AltersarmutAlle gegen alle bei der Rente

Noch ein Konzept, noch weniger Einigkeit: Koalitionsabgeordnete stellen sich gegen von der Leyen. Was sind die Unterschiede zum Konzept der Ministerin und dem der SPD? von 

Auf jeder der drei Seiten prangt oben der Bundesadler, um gleich allen klarzumachen: Dieses Konzept kommt nicht von irgendwelchen Spinnern, es kommt von gewichtigen Politikern. Dreizehn Abgeordnete von CDU , CSU und FDP führen darin aus , wie sie sich die Lösung des zurzeit umstrittensten innenpolitischen Themas vorstellen: der Rente.

Sie sind schon die dritten, die sich in diesen Wochen daran versuchen: Zuerst hat Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ihr Zuschussrenten-Konzept propagiert, dann rückte die SPD , die ihren Solidarrenten-Ansatz nach nur wenigen Tagen auf Druck der Linken nachbessern musste, auf den Plan. Jetzt also die sogenannte "Junge Gruppe" der Regierungsparteien.

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Bezeichnend für die Rentendebatte ist die ungeheure Komplexität des Themas, die einen direkten Vergleich der verschiedenen Vorschläge so schwer macht. Niemand kann wirklich prognostizieren, wie sich einzelne Maßnahmen auf das Vorsorge-Verhalten der Bürger auswirken oder wie sich der Arbeitsmarkt und damit die Lage bei der Altersvorsorge in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird.

Rentenkonzepte
Von der Leyen SPD Junge Abgeordnete Union/FDP
850 Euro Mindestrente, Bedingung: 30 Beitragsjahre (später 35), 40 Versichertenjahre (später 45), privat vorgesorgt (später 35 Jahre). 850 Euro Mindestrente, Bedingung: 30 Beitragsjahre, 40 Versichertenjahre Keine Mindestrente oberhalb der Grundsicherung.
Wer die Mindestrente beansprucht, darf alles behalten, was er privat vorgesorgt hat. Wer die Mindestrente beansprucht, darf nicht zusätzlich private Vorsorge kassieren. Wer die Grunsicherung beansprucht, darf alles bis 100 Euro behalten, was er privat vorgesorgt hat.
Der Renteneintritt bleibt auf 67 Jahre ab 2031 festgelegt. Der Renteneintritt wird schon nach 45 Versicherungsjahren möglich, egal, wie alt man dann ist. Der Renteneintritt bleibt auf 67 Jahre ab 2031 festgelegt.
Wer früher in Rente geht, darf soviel dazuverdienen, bis er sein höchstes Gehalt aus den letzten 15 Jahren erreicht. Wer früher in Rente geht, darf alles behalten, was er dazuverdient. Früher in Rente gehen darf nur, wer keine staatliche Hilfe braucht. Dann darf alles behalten, was er hinzuverdient.
Die Betriebsrente soll obligatorisch werden, 2 bis 6 Prozent des Gehalts fließen dafür, der Staat legt jährlich 400 Euro drauf. Die Riester-Rente soll transparenter und besser werden, Rentenansprüche für jeden nachrechenbar.
Wer wegen Krankheit früher in Rente geht, wird ab 2031 so behandelt, als hätte er bis 62 gearbeitet. Wer wegen Krankheit früher in Rente geht, wird ab sofort so behandelt, als hätte er bis 62 gearbeitet, seine Ansprüche werden zusätzlich besser bewertet.
Selbstständige sind weiterhin nicht gesetzlich rentenversichert. Selbstständige werden gesetzlich rentenversichert, wenn sie nicht bereits in einem anderem Alterssicherungssystem sind. Selbstständige sind weiterhin nicht gesetzlich rentenversichert.
Das Rentenniveau sinkt bis 2030 auf durchschnittl. 43 Prozent. Die Parteispitze will das Rentenniveau weiter auf 43 Prozent absenken, die Partei-Linke will die heutigen 51 Prozent halten. Das Rentenniveau sinkt bis 2030 auf durchschnittl. 43 Prozent.
kostet 2012 0,1 Mrd. und 2030 3,2 Mrd. (eigene Angaben) kostet 2012 ca. 7 Mrd. und 2030 ca. 21 Mrd. (eigene Angaben) Keine konkreten Angaben, "deutlich kostengünstiger" (eigene Angaben)
Größtenteils finanziert durch Rentenbeiträge Größtenteils finanziert durch Steuermittel Finanziert durch Steuermittel
Von der Leyen SPD Junge Abgeordnete Union/FDP

Als Knackpunkt kristallisiert sich die Frage heraus, auf welchem Weg man Geringverdienern eine vernünftige Rente verschafft: Indem man von ihnen private Vorsorge verlangt, wie die jungen Abgeordneten das wollen. Indem man sie für das private riestern noch belohnt, indem man ihnen aus Beitragsmitteln etwas draufzahlt, so wie von der Leyen es plant. Oder ob man ihnen, so der SPD-Ansatz, direkt mit Steuergeldern hilft.

Außerdem streiten Koalition und Opposition zurzeit in keiner Frage mehr – und zwar untereinander. Der Abgeordnetennachwuchs aus den eigenen Reihen meckerte schon gegen das Konzept aus dem Arbeitsministerium , bevor dieses überhaupt große Wellen geschlagen hatte. Wie tief der Graben zwischen ihnen ist, zeigt auch das neue Papier: Dort werben die Abgeordneten für mehr Transparenz bei der Rente, "damit diffuse Angstmacherei künftig am Faktenwissen der Bürger scheitert". Damit ist niemand anderes als die "Angstmacherin" von der Leyen gemeint, die die Sorge vor Altersarmut mit großen Schlagzeilen in der Bild am Sonntag   erst so richtig angetrieben hatte.

Leserkommentare
  1. Rentenkonzept der Linken. Hat die Redaktion das womöglich vergessen oder ist das Absicht?
    Seltsamerweise fällt der Name Mißfelder immer im Zusammenhang mit sehr sinnfreien Entwürfen zu den unterschiedlichen Politikfeldern.

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    • wawerka
    • 03. Oktober 2012 9:59 Uhr

    "Seltsamerweise fällt der Name Mißfelder immer im Zusammenhang mit sehr sinnfreien Entwürfen......"

    Wieso "seltsamerweise"?

    Das Konzept der Piratenpartei.

  2. Solche Bubis legen ein Programm für so gut wie alle Arbeitnehmer vor das diese 850 Euro Rente im Alter bekommen. Kein Wunder das die Gesellschaft sich auflöst, Dummheit wird von den Profiteuren gefördert weil die von der Auflösung der Gesellschaft und den darauf folgenden Krieg immer profitiert haben.

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    Solche Bubis legen ein Programm für so gut wie alle Arbeitnehmer vor das diese 850 Euro Rente im Alter bekommen.

    Es muss natürlich eine Anpassung der Rente in Höhe der Inflation berechnet aus Lebensmittel- und Mietpreisen, Energie- und Wasserkosten sowie Mobilitätskosten, also kurz gesagt jährlich 5%, stattfinden. Die Rente beträgt in 40 Jahren dann also ca. 6000 EUR. Da ist das Rentnerdasein dann immer noch besser als berufstätig zu sein.

    P.S.: Wer die Ironie findet, darf sie behalten.

    • thbode
    • 02. Oktober 2012 21:09 Uhr

    Der christliche Demokrat Herr Mist- sorry, Mißfelder taucht auch immer auf wenn es drum geht den nutzlosen ollen Rentner mal klare Kante zu zeigen. Hüftgelenke? Zu teuer, für die paar Jahre die sie noch genutzt werden! Würdige Rente? Wer schon in jungen Jahren zu den Leistungsträgern, wie Herr Lindner und Herr M... gehört, braucht sich später keine Sorgen machen! Rechts so, aus dem wird noch was! Dieser seltsam leere und dennoch entschlossene Blick ist auch ein Hinweis auf Eignung für hohe Ämter.

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    • wawerka
    • 03. Oktober 2012 10:08 Uhr

    War ein Witz, nicht wahr?

    Mit seiner beruflichen Qualifikation, dem Magisterabschluss in Geschichtswissenschaften, den er schon im zarten Alter von 29 Jahren abgelegt hat, wäre einer wie Mißfelder mit viel Glück ein unterbezahlter Wissenschaftlicher Angestellter an irgendeiner Uni.

    Aber er ist ja Mitglied der CDU, sein ganzes berufliches Leben dick gepampert aus Steuergeldern, da lässt es sich natürlich leicht über die Schwächsten der Gesellschaft herziehen, die ihm auch mit ihrem Geld sein schönes Leben ermöglichen.

    Es gibt Leute, die würden dieses Geschenk in stiller Demut annehmen und jedem Tag dem Herrgott dafür danken, dass es das Leben so gut mit einem gemeint hat.

    Und es gibt andere....

    • siar
    • 02. Oktober 2012 21:16 Uhr

    Warum wird nicht an die Pensionen gegangen? Die liegen im Moment bei 71,3 % vom letzten Nettogehalt. Davon können Rentern, die jahrzehntelang eingezahlt haben nur träumen.

    Es ist nichts in der Richtung zu hören - Totenstille.

    Wie wäre es mit 55 % für Rentner und Pensionäre?

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    Statt seine Energie darauf zu verwenden, dass Rentner bekommen, erregt man sich lieber darüber, dass Pensionäre zu viel bekommen. Das ist wohl Deutschland.

    Pensionen für alle.
    Dafür ist Geld da ohne Ende.
    Das Rentenniveau ist JETZT schon unter 43%.

    Die Frage: "warum sie Sie nicht Beamter geworden" ist ganz einfach zu beantworten: es muss Leute geben, die diesen Staat tragen und stützen. Die Steuern zahlen und keine Steuern kosten. Die Exporterlöse erwirtschaften und die technische Entwicklungen machen, denen wir unseren Lebensstandard verdanken.

  3. ... wir kassieren einfach alle ab die mit ihrem auto durch deutschland fahren wollen. das geld fliesst direkt in die rentenkasse und wenn wir mehr geld brauchen, dann erhöhen wir eben die gebühr ! leider hat keiner der herren politiker den mut etwas derartiges durchzusetzen. unsere nachbarn lachen doch über uns wenn sie mit ihrem auto gebührenfrei und unbegrenzt über unsere autobahnen fahren.

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  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte führen Sie für Ihre Behauptungen Quellen an. Danke, die Redaktion/ds

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    • genius1
    • 03. Oktober 2012 1:28 Uhr

    "Die heutigen Renten der Arbeitnehmern die um die 2500 Euro verdient haben liegen ca. 1400-2000 Euro."

    Zahlen von 2010:

    50 Jahre lang Beiträge von durchschnittlich 3.000 Euro (auch in der Ausbildungszeit) Monatsverdienst, in die Rentenkasse eingezahlt, macht Brutto einen Rentenanspruch von 1.530 Euro!

    Netto etwa 1.360 Euro. Und das bei monatlichen Einzahlungen von Arbeiter, und Arbeitgebern in Höhe von 597 Euro. 2010 mussten Sie noch 19einhalb Jahre nach dem Rentenbezug Leben um nur die Einzahlungen raus zu bekommen. Inwieweit eine Absenkung auf 43% noch Verfassungsgemäß ist, davon Hört man Nix? Vielleicht kann ein Rentenexperte darauf Antwort geben?

    Wenn man schon Zahlen nennt, sollten diese auch einigermaßen Stimmen!

    Übrigens, ist die Absenkung auf 43 % Vollzogen, bei gleichzeitiger voller Steuerpflicht der Rente, werden rund 80 % aller zukünftigen Rentner, von Altersarmut betroffen sein!

    Frage mich nur, wer diese Politiker wählt? Da kann man ja auch mal die Linke, oder die Piraten Wählen. Die können auch nicht mehr Kaputtmachen. Und Abwählen kann man diese Parteien auch wieder, wenn für uns alle nix Rauskommt!

    Wahrscheinlich werden erst alle wieder Wach, wenn die Revolution da ist. Und dann ...?

    Also bitte, ich halte zwar auch nicht viel von den etablierten Parteien, aber deshalb Thesen aufzustellen die haarstraeubend sind, das bringt uns auch nicht weiter. Die Bismarck'sche Rente war nie kapitalgedeckt, und in den 50zigern gabe es auch nichts zu verbraten, das lag alles in Schutt und Asche. Und dass das Lohnniveau auf das von 1970 zurueckgefallen sei, das ist nun vollstaendig abwegig. Wer sagt Ihnen sowas oder denken Sie sich das einfach aus?

  5. Im Grunde genommen scheint es lediglich nur noch darum zu gehen wann das umlagefinanzierte Rentensystem endgültig gekippt werden soll: diese traurige Aufgabe wird einem BK Steinbrück überlassen werden ebenso wie die Vorbereitung der vollkommenen Erosion der Sozialsysteme stets der SPD überlassen wird.
    Und das macht sie immerhin effizient, die SPD: für ihre Gegner.

    Wofür man den Laden noch braucht kann inzwischen nur noch ein SPD-Mitglied wissen.

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  6. noch nichts gegeben, aber kosten uns Unsummen an Geld.
    Verwöhnte Gören sind das in meinen Augen !

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    [Diese dreizehn Abgeordneten haben unserer Gesellschaft noch nichts gegeben, aber kosten uns Unsummen an Geld.
    Verwöhnte Gören sind das in meinen Augen !]

    Man darf sich also nur zur Rente äußern, wenn man schon 30 Beitragsjahre hat? Mit anderen Worten: Es soll möglichst keiner die Interessen der jungen Leute vertreten? Schönes Demokratieverständnis.

    Es ist richtig und wichtig, dass sich die jungen Abgeordneten von FDP und Union mit einem eigenen Entwurf geäußert haben, denn jungen Leute sind bei Rentenentwürfen oft die Dummen. Sie werden hohe Beiträge für die gegenwärtige Rentnergeneration zahlen, aber selbst kaum etwas rausbekommen.

    Dass dieses System schon lange in einer Schieflage ist, weiß jeder. Aber es gibt eben leider mehr Rentner und Rentenanwärter als junge Leute. Deswegen drückt sich die Politik um die Wahrheit. In Zukunft werden viele Rentner aus der Rentenkasse nur noch die Grundsicherung bekommen. Wer mehr will, muss selbst vorsorgen, sich von seiner Kindern helfen lassen oder eben länger arbeiten - wenn möglich. Die Zeiten üppiger Renten sind vorbei.

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  • Schlagworte Ursula von der Leyen | CDU | FDP | Rente | SPD | CSU
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