Das ist natürlich eine tolle Idee: Eine Partei, deren Funktionäre bis hinauf in den Vorstand immer ehrlich sind, mit persönlichen Kanten und Macken und allem, was so gemeinhin als authentisch gilt.

Genau das ist der Anspruch der Piraten an sich selbst. Sie nennen es: Politik menschlicher machen. Es ist ihr höchstes und abstraktestes Ziel – und gleichzeitig die größte Gefahr für sie. Es bedroht ihre Existenz.

Das zeigt beispielhaft der jetzt laut Medienberichten offen ausgebrochene Streit im Vorstand der Partei. Nach ständigen Konflikten mit dem politischen Geschäftsführer Johannes Ponader wollten seine acht Vorstandskollegen ihm eine Art öffentliches Auftrittsverbot auferlegen. Doch Ponader will sich dem nicht beugen, am Donnerstagabend eskalierte der Streit offen auf Twitter.

Dazu muss man wissen: Ponader ist in seiner Unkonventionalität auch das Aushängeschild für das Anderssein der Piraten. Die Partei hat ihn als Querdenker in den Vorstand gewählt, der nun ausgebrochene Konflikt ist also kein Unfall, sondern die direkte Folge aus dem Anspruch der Piraten, die inneren Widersprüche und die eigene Heterogenität nicht zu kaschieren, sondern sogar zu betonen.

Marina Weisband, die ihrer Partei nicht nur darin weit voraus scheint, hat kürzlich auf einem Partei-Treffen einen bezeichnenden Satz gesagt darüber, wie die Piraten mit Leuten wie Ponader umgehen sollten. "Wir müssen sagen: Ja, der Johannes ist ein Spinner. Aber er ist eben unser Spinner!"

Doch statt das große Wir-Gefühl zu pflegen, zerfällt die Partei in Sachen Ponader wie bei all den anderen, unzähligen Konflikten in immer neue, immer andere Lager, die sich so sehr und beständig aneinander abarbeiten, dass bald der Frust darüber die Euphorie des politischen Aufbruchs überdeckt.