Mike Mohring war so optimistisch. "Sensationell" sei es , sagte der finanzpolitische Sprecher der thüringischen CDU-Fraktion gestern der Süddeutschen Zeitung , dass sich die Unionsfraktionen aller 16 Länder auf einen gemeinsamen Reformvorschlag für den Länderfinanzausgleich einigen konnten.

Auf fünf Seiten skizzierten sie ihr Konzept , mit dem sich sowohl für die Geber- als auch für die Nehmerländer gute Haushaltspolitik wieder lohnen solle. Dazu soll auch der Bund einspringen und mehr und länger zahlen als bisher. Kaum 24 Stunden später dürfte es allerdings vorbei sein mit Mohrings Optimismus. Denn neben einigen SPD-Landespolitikern stellt sich jetzt auch die eigene Bundestagfraktion gegen die Pläne.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsgruppe im Bundestag, Michael Meister, sagte ZEIT ONLINE: "Es kann nicht sein, dass am Ende der Bund die Rechnung für eine Reform des Länderfinanzausgleichs bezahlt." Stattdessen sollten die Bundesländer eine Lösung untereinander suchen.

Das Länder-Papier sieht unter anderem eine "Bundeshauptstadthilfe" für Berlin vor. Damit soll der Bund den Ländern die Unterstützung für den chronisch unterfinanzierten Stadtstaat abnehmen. Damit nicht genug: Auch die sogenannten "Sonderbundesergänzungszuweisungen" sollen eben diesen Sonderstatus verlieren und dauerhaft fließen. Mit diesen Geldern unterstützt der Bund bisher die Länder bis 2019, damit diese die Schuldenbremse einhalten können. Ginge es nach dem Willen von Mohring und seinen Mitstreitern, würden diese Zuweisungen danach für "strukturelle Probleme einzelner Länder" verwendet.

Der Bundespolitiker Meister, im Fraktionsvorstand zuständig für Haushalt und Finanzen, hat für solche Forderungen kein Verständnis. "Es heißt ja schließlich Länderfinanzausgleich, das Wort Bund kommt darin gar nicht vor", sagte er.

Und so konnte auch der jüngste Reformvorstoß der Transfers zwischen den reicheren und ärmeren Bundesländern scheitern. Der Länderfinanzausgleich ist so etwas wie der unlösbare Gordische Knoten in der deutschen Finanzpolitik. 16 Geberländer und Nehmerländer, SPD-geführte Regierungen gegen Unionsregierungen, Stadtstaaten gegen Flächenländer, dazu noch der Bund mit der jeweiligen Regierung und den Fraktionen: Die Mitspieler und Fronten sind so zahlreich, dass es nahezu unmöglich ist, sie alle für einen Kompromiss zu gewinnen.