Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ) will die Visumsfreiheit für Serbien und Mazedonien aussetzen. Grund für seine Forderung ist ein hoher Anstieg der Asylbewerber aus diesen zwei Ländern. In einer Mitteilung fordert Friedrich , dass der "massive Zustrom serbischer und mazedonischer Staatsangehöriger ... unverzüglich gestoppt" wird.

Insgesamt stellten im September 6.691 Menschen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Asylanträge . Das waren 2.559 Menschen oder 61,9 Prozent mehr als im September 2011. Von den Bewerbern kamen 1.395 aus Serbien. Das sind deutlich mehr als in den Vormonaten: Im August wurden 496, im Juli 324 serbische Asylsuchende registriert. Ein ähnliches Bild ergibt sich demnach bei den Asylbewerbern aus Mazedonien : Ihre Zahl stieg von 215 im Juli über 620 im August auf 1040 im September. Fast alle Asylanträge von Serben und Mazedoniern werden abgelehnt: Im September entschied das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über insgesamt knapp 3.900 Asylanträge, von denen 44 anerkannt wurden. 531 weitere Antragsteller erhielten eine Duldung. Unter den anerkannten oder geduldeten Flüchtlingen war kein einziger Serbe oder Mazedonier.

Friedrich sagte dazu, der "zunehmende Asylmissbrauch" sei "nicht akzeptabel". Er teilte mit, dass Deutschland mit anderen Mitgliedstaaten die zuständige Kommissarin Cecilia Malmström und die zyprische Präsidentschaft dringend gebeten hat, die seit 2010 laufenden Arbeiten an einer entsprechenden Änderung der Visumsverordnung endlich zum Abschluss zu bringen.

SPD-Politiker spricht von "gewissenlosen Banden"

Auch aus der SPD kommen Forderungen nach einem Vorgehen gegen Asylmissbrauch. SPD-Innenexperte Michael Hartmann sagte im Südwestrundfunk (SWR), es sollte mit der nötigen Strenge ein Signal gesetzt werden. Er sprach von "gewissenlosen Banden", die Menschen vom Balkan nach Deutschland locken, um "eine gewisse Zeit in diesem System zu sein". Das Amt für Flüchtlinge in Nürnberg müsse diese Asylbewerber zügig zurückweisen, forderte Hartmann. Für Asylbewerber aus Pakistan , Syrien und Afghanistan , von denen zurzeit viele in Deutschland Schutz suchten, sollte die EU dagegen offen bleiben.

Derzeit stellten 144.000 Menschen pro Jahr einen Antrag auf Asyl in Deutschland, dies sind Hartmann zufolge weitaus weniger als im Rekordjahr 1996 mit 500.000 Anträgen. Im Zeitraum von Januar bis September dieses Jahres wurden die meisten Asylanträge von afghanischen Staatsbürgern gestellt, gefolgt von Serben, Irakern, Syrern , Iranern und Mazedoniern. Experten vermuten vor allem bei den Balkan-Flüchtlingen die hohen deutschen Sozialleistungen für Asylbewerber und Krisenflüchtlinge als möglichen Anreiz zur Migration nach Deutschland.