Private KrankenversicherungVersicherer Axa lockt CDU-Mitglieder mit Rabatt

Wer in der CDU ist, kann fünf Prozent Nachlass bei dem Versicherungskonzern Axa bekommen. Ein heimliches Sponsoring kann die Partei darin aber nicht erkennen. von dpa, reuters und dapd

CDU-Mitglieder in Hamburg bei einer Abstimmung

CDU-Mitglieder in Hamburg bei einer Abstimmung  |  ©Angelika Warmuth/dpa

Ein Parteibuch der CDU bringt Krankenversicherten einen Preisnachlass beim Versicherungskonzern Axa. Parteimitglieder bekämen fünf Prozent Rabatt, wenn sie sich bei der Axa privat versicherten, berichtet der Spiegel . Ein weiterer Vorteil für die CDU-Parteimitglieder sei, dass der Versicherer sie nicht ablehnen könne, auch wenn sie schwer krank seien.

Die CDU hat demnach mit dem Versicherer einen Gruppenvertrag geschlossen, wie er sonst für Unternehmen oder Berufsverbände üblich ist. Die CDU wies gegenüber dem Spiegel den Vorwurf zurück, dass der Deal eine versteckte Parteienfinanzierung sei. Ein Axa-Sprecher sagte, der Konzern verfolge beim Versicherungsschutz keine parteipolitischen Interessen.

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Axa, eine Tochter des gleichnamigen französischen Konzerns, gehört zu den größten Versicherern in Deutschland. Zwischen CDU und Axa gibt es enge Verbindungen: Im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen die frühere CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Petra Roth , und der einstige CDU-Finanzexperte Friedrich Merz.

"Allein die Versicherten profitieren"

Die Parteizentrale teilte mit, die CDU habe 1999 einen normalen Gruppenversicherungsvertrag mit der Axa (damals AXA Colonia Krankenversicherungs AG) geschlossen, der allen ihren Mitgliedern offen stehe. Die CDU selbst genieße hiervon keine Vorteile, "sondern alleine die Versicherten profitieren von den Konditionen". Daher handele es sich auch nicht um Sponsoring oder Parteienfinanzierung.

Die Anziehungskraft der Axa scheint jedoch nicht besonders groß zu sein. Nach CDU-Angaben hatten im Januar 2012 nur 243 Mitglieder solche Versicherungsverträge. Die Parteizentrale teilte außerdem mit: "Vergleichbare Angebote haben wir übrigens auch von Vodafone und T-Mobile für unsere Mitglieder im Angebot. Auch hier handelt es sich um die Standardverträge dieser Unternehmen, die für sehr viele Gruppen, Vereine und Verbände angeboten werden."

Die FDP ermöglicht laut dem Spiegel -Bericht ihren Mitgliedern günstigere Sonderkonditionen bei der Privatversicherung DKV.

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Leserkommentare
    • 15thMD
    • 28. Oktober 2012 14:45 Uhr

    .... warum das UN-Abkommen gegen Korruption noch nicht unterzeichnet wurde.

    31 Leserempfehlungen
  1. Die CDU kriegt - wie Chuck Norris - bei Praktiker 20 % auf alles, selbst auf Tiernahrung !

    4 Leserempfehlungen
  2. sich der Gunst und damit der Macht einer der großen etablierten Parteien sichern (um nicht zu sagen, erkaufen), um schon möglichst frühzeitig den, stetig zunehmenden, politischen Strömungen entgegenzutreten, die sich für ein gerechtes Krankenversicherungs-System einsetzen wollen; Weg von der 2-Klassenmedizin!

    19 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 28. Oktober 2012 14:51 Uhr

    ...nehmen.
    Solche Gruppenverträge sind üblich warum nicht auch für Parteien?
    Nicht alles ist ein Skandal....

    4 Leserempfehlungen
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    Gilt das nicht für alle - oder sind hier manche gleicher als gleich?

    • Boono
    • 28. Oktober 2012 15:00 Uhr

    @4
    Ja, aber nicht wenn:
    "...Zwischen CDU und Axa gibt es enge Verbindungen: Im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen die frühere CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Petra Roth, und der einstige CDU-Finanzexperte Friedrich Merz..."

    • lcamino
    • 28. Oktober 2012 15:07 Uhr

    Nach Art. 3 des GG darf niemand auf Grund seiner politischen Überzeugungen benachteiligt UND bevorzugt werden!

    Das sind keine Gruppenverträge sondern ein typisches Beispiel für Korruption - aber bei den Konservativen ist scheinbar alles erlaubt: plaggatieren ist das Gleiche wie bei ner Klassenarbeit abschreiben, Schwarzgeldkassen sind keine Steuerhinterziehung, Nebenverdienste statt Sitzungsarbeit ist nur beim politischen Gegner schlimm und wenn die Presse etwas veröffentlicht wird angerufen und gedroht! Und wer im Suff einen Rentner überfährt wird Verkehrsminister! Naja is klar, wir haben ja so eine fiese linke Medienlandschaft!

    Manche sind halt doch Gleicher als die Anderen!

    Wenn Mitglieder einer Partei (egal ob links oder rechts) Vorzüge genießen ist dies eine versteckte Korruption.

    Die privaten Krankenversicherungen haben zur Zeit auch einen guten Grund, sich bei der Politik anzubiedern: Das Modell trägt sich nicht mehr, weil die Mitglieder immer Älter und die Kosten immer höher werden. Da wäre es doch schön, wenn es auf Kosten der Steuerzahler/GKV-Versicherten eine Lösung aus dem Dilemma geben würde, z.B. eine einfache Abgabe dieser Mitglieder in die GKV. Ich denke wir können uns da auf einiges gefasst machen...

    Sollten allerdings nicht vom Besitz eines Parteibuches abhängen.

    Das schmeckt dann schon nach einer gewissen Begünstigung. Wenn - mit viel gutem Willen - schon nicht zwingend zu einer konkreten Unternehmung, so doch in Hinsicht für eine generelle Politik im Interesse von Versicherungskonzernen.

  3. Nur um das Bild abzurunden: Die SPD hat sich da was noch perfekteres einfallen lassen, die SPD Card:
    http://blog.jan-filter.de...

    Falls man übrigens ADAC Mitglied ist, bekommt man auch bei gewissen Tankstellen Rabatt beim Tanken. Von Vergünstigungen für Journalisten (http://pressesprecher.de) will ich erst gar nicht anfangen. Gibt es z.B. bei ehreamtlicher Jugendarbeit (http://www.juleica.de) auch.

    Wenn also ein Verein (oder eine Gruppe von Vereinen) mit einer oder mehreren Firma/Firmen einen Rabatt für Mitglieder aushaldelt liegt das Problem genau wo? Der Rabatt ist ja schließlich nur an eine Mitgliedschaft und nicht an die Wahlentscheidung gebunden. Und die kann ja nunmal jeder beantragen...
    Von daher: Wo ist jetzt genau das Problem?

    3 Leserempfehlungen
  4. daß es dabei um Parteienfinanzierung geht - aber auf jeden Fall geht es dabei um die Aushöhlung des Solidarprinzips. Wenn CDU-Mitglieder bessere Konditionen bekommen, sind alle die geschädigt, die die vollen Tarife zahlen müssen. Hier hat sich die CDU im Verbund mit der AXA einfach Privilegien gesichert.
    'Zwischen CDU und Axa gibt es enge Verbindungen: Im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen die frühere CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Petra Roth, und der einstige CDU-Finanzexperte Friedrich Merz.'
    'Die FDP ermöglicht laut dem Spiegel-Bericht ihren Mitglieder günstigere Sonderkonditionen bei der Privatversicherung DKV.' Die FDP als Klientelpartei ist ja nicht neu.
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn sich herausstellt, daß in den Aufsichtsräten entsprechende Parteimitglieder sitzen.......welche Vergütung erhalten sie bitte?
    Das Solidarprinzip wird damit wieder einmal ausgehebelt - es mag 'nur' um 5% gehen, aber auch das läppert sich. Wie schön, daß uns diese Parteien damit zeigen, welche Interessen sie wirklich vertreten - vorerst einmal ihre eigenen.
    Ich kann nur hoffen, daß diese Meldung alle diejenigen privatversicherten Menschen erreicht (in der Regel sowieso mit hohem Einkommen, da ja privatversichert), die CDU wählen - und die dann bemerken dürften, daß sie von ihrer gewählten Partei und deren Mitgliedern über den Tisch gezogen werden. Für die FDP gilt das entsprechend.

    6 Leserempfehlungen
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    Das nur als Nachtrag.

    Also müssen Versicherer ihre Angebotssparte verändern! Angefangen bei den Sondertarifen für Beamten.

  5. Gilt das nicht für alle - oder sind hier manche gleicher als gleich?

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    Solidarprinzip, was ist das denn? Meinen Sie damit, wer jung ist, gesund und ledigt, kann sich günstig privat versichern? In der Krankenversicherung gibt es kein Solidarprinzip, dafür aber ein 2 Klassen-System. In der Assekuranz sind unterschiedliche Tarife für unterschiedliche Gruppen ganz normal. Das gilt für alle Versicherungs-Sparten. Beamte zahlen in der Kfz-Versicherung weniger. Warum eigentlich? Man kann alles statistisch begründen, vielleicht ja in diesem Fall auch bei den CDU-Mitgliedern. Ein Skandal ist das nicht, schlau aber auch nicht.

    • ribera
    • 28. Oktober 2012 23:28 Uhr

    Sind Sie in der privaten KV können Sie sich die Versicherung weitestgehend frei aussuchen und werden höchstwahrscheinlich irgendeinen anderen Gruppentarif in Anspruch nehmen. Oder sonst irgendeinen Grund für Beitragsrabatt präsentieren können. Alles fast wie beim Suchen nach einer Autoversicherung. Ich kann nicht erkennen, was das mit Solidarität zu tun haben soll.

    Sind Sie gesetzlich versichert, dann kann es Ihnen erst recht egal sein, ob irgend jemand in der privaten KV weniger zahlt als ein anderes KV Mitglied.

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    • Kelhim
    • 28. Oktober 2012 15:20 Uhr

    Grundsätzlich ist gegen günstigere Konditionen bei bestimmten Unternehmen gar nichts einzuwenden, solange sie sich nicht an Kriterien wie Hautfarbe oder Herkunft orientieren, die Menschen schon qua Geburt ausschließen.

    Dort, wo die Vergünstigungen des Einen die Mehrbelastungen des Anderen sind, sind sie allerdings etwas anrüchig. Es gibt z.B. auch keinen besonderen Grund dafür, warum CDU-Mitglieder auch dann in die PKV aufgenommen werden, wenn sie als Nicht-Mitglied als zu krank gelten würden.

    Auf solche Verträge sollten Parteien lieber verzichten, allein schon der negativen Außenwirkung wegen.

    Einfach behaupten kann jeder - mir ist dort nichts dergleichen bekannt!
    Obwohl es das konservative Klientel nicht gerne hört: Die Grünen verkörpern viel mehr Moral und Anstand als diejenigen, die danach am lautesten schreien.
    Warum wehren sich CDU und FDP so wehement dagegen, die Korruptionsrichtlinie zu ratifizieren?
    Berlusconi lässt grüßen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, dapd, sc
  • Schlagworte CDU | FDP | T-Mobile | Vodafone | Petra Roth | Spiegel
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