Bundeskanzlerin Angela Merkel beim CSU-Parteitag in München © Lukas Barth/dapd

Horst Seehofer ist nicht aus der strahlenden Münchner Herbstsonne wegzubewegen. Der Parteivorsitzende  der CSU gibt Fernsehinterviews vor der Parteitagshalle, eine halbe Stunde schon. Hinter ihm stehen seine Generalsekretäre Alexander Dobrindt und Dorothee Bär. Es ist heiß und windstill. Dobrindt und Bär schweigen und schwitzen.

Gar nicht mehr aufhören will ihr Chef, er wiederholt sogar Journalistenfragen, für alle, die es wegen des Andrangs um ihn herum akustisch noch nicht mitbekommen haben. "Ich wurde gefragt, ob Angela Merkel bei der Euro-Rettung alles goldrichtig macht", flötet Seehofer: "Ich würde sagen: bisher ja."

Was ist nur mit den Christsozialen los?

Die CSU trifft sich zum Arbeitsparteitag in München, sie will ihre Leitlinien für die weitere Euro-Politik festlegen und sich für die Landtagswahl in einem Jahr profilieren. Nicht mal 24 Stunden ist es her, dass sich Bundeskanzlerin Merkel in Brüssel gegen eine vorschnelle Einführung einer Bankenunion in der Euro-Zone stemmen musste; die Europäische Zentralbank hat sich kürzlich ein umstrittenes Mandat gegeben, um unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen; Griechenland bittet um mehr Zeit für seine Reformen, mehr Geld und Garantien wird das Krisenland wahrscheinlich auch brauchen.

Seehofers Euro-Bilanz

Genug Stoff wäre also vorhanden für neue wilde Warnungen aus München, zum Beispiel vor dem "Falschmünzer" (so nannte Dobrindt einst EZB-Chef Mario Draghi). Oder für den Hinweis, die Euro-Zone müsse an Griechenland endlich ein "Exempel" statuieren, den der bayerische Finanzminister Markus Söder vor einigen Wochen meinte geben zu müssen.

Seehofer hatte alle diese umstrittenen Äußerungen seiner Getreuen billigend in Kauf genommen. Dienten sie ihm doch stets dazu, die Kanzlerin zu mahnen und sich und seine Partei im bayerischen Wahlkampf als Hüter der deutschen Interessen zu gerieren.

Und jetzt steht da plötzlich ein neuer Horst Seehofer, der alle seine roten Linien vergessen zu haben scheint. Mehr Zeit für Griechenland, das sei schon eine "Option". Und die Frage nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone stelle sich "im Moment nicht". Hatte Dobrindt nicht noch vor einigen Wochen prophezeit, spätestens 2013 werde in Griechenland wieder die Drachme eingeführt?

Und nun vollzieht die CSU also eine Kehrtwende? In Seehofers Augen natürlich nicht: "Alle zwei bis drei Jahre zieht man mal Bilanz", erklärt er seine aktuelle Befindlichkeit in der Euro-Krise: "Und die Bilanz ist: Der Weg ist sehr positiv."