Wie ticken die Piraten? Weil die Grünen sich besser auf ihren neuen Gegner einstellen wollen, haben sie die Partei jetzt genau unter die Lupe nehmen lassen. Im Auftrag der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung untersuchten Wissenschaftler die Kommunikation der Piraten, insgesamt mehrere Hunderttausend Meinungsäußerungen und Veröffentlichungen der vergangenen Monate und Jahre. Das war nur möglich, weil keine andere Partei so öffentlich debattiert wie die Piraten. Allein rund 100.000 Einträge auf acht Mailinglisten haben die Wissenschaftler ausgewertet, über 150.000 Wortmeldungen in sechs der wichtigsten Foren, alle Diskussionen aus zweieinhalb Jahren Liquid Feedback auf Bundesebene und zwei Jahren Liquid Feedback für das Land Berlin – und natürlich die Pressemitteilungen, das Grundsatzprogramm und die Wahlprogramme.

Am heutigen Donnerstag wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt. Interessant ist an ihnen weniger der Vergleich zu den Grünen – hier stellen die Forscher weitgehende Gemeinsamkeiten fest – sondern das genaue Bild davon, worüber die Piraten reden.

Die Studie zeigt eine Partei, die viel über sich selbst und über die politischen Gegner redet – die aber andererseits auch ein klares normatives Grundgerüst hat: "Demokratie, Freiheit, Transparenz" – das ist der "innerste Kern des Grundwertekonsenses der Piraten", schreiben die Forscher, diese drei Grundwerte kommen in all den Mailinglisten und Foren am häufigsten vor.

Abarbeiten an den anderen Parteien

Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern.© Screenshot ZEIT ONLINE

Angeführt wird die Liste der meistgenutzten Wörter von der Bezeichnung der eigenen Partei ("Piraten") und "Menschen", ganz ähnlich wie bei den anderen Parteien. Auch sonst sei der Wortschatz gar nicht besonders "piratig", stellen die Wissenschaftler fest. Sie zählen nur 15 typische Piraten-Worte unter den 1.000 meistgenutzten Worten, etwa "Ahoi", "Wiki", "Crew", "Mumble", "Troll" oder "Thread". Andere häufige Begriffe kategorisieren sie als Netzvokabular, das längst in den allgemeinen Sprachgebrauch eingesickert sei, zum Beispiel "Twitter", "Blog", "User" oder "IMHO" (Kürzel für "in my honest opinion"). Ob diese Netzbegriffe bei anderen Parteien allerdings auch so oft verwendet werden, haben sie leider nicht untersucht.

Interessant an den Ergebnissen ist, wie sehr sich die Piraten offenbar an den anderen Parteien abarbeiten. Rund 40.000-mal werden die Konkurrenten in den untersuchten Äußerungen genannt, allein die Grünen kommen 10.000-mal vor. Die Namen der Parteien belegen allesamt Plätze zwischen 122 und 194 im Begriffs-Ranking.