.

"Ich habe das heute morgen aus den elektronischen Medien erfahren", ärgert sich Klaus Barthel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Partei. "Das ist nicht die Art, wie man so etwas bei uns machen sollte", sagte er ZEIT ONLINE. Für die Sprecherin der SPD-Linken Hilde Mattheis ist das Verfahren "sehr befremdlich". Sie und viele andere stören sich daran, dass sich die Parteispitze nicht an die eigenen basisdemokratischen Ansprüche hält. Insbesondere SPD-Chef Gabriel hatte in der Vergangenheit immer wieder die Basis gebauchpinselt, einfachen Mitgliedern mehr Mitspracherecht einräumen wollen. 

Doch zwischen wem hätte sich die Basis entscheiden sollen? Wer keine Auswahl hat, braucht auch keine Wahl. Am Ende war die Kandidatenkür ein Ausscheidungsverfahren, wie Gabriel den verdutzten Journalisten am Freitagnachmittag erklärte. Er selbst wisse schon seit dem Frühjahr 2011, dass er nicht antreten wolle, und vor vier Wochen hätte dann auch Steinmeier abgesagt. "Ein Mitgliederentscheid hätte ja nur dann Sinn gemacht, wenn es mehrere Kandidaten gegeben hätte", sagt auch der SPD-Chef von Schleswig-Holstein Ralf Stegner, ein Parteilinker. 

Zweitens ist die Tonlage der Parteilinken geradezu vorfreudig kampfeslustig, wenn es um die Inhalte geht. "Die inhaltlichen Debatten sind ja mit der Personalentscheidung noch lange nicht beendet, im Gegenteil", sagt Arbeitnehmer-Chef Barthel. Er und seine Mitstreiter wollen dem Kandidaten Steinbrück nun ihr Programm verpassen. Das ist vor allem: Ein Rentenkonzept, das das Niveau nicht auf 43 Prozent absenkt, wie es auch Steinbrück bisher vertreten hat. Schon am kommenden Montag diskutiert der Parteivorstand dieses umstrittene Thema ein weiteres Mal.

Leserkommentare
  1. Neben aller Kritik, die wir hier auf Zeit-online den reisserischen Überschriften entgegenbringen müssen, nun auch mal ein Lob:

    "Ein Peer, sie zu einen" ist super :)

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    Ich habe selten etwas dämlicheres gehört, als diesen Slogan!

    Vielleicht wäre "Peer" eher als Einheit zu gebrauchen, für alle Fehlstunden im Bundestag, also die Nichteinhaltung seines vom Volk erteilten Auftrags zugunsten von privaten Erwirtschaftungen...

  2. Er hat das kürzeste Streichholz gezogen.

    Kanzlerkandidat der SPD zu sein, heisst, die verstopften Gullies reinigen zu müssen.

  3. "Wer keine Auswahl hat, braucht auch keine Wahl."

    So sehe ich das für 2013 auch.

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    • Otto2
    • 29. September 2012 11:20 Uhr

    Ein(e) Linke(r) aus dem Spektrum der SPD wird mit der SPD nie Kanzler.
    Das war auch schon durch die Troika ausgeschlossen. Was blieb, war denjenigen auszukungeln, von dem man hofft, dass er wahlabstinente ehemalige SPD-Wähler mobilisiert und einen Einbruch in Wählerschichten von CDU und FDP schafft. Ich schreibe mit Absicht nicht "Einbruch in das bürgerliches Lager", weil die "Steine" und viele andere in der SPD-Führung Teil des bürgerlichen Lagers sind.
    Die SPD könnte tatsächlich mit Steinbrück ehemalige CDU Wähler gewinnen. Sie wird aber ca. 1-2 % an die Partei die Linke verlieren. Unterm Strich kommt wohl ein Plus für die SPD heraus. Wie sich das auf die Anzahl der Abgeordneten auswirkt, hängt außerdem sehr vom Abschneiden der CSU ab. Verfehlt Die CSU ihr angestrebtes Ziel (absolute Mehrheit in Bayern), sieht es nicht schlecht für eine Ablösung von Merkel aus. Eine Regierung, bestehend aus SPD und Grüne (eventuell mit einer leicht modifizierten FDP), wäre möglich.
    Ansonsten? Große Koalition unter Merkel ohne Steinbrück, wenn er sein Wort hält, denn SIE wird auf keinen Fall gehen.

  4. Nunja, als "Vizekanzler" unter der Union taugt er sicherlich.

    *aber wer wählt schon "SPD", wenn man nicht völlig "beratungsresistent" ist!?

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    • S0T86
    • 28. September 2012 19:59 Uhr

    Wer wählt schon CDU, wenn er nicht völlig beratungsresistent ist? Die Kanzlerin hat überhaupt nichts Nachweisbares für dieses Land geleistet. Sie verwaltet und moderiert. Punkt. Keine Inhalte, keine Prinzipien, kein klarer Kurs. Man muss eher sagen: Der Schlingerkurs eines Betrunkenen.

    Ihre Koalition hat in über drei Jahren wirklich nichts, gar nichts hinbekommen. Wer immernoch glaubt, so sähe gute Politik aus, der ist mindestens beratungsresistent, wenn nicht gar ein Hauptgrund dafür, dass man für die Zukunft dieses Landes "schwarz" sehen muss.

    Konservative Politik war schon immer rückständig, das steckt bereits im Begriff konservativ essentiell drinnen und Angela Merkel ist der Beweis dafür.

    Ich werde lieber von einem Peer Steinbrück regiert, als von Finanzmärkten, für die Merkel lediglich ein Medium ist. Die Vernunft muss in die Politik zurückkehren: Banken zur Verantwortung ziehen, Demokratie vor der Wirtschaft einordnen, eine sozialere Gesellschaft fordern.

    • EU fan
    • 28. September 2012 19:25 Uhr

    Angst die Verantwortung zu übernehmen! Die Kriese wird in der naechsten Legislaturperiode Knüppelhart kommen, unter anderem auch weil Steinbrück immer ganz vorn dabei war wenn es darum ging die Zukunft unserer Kinder für Südeuropa zu verpfaenden!

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    • Chali
    • 28. September 2012 19:32 Uhr

    ... die Zukunft unserer Kinder für Südeuropa verpfändet!

    Für (einige) Südeuropäer vielleicht, aber bestimmt nicht für "die Südeuropäer".

    • Chali
    • 28. September 2012 19:26 Uhr
    6. [...]

    Bitte formulieren Sie Kommentare, so dass sie allgemein verständlich sind. Danke, die Redaktion/fk.

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    hat sicherlich ein anderer an, eine andere. Die sogenannte Finanzwirtschaft! Sie knechtet und findet, sie treibt uns ins Dunkel und bindet uns ewig (Zinseszins)!

    Eigentlich eine treffende Beschreibung. Fürwahr gelungen. Nur der Ringträger ist eben ein anderer, der Mammonkult.

    • Kobuk
    • 28. September 2012 19:27 Uhr

    Kraft wär die bessere Wahl gewesen. Was für ein Wahlkampf. Mutti gegen Mutti. Aber nur eine mit Herz.

    Aber da haben die Seeheimer wohl nicht mitgespielt. Hab egerade auf NTV gesehen wie sich Wirtschaftsvertreter freuen über die Nominierung von Steinbrück.

    Na dann steht der Vollendung des Großen Ausverkaufes ja nichts mehr im Wege.

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    daß die Bankenvertreter über Steinbrücks jüngsten Vorschläge überhaupt nicht erfreut sind.

    Dieses Jammern ist müßig!

    Hannelore Ktraft hat klar gesagt, dass sie, wenn es der Wähler will, bis nach 2017 in NRW bleibt und gut!

    Sie ist eine gute Ministerpräsidentin, hat sie im März bewiesen.

    ... ist also die personelle Wahl, vor die wir gestellt werden. Somit dürfte entscheidend sein, welche Lösungen die Kandidaten zur Rentensicherheit bei zunehmenden Niedriglohnanteil anbieten und wie bei Hartz4 nachgebessert wird. Klein- und Normalverdiener werden spätestens nach einem schlechten Jahr zu Bittstellern gemacht. Private Rücklagen für den Wohnungskauf gehen wieder verloren. Hartz4-sicher ist nur die Nullnummern-Riesterrente der Versicherungslobby.

    ... anzupreisen ist doch schon eher Lieschen-Müller-Niveau.

    Ganz nett ihre Teilerfolge in NRW - konzediert.

    Aber diese - unschwer ( siehe Leichtgewicht-Gegner)errungenen - Erfolge und ihr Frau-Sein scheinen vielen Zeitgenossen schon die Hirne zu vernebeln. Frau an sich is noch gar nix.

    Eine regionale, umständebedingt erfolgreiche - KRAFT -
    bietet noch lange keine Gewähr füe bundesweite Kraft und Kompetenz.

    Sympathisch, dass sie entsprechende Erwartungs- und Kompetenzzuweisungen bisher immer in die gehörigen Schranken verwiesen hat.

    • LennyP
    • 29. September 2012 0:39 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  5. und einfallende Reiterstaffeln in kleine Nachbarländer weckt bei mir gewisse Erinnerungen. Aber es soll wohl wieder nur das Beste für Deutschland sein.

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