Der Vorwurf der versuchten Einflussnahme auf die Berichterstattung des ZDF bringt die CSU in Erklärungsnot. Parteichef Horst Seehofer verlangte umgehend eine öffentliche Erklärung des Sprechers Hans-Michael Strepp und/oder seines Generalsekretärs Alexander Dobrindt .

Dieser kam der Aufforderung umgehend nach. "Der CSU-Sprecher hat deutlich gemacht, dass es keinen Versuch einer Beeinflussung der Berichterstattung des ZDF gab", teilte Dobrindt mit. Das habe Strepp in einem Brief an den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur, Elmar Theveßen, klargestellt. "Er hat in diesem Schreiben zudem eine Entschuldigung gegenüber dem ZDF ausgesprochen für den Fall, dass ein andersgearteter Eindruck entstanden sein sollte", sagte Dobrindt.

Strepp soll nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung am Sonntag mit einem Anruf in der ZDF- heute -Redaktion versucht haben, einen Fernsehbericht über den bayerischen SPD-Parteitag zu verhindern. Die Zeitung beruft sich auf Quellen in dem öffentlich-rechtlichen Sender, die übereinstimmend den Vorfall geschildert und sich ob dieses Vorgehens der bayerischen Regierungspartei "baff" gezeigt hätten.

Auf dem SPD-Parteitag war Münchens Oberbürgermeister Christian Ude zum Seehofer-Herausforderer für die Landtagswahl 2013 gewählt worden . Strepp soll angeblich gesagt haben, berichte heute dennoch, werde das "Diskussionen nach sich ziehen".

Seehofer weist Vorwurf zurück

Auch CSU -Chef Seehofer wies die Vorwürfe zurück. "Mir gegenüber hat der Herr Strepp per SMS mitgeteilt, dass der Sachverhalt so nicht zutrifft", sagte Seehofer. "Das wäre völlig inakzeptabel." Seehofer betonte, dass der Versuch einer Einflussnahme auf das ZDF durch die CSU-Zentrale nicht zu tolerieren wäre. "Es widerspräche unserer Grundhaltung. Wir sind eine tolerante Partei." Er habe niemanden dazu angewiesen, sagte der bayerische Ministerpräsident.

Sprecher Strepp bestätigte den Anruf, dementierte jedoch den Inhalt des Gesprächs. An die Süddeutsche Zeitung schrieb er per E-Mail, die Darstellung des Telefonats entspreche "nicht den Tatsachen, und ich widerspreche ihr entschieden".

Seehofer sagte dennoch seine Teilnahme an der Ministerpräsidentenkonferenz ab. Die Affäre um den Anruf soll am Donnerstag Thema in bayerischen Landtag sein, weil die SPD-Fraktion einen Dringlichkeitsantrag gestellt hat. Seehofer will sich dann notfalls selbst äußern.

Anruf vom ZDF bestätigt

ZDF-Chefredakteur Peter Frey bestätigte lediglich einen Anruf des CSU-Sprechers in der Redaktion. Die Frage, warum und mit welcher Intention er direkt in der heute -Redaktion angerufen habe, müsse Strepp selbst beantworten. Mit der Reaktion der Kollegen sei er sehr zufrieden. "Wir senden, was wir senden, egal wer anruft." Die heute -Redaktion habe ihre Unabhängigkeit bewiesen.

Die SPD forderte Seehofer auf, sich beim ZDF zu entschuldigen. "Ministerpräsident Seehofer muss sich beim ZDF entschuldigen und klarstellen, dass die Pressefreiheit auch in Bayern gilt", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann Spiegel Online . "Horst Seehofer hätte aus dem Fall Christian Wulff lernen können, dass der Versuch, unliebsame Berichterstattung zu verhindern, scheitern muss."