Einflussversuche von Politikern auf die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sind keine Seltenheit. Der ehemalige Chefredakteur des ZDF , Nikolaus Brender , sagte ZEIT ONLINE, zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2000 sei es üblich gewesen, dass Politiker bei einfachen Redakteuren anriefen, um Druck auf die Berichterstattung auszuüben. "Ich habe damals zum Beispiel zufällig erfahren, dass der damalige CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer durch einen Anruf in der Redaktion versucht hat, einen ihm unliebsamen Bericht zu verhindern", sagte Brender: "Ich habe daraufhin in den bekannterweise mit zahlreichen Politikern besetzten ZDF-Aufsichtsgremien gedroht, weitere Anrufe zu veröffentlichen. Danach war Ruhe."

Brender war von 2000 bis 2010 Chefredakteur des ZDF. Eine Vertragsverlängerung wurde vom überwiegend mit Unions-Politikern besetzten ZDF-Verwaltungsrat abgelehnt, was zu Debatten über die politische Beeinflussbarkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks führte.

Zu den Vorwürfen gegen den mittlerweile zurückgetretenen CSU-Sprecher Hans Michael Strepp sagte Brender: "Es könnte der Versuch gewesen sein, im Vorfeld der Bundestags- und Landtagswahl wieder mehr Einfluss auf die Berichterstattung zu gewinnen." Allerdings sei es "außergewöhnlich", dass Strepp offenbar direkt im Großraumbüro der heute -Redaktion anrief. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Fernsehjournalist wisse er jedoch, dass Vertreter konservativer Parteien "dreister" vorgingen als andere, sagte Brender: "Ich glaube nicht, dass Strepp hier das Bewusstsein hatte, etwas Unrechtes zu tun." Das liege auch daran, dass es immer wieder Einflussversuche von allen deutschen Parteien auf die öffentlich-rechtlichen Sender gebe.

Wie das ZDF berichtet, soll der CSU-Mann Strepp am Sonntag unter anderem in der heute -Redaktion angerufen haben . Dort soll er dem diensthabenden Redakteur gegenüber darauf verwiesen haben, dass die ARD keinen Bericht über Nominierung des bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude plane. Laut ZDF soll Strepp dann gesagt haben, dass "es im Nachklapp Diskussionen geben könnte", sollte allein der Mainzer Fernsehsender über die SPD berichten.

"Wenn jemand beim ZDF mit Diskussionen droht, dann meint er damit die Behandlung des Falls im Programmausschuss Chefredaktion", sagt ZDF-Kenner Brender. Der Programmausschuss ist Teil des Kontrollgremiums Fernsehrat und ebenso wegen seiner Besetzung mit Politikern umstritten. Auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ist dort Mitglied .

Am Sonntagabend berichteten sowohl ARD als auch ZDF über den Parteitag der bayerischen SPD.