Verbotsdebatte : Der Mohammed-Film ist eine Provokation, mehr nicht

Manch ein Politiker will die Aufführung des Mohammed-Filmes in Deutschland verhindern. Falsch, kommentiert Wenke Husmann, auch wenn der Streifen noch so dümmlich ist.

Das Mohammed-Video , das seit Tagen in arabischen Ländern für gewalttätigen Aufruhr und hier seit dem Wochenende für politische Aufregung sorgt, ist schlecht gemacht, dümmlich und geschmacklos . Muss seine Aufführung in Deutschland deshalb verboten werden?

Die Welt ist voll von doofem Zeug. Das Internet auch. Geschmackloses ist dabei und billigst Produziertes und Beleidigendes. Dennoch fordert glücklicherweise keiner ein Verbot, derartiges in Deutschland zu zeigen, solange es nicht gegen Gesetze verstößt, wie kinderpornografisches oder rechtsnationales Material.

Auch das umstrittene Video zeigt nichts Verbotenes. Seine Aufführung zu untersagen dürfte schwierig durchzusetzen sein, wenngleich sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich "mit allen rechtlich zulässigen Mitteln" dafür einsetzen will. Der "Straftatbestand der Beleidigung religiöser Bekenntnisse", den der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz geprüft haben will und der in Paragraph 166 des Strafgesetzbuches geregelt ist, jedenfalls schützt den öffentlichen Frieden. Nicht das Glaubensbekenntnis als solches.

Wenn also Politiker, vor allem aus der CDU / CSU und der FDP ein Aufführverbot begrüßen , geht es gar nicht um die dummen Bilder, die verhindert werden sollen, auch nicht um die inhaltlichen Beleidigungen. Es geht um die Provokation, die sie transportieren. Mit der haben wir derzeit ein gewaltiges Problem.

Islamisten und Islamophobe greifen das Thema dankbar auf

Zum Wesen der Provokation gehört die Übertreibung und die Normverletzung, sie überzeichnet, vereinfacht, und all das mit dem Ziel, eine bestimmte, vorausberechnete Reaktion hervorzurufen. Im Fall des Mohammed-Films haben Islamisten in arabischen Ländern die Provokation aufgegriffen . Ein Anlass, sich in den Umbruchsländern Gehör und damit mehr Einfluss zur verschaffen, kam ihnen gerade recht.

Auch in Deutschland trifft die Provokation auf dankbare Abnehmer. Die rechtspopulistische Splittergruppe Pro Deutschland, die das Video zeigen will , hofft der Bedeutungslosigkeit zu entkommen, wenn die alte Debatte über Integration, Islamismus und eine vermeintliche Meinungszensur hierzulande wieder aufflammt.

Gefährdet dieses Video bei uns also tatsächlich den öffentlichen Frieden? Man kann es sich ausmalen: Da müssen dann für eine Aufführung, die Pro Deutschland in irgendeinem Saal mit 150 Plätzen organisiert hat, 500 Polizeibeamte anrücken, um die paar Besucher und die 2.000 Demonstranten voneinander zu trennen und den Hundertschaften von Journalisten und Kamerateams ihre Arbeit zu ermöglichen. Was für ein Auflauf und was für ein Aufwand!

Wenke Husmann

Wenke Husmann ist Redakteurin im Ressort Kultur bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Sicher. Doch das war's dann auch schon. Fast könnte man sich freuen, dass wir unser Recht auf Meinungsfreiheit so billig haben können. Denn erstrebenswert bleibt in erster Linie eine Gesellschaft, in der jeder einzelne mündig behandelt wird und sich anschauen kann, was er will, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Das bedeutet auch, mit Dingen leben zu müssen, die nichts weiter sind als eine Provokation.

Das Mohammed-Video lohnt sich im Übrigen auch dann nicht anzuschauen, wenn es erlaubterweise irgendwo gezeigt wird. Es bleibt schlicht ein geschmackloses, dümmliches und schlecht gemachtes Filmchen.

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Kommentare

215 Kommentare Seite 1 von 29 Kommentieren

Viel Tamm-Tamm

Was für ein Aufhebens um eine "öffentliche Aufführung" gemacht wird. Die Ausschnitte auf Youtube sind nachwievor verfügbar und wer von dem 15-minütigen Trailer-Video noch nicht beleidigt wurde wird es vom kompletten Film höchstwahrscheinlich auch nicht. Soll Pro Deutschland den kompletten Film doch zeigen, wenn sie wollen, ohne die ganze mediale Aufmerksamkeit hätte sich ohnehin niemand dafür interessiert.

Ich gebe Ihnen Recht.

Sollen Sie doch machen.
Statt einem Verbot würde ich viel lieber die Bildung als Lösung sehen - hier könnte dann tatsächlich solchem Gedankengut entgegengewirkt werden!

Anschauen lassen und darüber dann konstruktiv sprechen, warum dieser Film eben beleidigend, destruktiv und - entschuldigung - hirnlos ist.

Ich finde es erschreckend, wenn sofort nach Verbot und Zensur geprüllt wird. Sowas ist keine Lösung.

Denke ich auch !

Ich habe mir den Trailer angeschaut...na ja,man kann daran Anstoss nehmen, aber nur weil es dummes Zeug und dazu noch schlecht gemacht ist. Ist doch das gleiche Theater, wie bei den "Satanischen Versen", was für ein Blödsinn ! Schrecklich verquast geschrieben und zutiefst langweilig ! Vielleicht hat es auch in der Übersetzung verloren, aber ich habe da nichts Welterschütterndes wahrnehmen können.
Aber da ich überzeugter Atheist bin, habe ich auch ein dickeres Fell, wer weiss ?

Vonwegen "dümmlich"

Es hat immerhin gereicht Menschen zu ermorden und im Nahen Osten noch mehr Feuer ins Öl zu gießen.
Bleibt die Frage, wem nützt das Ganze?
1. Obama? Sicher nicht.
2. Den Republikanern? Möglich.
3. Den Israelis? Kaum. Aber vermutlich Netanjahus Regierung.
Man könnte noch mehr Fragen stellen. Wichtig ist meiner Meinung nach folgende Schlussfolgerung:
Der Nahe Osten ist gegenwärtig Pulverfass (nicht neu). Warum aber reagiert der Westen ungeschickt? Ob eine Provokation eine Provokation ist, entscheidet doch nicht nur der der provoziert!

- und die Folgen...

Wenn die öffentliche Aufführung DIESES Films verboten wird, weil er die öffentliche Ordnung störe, werden künftig ALLE Veranstaltungen verboten werden können, wenn deren Gegner nur genug Krawall machen.

Das hieße aber, dass diejenigen Grüppchen, die am meisten Krawall machen, bestimmen könnten, wo die Meinungsfreiheit aufhört.

Der Film ist - soweit ich ihn gesehen habe - sicher unerträglich und eine Provokation und religiöse Beleidigung, die in meinem Herzen mindestens nach Verbot, eher nach Rache schreit.

Dennoch werden wir ihn ertragen müssen. Im Sinne der Meinungsfreiheit. In jeder Kneipe gibt es Idioten, die ihre Idiotie gleichwohl preisgeben dürfen.

Was bekümmerts den Propheten, was den Christus, was den Buddha, wenn ihn ein Idiot anpinkelt? Der wahre Prophet steht erhaben und unantastbar darüber.

Menschen können ihm nichts anhaben.

Die Konsequenz ist doch...

Wenn für den Islam nicht die gleiche Meinungsfreiheit gilt, da der Islam offenkundig ein sehr grosses Problem mit politisch agierenden Islamisten hat haben wir früher oder später ein grosses Problem in Europa.

Wenn einige Fanatiker soviel Angst verursachen das es praktisch 0 Gegendemonstrationen innerhalb der muslimischen Ländern gibt, warum soll es in Europa anders verlaufen?

Im schlimmsten Fall haben wir das 1930 Szenario. Auch bei den Nazis haben einige wenige 10.000 gereicht um alle Deutschen in Angst und Schrecken sowie zu Mitnazis auf ewig zu machen!

Warum sind die Nazisymbole in Deutschland verboten?

Wenn die deutsche Gesellschaft so demokratisch seien sollte und die Nazizeit überwunden hat, sollte man Hakenkreuz und aehnliche Material nicht mehr verbieten. Warum gibt es für die Nazisymbole keine Meinungsfreiheit?
Da der Vorbot weiterhin bestehen bleibt, gibt es anscheinend noch bestimmte Aengste. Diese sollte dann auch für einen Provokantenfilm über den Islam gelten!

Respekt!

Der Autor des Films vertritt gar keine Meinung. Er instrumentalisiert wertvolle Rechte, um religiöse Gefühle zu verletzen.

Soll man ihm dafür Freiheiten einräumen?

Bei aller Vorsicht bei und Wertschätzung für die Meinungsfreiheit in Deutschland: Hier ist eine Grenze erreicht, hier zählt der Respekt vor dem Glauben mehr als eine vermeindliche Freiheit für gefilmten Müll.

Respekt?

Es geht aber gar nicht nur um diesem Film. Es geht um viel mehr. Mit der gleichen Haltung könnte man ja auch jede andere freiheitliche Errungenschaft zensieren wollen, nur weil es Menschen gibt, die diese Freiheit missbrauchen. Die Frage, ob eine Gesellschaft mehr Respekt vor dem Glauben der Menschen einfordern sollte ist eine wichtige Frage, der wir uns auch mit großem Ernst stellen sollten. Innerhalb unserer Gesellschaft und auch in Bezug darauf, wie man respektvoll mit den Eigenarten anderer Kulturen umgeht. Aber der Konflikt der damit verbunden ist wird von den Islamisten instrumentalisiert. Sie benutzen sie, um damit Politik zu machen. Dabei geht es weder um irgendeine Ethik noch um den Glauben oder den Respekt davor. Es geht um fanatische Anhänger einer blinden Ideologie, die Fragen, die durch diese Freiheit aufgeworfen werden ausgenutzt werden, um für ihre ihre extremistischen Ideologien zu kämpfen. Und es geht darum, dass sich der Rest der Welt von diesen Leuten auf Dauer nicht einschüchtern und erpressen lassen darf.
Respekt sollte man auch einfordern dürfen für eine Freiheit, die nicht nur missbraucht wird, sondern die Millionen von Andersgläubigen, Moslems, Buddhisten, Hindus und was weiß ich nicht schätzen gelernt haben. Die diese Menschen ernährt, ihnen Zuhause und Existenz bietet. Wenn man über Respekt redet sollte man de von allen Meschen einfordern dürfen. Auch von denen die da Krawall schlagen.

einknicken vor den Islamisten

noch steht die meinungsfreiheit über allen, als hohes gut, es wird aber von radikalen "gottskrieger" mßbraucht, um ihre weltanschauung durch zu setzen. Mithilfe der sogenannten glaubensfreiheit. Warum muss der staat reagieren. Bei dem Foto in der Ttanic vom papst, hat die kat. kirche drauf eingewirkt, nicht herr Friedrich.Das ist der unterschied. Die hier lebenden Juden, Moslems und andere müssen sich daran gewöhnen, dass sie nicht zu hause leben.

Meinungsfreiheit muss nicht von oben „eingeräumt“ werden.

Der Autor des Films [...] instrumentalisiert wertvolle Rechte, um religiöse Gefühle zu verletzen.

Wer wirklich „religiöse Gefühle“ hat, sollte das tun, was Helmut Schmidt bei „Visionen“ empfohlen hat. I.d.R. sind „religiöse Gefühle“ lediglich ein vorgeschobener Grund, um Privilegien für die eigene Ingroup zu fordern bzw. zu zementieren.

„Soll man ihm dafür Freiheiten einräumen?“

Hier unterliegen Sie einem fundamentalen Irrtum. Die Freiheit dazu muss nicht irgendjemandem eigens „eingeräumt“ werden, sie besteht a priori.

„Bei aller Vorsicht bei und Wertschätzung für die Meinungsfreiheit in Deutschland“

Eine plattitüdenhafter Disclaimer à la „einige meiner besten Freunde sind...“

„hier zählt der Respekt vor dem Glauben mehr als eine vermeindliche Freiheit für gefilmten Müll.“

Schon wieder falsch. Wenn sich ein Verbot der Aufführung überhaupt durchsetzen lässt, dann ausschließlich aus Sicherheitsgründen, und nicht wegen angeblich gebotenem „Respekt“ vor irgendjemandes „Glauben“. Daher verlangt auch niemand ein Verbot des Films als solchen, sondern lediglich einer Veranstaltung, von der eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht.