CSU-DrohanrufSPD macht Seehofer für ZDF-Affäre verantwortlich

Die Opposition in Bayern und auf Bundesebene wirft CSU-Chef Seehofer vor, den Drohanruf beim ZDF veranlasst zu haben. "Das war eine Auftragsarbeit von Ihnen", so die SPD.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)

Die Affäre um die angeblich versuchte Einflussnahme auf die ZDF-Berichterstattung ist für CSU-Chef Horst Seehofer auch nach der Entlassung seines Pressesprechers nicht ausgestanden. SPD und Grüne bezeichneten den Abgang des Sprechers Hans Michael Strepp als Bauernopfer. In einer hitzigen Landtagsdebatte geriet Seehofer selbst unter Druck.

Der bayerische SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher sagte, man habe es mit einer "handfesten Causa" Horst Seehofer zu tun. "Das war eine Auftragsarbeit von Ihnen", sagte er an die Adresse des CSU-Chefs.

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Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause pflichtet bei: "Es geht hier um den Chef des Herrn Strepp – es geht hier um Horst Seehofer." Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger kritisierte: "Das System CSU schadet der Demokratie und schadet Bayern." Denn für den eigenen Machterhalt sei der CSU offenbar jedes Mittel recht.

"So sehen Bauernopfer aus"

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte zu Strepps Rückzug: "Wir wollen wissen, wer die Verantwortung für den Anruf des Pressesprechers trägt." Es sei schwer vorstellbar, dass der Pressesprecher völlig eigenmächtig gehandelt habe. Als Auftraggeber kämen nur Seehofer oder CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt infrage, hieß es in der SPD. Auch Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sagte: "So sehen Bauernopfer aus." Es bleibe die Frage nach dem Auftraggeber.

Strepp hatte am Sonntag in der Redaktion der ZDF-Nachrichtensendung heute angerufen. Dabei ging es um die Berichterstattung des Senders über die Wahl des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Umstritten ist aber der Inhalt des Telefonats. Strepp soll verlangt haben, keinen Bericht über das Thema zu senden.

ZDF-Intendant Thomas Bellut veröffentlichte einen Ablauf der Intervention Strepps, um den Vorwurf zu dokumentieren. Die Intention des Anrufs bei der heute-Redaktion war laut Bellut "eindeutig".

Mehrere Versuche der Einflussnahme

Der angerufene Redakteur fasste das Telefonat demnach so zusammen: "Er fragte, ob wir wüssten, dass weder die ARD noch Phoenix über den SPD-Landesparteitag berichten würden. Er sei informiert, dass wir einen Beitrag planten. Weit davon entfernt, in das Programm reinzureden, wolle er aber doch rechtzeitig zu bedenken geben, dass es im Nachklapp Diskussionen geben könnte, wenn das ZDF im Alleingang sende."

Laut Bellut schickte Strepp auch eine zuvor noch nicht bekannt gewordene SMS an den Leiter des ZDF-Landesstudios München, um sich über den Umfang der Berichterstattung über Ude zu erkundigen. Zudem habe er bei dem Landeschef angerufen und außerdem versucht, den ZDF-Nachrichtenchef zu erreichen. ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärte zu den Abläufen, "der CSU-Pressesprecher hat am Sonntag auf verschiedenen Wegen versucht, die Berichterstattung des ZDF über eine andere Partei zu beeinflussen".
 

 
Leserkommentare
  1. Die CSU hat also versucht, die Berichterstattung über eine andere Partei zu beeinflussen. Daran besteht ja wohl kein Zweifel mehr.
    Der Dienstmann Alois Hingerl muss noch immer im Hofbräuhaus versumpft sein. So kommt es, dass bayerische Staatsregierung und Staatspartei bis heute auf die göttliche Eingebung warten. Und das dauert jetzt schon mehr als hundert Jahre.

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    Man kann von Seehofer halten was man will, aber so dumm ist er bestimmt nicht, seinen Pressesprecher beim ZDF anrufen zu lassen.
    Wenn man schon von Auftragsarbeit spricht, war das eine Inszenierung von Ude und Genossen.

    Bist`a Revoluzzer, oder blos a Abschreiber vom unsam Thoma ?

    Man kann von Seehofer halten was man will, aber so dumm ist er bestimmt nicht, seinen Pressesprecher beim ZDF anrufen zu lassen.
    Wenn man schon von Auftragsarbeit spricht, war das eine Inszenierung von Ude und Genossen.

    Bist`a Revoluzzer, oder blos a Abschreiber vom unsam Thoma ?

  2. Ob Seehofer diese blödsinnigen Anrufe veranlasst hat, ist pure Spekulation. Es gibt darauf bisher keinerlei Hinweise, also kann das außer Herrn Seehofer und Herrn Strepp. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Opposition hier angesichts der Dominanz der CSU in allen Umfragen, verzweifelt ein Wahlkampfthema sucht und deswegen diese Sache aufbauschen will. Redlich ist das nicht. Warten wir doch erst mal ab.

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    • Kelhim
    • 25.10.2012 um 18:32 Uhr

    Das würde die Angelegenheit für Seehofer auch nicht besser machen.

    • Kelhim
    • 25.10.2012 um 18:32 Uhr

    Das würde die Angelegenheit für Seehofer auch nicht besser machen.

  3. Es muss natürlich heißen: "[...]also kann das außer Herrn Seehofer und Herrn Strepp niemand wissen."

  4. Wenn man die Herrschaften so ein bisschen einordnen kann, ist in diesem Fall von vorauseilendem Gehorsam Herr Seehofer der Beschädigte, Herr Dobrindt der Täter hinter der Kulisse und Herr Strepp das Bauernopfer.

    Da wenn der Dobrindt vom Seehofer nicht mal ein paar Watsch´n kriegt, weil er´s gar so deppert angestellt hat...

  5. "Es sei schwer vorstellbar, dass der Pressesprecher völlig eigenmächtig gehandelt habe."

    Das kann ich mir auch nicht vorstellen.Seehofer hat jetzt ein ernsthaftes Problem.

    2 Leserempfehlungen
    • Kelhim
    • 25.10.2012 um 18:32 Uhr

    Das würde die Angelegenheit für Seehofer auch nicht besser machen.

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    Natürlich hat ein Pressesprecher keine freie Hand, wen er alles einschüchtert, denn er soll ja niemanden einschüchtern. Niemand kontrolliert jeden Anruf des Herrn Strepp. Dass er im Auftrag gehandelt hat, bleibt schlicht Spekulation von interessierter Seite. Es kann sein, es kann genauso gut nicht sein. Niemand weiß das. Man kann das gern aufklären wollen. Aber solange das nicht geklärt ist, bleibt es bei Spekulationen, die offensichtlich dem Wahlkampf geschuldet sind.

    Natürlich hat ein Pressesprecher keine freie Hand, wen er alles einschüchtert, denn er soll ja niemanden einschüchtern. Niemand kontrolliert jeden Anruf des Herrn Strepp. Dass er im Auftrag gehandelt hat, bleibt schlicht Spekulation von interessierter Seite. Es kann sein, es kann genauso gut nicht sein. Niemand weiß das. Man kann das gern aufklären wollen. Aber solange das nicht geklärt ist, bleibt es bei Spekulationen, die offensichtlich dem Wahlkampf geschuldet sind.

  6. Bisher ist der werte Herr Dobrindt sehr ruhig im Hintergrund - wenn das nicht mal ein Zeichen ist dass er da was mit zu tun hat.
    Auf jeden Fall kann ich mir nicht vorstellen dass ein seit Jahren angestellter Presseseprecher so deppert ist, der hat im Auftrag gehandelt!

  7. Natürlich hat ein Pressesprecher keine freie Hand, wen er alles einschüchtert, denn er soll ja niemanden einschüchtern. Niemand kontrolliert jeden Anruf des Herrn Strepp. Dass er im Auftrag gehandelt hat, bleibt schlicht Spekulation von interessierter Seite. Es kann sein, es kann genauso gut nicht sein. Niemand weiß das. Man kann das gern aufklären wollen. Aber solange das nicht geklärt ist, bleibt es bei Spekulationen, die offensichtlich dem Wahlkampf geschuldet sind.

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    • Kelhim
    • 25.10.2012 um 23:28 Uhr

    Solche Manipulationsversuche kleinzureden, ist natürlich genauso dem Wahlkampf geschuldet.

    Eben weil Strepp ein Profi ist, muss man sich fragen, warum er so etwas Dummes tun sollte. Für mich passt dieses Vorgehen eher in das Repertoire seines krawalligen Generalsekretärs Dobrindt. Und der wird wiederum von seinem Parteichef beschützt.

    Ich verstehe den Wunsch, kritische Fragen abzuwehren, aber mit der Haltung "Ja, nein, vielleicht, niemand weiß das" ist niemandem geholfen.

    • Kelhim
    • 25.10.2012 um 23:28 Uhr

    Solche Manipulationsversuche kleinzureden, ist natürlich genauso dem Wahlkampf geschuldet.

    Eben weil Strepp ein Profi ist, muss man sich fragen, warum er so etwas Dummes tun sollte. Für mich passt dieses Vorgehen eher in das Repertoire seines krawalligen Generalsekretärs Dobrindt. Und der wird wiederum von seinem Parteichef beschützt.

    Ich verstehe den Wunsch, kritische Fragen abzuwehren, aber mit der Haltung "Ja, nein, vielleicht, niemand weiß das" ist niemandem geholfen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, zz
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  • Schlagworte Horst Seehofer | SPD | CSU | ARD | Christian Ude | Grüne
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