EuropaDie Euro-Krise aus Sicht der Mitverursacher
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 Schröder tadelt Hollande

Nun haben die Deutschen in Europa aber nie allein geführt, sondern immer im Tandem mit Frankreich . Funktioniert dieses Tandem heute noch?

Darauf wollte Tony Blair nicht recht antworten. Frankreich, meinte er, sei so wie immer: "Es ist wichtig, und es ist schwierig." – "Genau wie Großbritannien", warf Schröder lachend ein. – "Deshalb sind wir meistens so gute Freunde", gab Blair fröhlich zurück.

Schröder hätte Angela Merkel die Schuld an der aktuell schwierigen deutsch-französischen Beziehung geben können. Das tat er nicht. Vielmehr schrieb er den französischen Sozialisten und deren Präsident François Hollande einiges ins Stammbuch. Hollande werde "schon bald einräumen müssen, dass er das nicht einhalten kann, was er im Wahlkampf versprochen hat." Eine frühere Rente etwa, das sei "einfach das falsche Signal" gewesen: "Nicht zu finanzieren!"

Macht oder Irrelevanz

Dazu die Steuerpolitik: Die könne nicht nur zu einer Kapitalflucht aus Frankreich führen, sondern auch dazu, dass weniger in Arbeitsplätze investiert werde. "Zwei, drei falsche Signale", attestierte Schröder den Genossen in Paris , "und ich glaube, dass das die französischen Freunde auch einholen wird ".

Dann schaute die Runde der elder statesmen doch über den Tag hinaus und fragte nach dem berühmten "Narrativ", der europäischen Erzählung, mit der man die Bürger für die Idee einer weiteren Integration begeistern könnte. Für Tony Blair steht fest: "Im 21. Jahrhundert findet Europa seinen Grund nicht mehr in der Frage von Krieg oder Frieden, sondern in der Frage von Macht oder Irrelevanz."

Kein Widerspruch von Gerhard Schröder, auch wenn er die Frage von Krieg und Frieden noch nicht für erledigt hält. Sie sei der emotionale Teil der europäischen Erzählung . Der andere, der rationale Teil, sei in der Tat die Frage nach der Rolle Europas in der Welt. Da gab der SPD-Altkanzler dann eben mal den Weltstaatsmann. "Wir haben Asien unter der Führung Chinas . Wir werden ein wieder erstarkendes Amerika haben." Also bleibe nur die Möglichkeit eines geeinten Europas, wenn dieses sein ökonomisches Wohlergehen und sein soziales Modell verteidigen wolle.

Wie sei das mit der eigenen Partei, würde die denn heute in Regierungsverantwortung alles anders und besser machen? Die Frage ließ Gerhard Schröder unbeantwortet im Raum stehen: "Ich wollte eigentlich schon vor fünf Minuten gegangen sein!" Dann lachte er sein breites Schröder-Lachen.

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Leserkommentare
  1. Ich habe Schröder seinerzeit gewählt. Wenn ich jetzt nur ein Bild vom ihm sehe, dreht sich mir der Magen um. Der Überschrift des Artikels ist nichts hinzuzufügen. Basta.

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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

  2. Was für einen Schaden haben gersde diese beiden für die Menschen in Europa angerichtet ?

    Ich mag beide Namen nicht mehr lesen und auch nicht mehr hören.

    Sie sollten mit Kohl in der Reservatenkammer verschwinden.

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    Wer hat den Griechenland in den Euro geholt? Wer war denn von 1998-2005 in der Regierungsverantwortung?

    Ich will Ihnen helfen, damit Sie, trotz der vielen Empfehlungen, merken, was Sie für einen Quatsch geschrieben haben:

    Zitat © DUDEN: Re|ser|vat, das; -[e]s, -e [zu lateinisch reservatum, substantiviertes 2. Partizip von: reservare = aufbewahren; zurüŸckbehalten, aufsparen]:

    Sie wollen die beiden also später noch einmal verwenden?? Das ist doch nicht ihr Ernst?

    Als Negativbeispiele müssen sie ab und an schon mal herhalten.

    Das Schlechte muß man nicht hofieren, Beweise müssen bestehen bleiben, dass es eine nochmalige Schröderzeit nicht mehr geben wird.

  3. K........, sie belächeln und belachen sich noch gegenseitig.
    Kein Wunder, daß Schröder auch noch Kohl und Schäuble lobt - warum auch nicht, haben sie nicht die gleiche Politik gemacht?
    Jaja und gut drauf sind sie alle - haben sie nicht ihr Schäflein ins Trockene gebracht?
    Die Konsequenzen ihrer Politik müssen sie wohl alle nicht selber tragen, und wie sich zeigt, haben sie wohl alle die Bodenhaftung, die sie damals nicht hatten, auch heute nicht. Glückwunsch, ihr 'Superpolitiker' - wenn sich die Konsequenzen eurer Politik erst mal so richtig zeigen werden, seid ihr weit vom Schuß.
    Zu wünschen, daß es bald Frankreich so wie Deutschland gehen wird, ist mehr als zynisch - und daß ausgerechnet Schröder das seinem Nachbarn 'ins Stammbuch schreibt', so nebenbei als 'Elder Statesman', ist für mich unfaßbar - wo bitte lebt dieser Mensch eigentlich?
    Muß erst wirklich halb Europa hungern, bis er merkt, welches Schlamassel er mit seiner Politik angerichtet hat?
    Aber vermutlich bemerkt er es nicht einmal dann - sondern weist mit dem Finger auf andere Leute.
    Ich sage nur: Max Liebermann.

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    Klar, auch ich bin verärgert - nur offensichtlich aus anderen Gründen als sie.

    Sie schreiben gerade so, als ob in den vergangenen 10-20 Jahren alles falsch gelaufen sei - und leben doch wie ich vermute in einem der reichsten und wohlhabendsten Ländern der Welt.
    Oder wäre es ihnen lieber, in einem Land mit 25% Arbeitslosen zu leben? Ohne Perspektiven?

    Also werden sie mir erklären müssen, was denn an der vergangenen Politik und an den Aussagen der o.g. Politiker so falsch war, und vor Allem wie es hätte besser sein können.

    Nur meckern, maulen und dagegensein? Oder kommt da noch was außer dass sie k..... könnten?

  4. Diese vier Herren haben die heutige Misere maßgeblich mitzuverantworten

    Schröder bricht zusammen mit Frankreich den Stabilitätspakt im Jahr 2004.

    Gonzales lässt in Spanien den Immobilienmarkt heißlaufen, die spanischen Banken werden nicht kontrolliert. Spanien deindustrialisiert sich großflächig.

    Blair: Kritiklose Kooperation mit den USA und Spaltung Europas, weitere Deregulierung der Londoner Finanzwirtschaft.

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  5. "Ich wollte eigentlich schon vor fünf Minuten gegangen sein."

    Es wäre besser gewesen, er wäre gar nicht gekommen. Das soziale Modell Europas verteidigen? Dies wird sehr einfach sein, da es von dem Herrn, der dies verlangt, in seinem Heimatland ja weitgehend zerstört wurde. Die paar kümmerlichen Reste (Tafeln, Suppenküchen, Wärmestuben) werden in der Tat leicht zu halten sein. Der Rest Europas soll nun gezwungen werden, diesen Irrweg nachzugehen. Ein Kontinent als Suppenküche!
    Dass sich diese Zyniker nicht schämen, da doch die Folgen einer mutwillig und sinnlos zerstörten Gesellschaft absehbar sind.

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  6. verlagert, und dass hat Blair richtig erkannt. "Im 21. Jahrhundert findet Europa seinen Grund nicht mehr in der Frage von Krieg oder Frieden, sondern in der Frage von Macht oder Irrelevanz."
    Krieg an sich ist vielleicht nicht einmal der richtige Begriff. Das hier ist ein einseitiger Kampf. Imperator: <>. Der Virus Kapitalismus, dominiert von Spekulationen an längst übermächtigen Finanzmärkten, hat sich dem Menschen angenommen. Getarnt als Allzweck-Antibiotikum EU-Politik, hat er den Menschen befallen und beutet ihn Stück für Stück aus.
    Aber was soll Schröder schon sagen. Durch die Ostee-Pipeline fließt letztendlich doch mehr Geld als Integration. Falls es hier nämlich zusammenbricht ("Ich wollte eigentlich schon vor fünf Minuten gegangen sein!") kriecht der durch die selbige nach Russland mit den wenigen anderen superreichen Lobbyisten.

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  7. Ich hätte denen gern eine Torte als Dank und Anerkennung für ihre Klasseleistung überreicht.

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  8. Wer hat den Griechenland in den Euro geholt? Wer war denn von 1998-2005 in der Regierungsverantwortung?

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    Antwort auf "Schröder und Blair ?"

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  • Schlagworte Tony Blair | Europa | Helmut Kohl | SPD | Erzählung | Euro-Krise
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