Ursula von der Leyen steht bei der Zuschussrente vor ihrer größten politischen Niederlage. Doch sie will sich nicht geschlagen geben. Im Gegenteil, jetzt geht sie so richtig in die Offensive . "Diesen Kampf stehe ich auch durch", sagte sie Spiegel Online .

Dabei ist ihr Projekt so gut wie tot. Zumindest in der von ihr vorgegebenen Form. Zu viele gewichtige Unionspolitiker haben sich inzwischen dagegen ausgesprochen, die Kanzlerin inklusive. Auch die Unionsfraktion im Bundestag will die Zuschussrente nicht, das machte der Fraktionschef Volker Kauder am Donnerstag wieder deutlich. Es müsse geprüft werden, ob die bisherigen Vorschläge "ausreichend" seien für die "doch sehr grundsätzlichen Fragen", sagte er. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hatte da schon angekündigt, sich "nicht unter Zeitdruck setzen lassen".

Mit besorgniserregenden Zahlen zur Altersarmut war von der Leyen am Wochenende an die Presse gegangen , es sollte der ganz große Aufschlag für ihr Projekt Zuschussrente werden. Am Ende eines langen Arbeitslebens, nach 30 Jahren mit einem ordentlichen Monatseinkommen nur auf 688 Euro Rente zu kommen – wer könne angesichts dieser Fakten noch Nein sagen zu dem Von-der-Leyen-Konzept zur Verhinderung von Altersarmut?

Bloß gestellt von der Kanzlerin

Die Zuschussrente müsste schnell kommen, so lautete das Kalkül der Arbeitsministerin. Bisher war es doch meistens aufgegangen, wenn sie nach außen emotional argumentierte und nach innen hart und unnachgiebig verhandelte. Doch dieses Mal hatte sie sich verzockt: Ihre Rentenrechnung sei manipuliert, die Zahlen "bestellt", warf ihr der FDP-Generalsekretär vor. Kritik kam auch von der Deutschen Rentenversicherung und von Sozialverbänden. Schlimmer noch: Auch die Unionsführung distanzierte sich, sprach von weiterem Beratungsbedarf. Vernichtend dann das Urteil der Kanzlerin. "Bis zum Wochenende habe ich noch gedacht, das ist eine gute Sache. Aber je besser ich die Zahlen kenne, desto stärker wachsen meine Zweifel", soll Angela Merkel in einer internen Sitzung der Unionsminister gesagt haben. Entsprechende Medienberichte wurden bis jetzt nicht dementiert.

Dass ein Kabinettsmitglied von den eigenen Leuten derart bloßgestellt wird, ist selten. Für von der Leyen, der ein besonderer Ehrgeiz nachgesagt wird, muss das doppelt bitter sein. Die Ministerin kokettiert gern mit dem Ruf einer Kämpferin für das Soziale in der Gesellschaft. Sie vertrete "Positionen mit Leidenschaft, manchmal renne ich damit auch gegen die Wand", sagte sie kürzlich nicht ohne Stolz in einem Zeitungsinterview .