EuropaDie Euro-Krise aus Sicht der Mitverursacher

Falsche Signale aus Frankreich und bockige Engländer: Gerhard Schröder, Tony Blair und andere Exregierungschefs debattieren in Berlin die Schuldenkrise. von 

Gut drauf waren sie, die old boys der europäischen Politik, die sich am Dienstag auf Einladung des Nicolaus Berggruen Institute on Governance in Berlin trafen. Tony Blair , Gerhard Schröder , Felipe González , Giorgios Papandreou sollten im Gespräch mit europäischen Journalisten auf die Frage antworten: Was würden sie, die ehemaligen Regierungschefs, tun, wären sie heute – mitten in der Euro-Staatschuldenkrise – noch an der Macht?

Die Krise könnte Großbritannien zur Kooperation zwingen

Die lakonische Antwort des zur Zeit des Maastricht-Vertrages in Madrid regierenden Gonzáles folgte prompt. An der Stelle des aktuellen spanischen Regierungschefs Manuel Rajoy, würde er "daran denken, schon am frühen Morgen Selbstmord zu begehen", sagte Gonzáles.

Anzeige

Gerhard Schröder hingegen meint die gegenwärtigen Probleme schon von früher her zu kennen. Genau wie die heutigen Regierungschefs, sagte der SPD-Altkanzler, sei er zu seiner Regierungszeit mit einer Währungsunion konfrontiert gewesen, "die nicht fertig war". Eine Politische Union habe man nicht zu schaffen vermocht: "Wir haben nicht liefern können." Vorrang habe zu seiner Amtszeit die Erweiterung der Europäischen Union gehabt, erinnerte Schröder: "Der zweite Grund war Großbritannien ." Aus Londoner Sicht reiche eben ein gemeinsamer Markt, eine politische Union sei nicht nötig. "Und bei allem Respekt, Tony: Daran hat sich nichts geändert!"

Schröder lobte denn auch Helmut Kohl . Der CDU-Altkanzler könne paradoxerweise doch noch historisch recht bekommen, befand sein Nachfolger von der SPD : "Die Krise übt einen solchen Druck aus, dass sie uns zur Politischen Union zwingen könnte." Im übrigen: " Was Schäuble sagt , geht in die richtige Richtung." Aus der Europäischen Kommission könne perspektivisch eine europäische Regierung werden, kontrolliert durch das Europäische Parlament.

Deutschland soll Vorreiter sein

Der Druck der Krise. Niemand beschwor deren Ernst leidenschaftlicher als Irlands früherer EU-Kommissar Peter Sutherland. Bevor man großartige Pläne für eine Politische Union Europas schmiede, müsse man die drängenden aktuellen Probleme der Euro-Krise lösen. Die Führung dabei könne nur von Deutschland kommen.

Tony Blair , der ehemalige britische Premier, griff dies auf: "Warum ist Deutschland in einer so starken Position? Weil seine Wirtschaft so stark ist." Zu verdanken sei das in erster Linie den Reformen seines Freundes "Gerhard". Schröder hörte es mit Wohlgefallen. Blair interpretierte, mit dem "Blick von außen", die gegenwärtige Gefühlslage der Deutschen gegenüber ihren Nachbarn so: "Sie sagen: Wir sind bereit, für Euch Kerle zu zahlen; wir sind uns aber nicht sicher, ob Ihr es wert seid, also bitte beweist es!"

Leserkommentare
  1. 57. Irrtum

    Ich will Ihnen helfen, damit Sie, trotz der vielen Empfehlungen, merken, was Sie für einen Quatsch geschrieben haben:

    Zitat © DUDEN: Re|ser|vat, das; -[e]s, -e [zu lateinisch reservatum, substantiviertes 2. Partizip von: reservare = aufbewahren; zurüŸckbehalten, aufsparen]:

    Sie wollen die beiden also später noch einmal verwenden?? Das ist doch nicht ihr Ernst?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Schröder und Blair ?"
    • genius1
    • 30. Oktober 2012 11:24 Uhr

    Ihren Kommentar nicht gelöscht!

    So kann ich nur auf ein Problem eingehen.

    "Sie schreiben: "Dumm nur, das man für die Produktion von Produkten, zwangsläufig Arbeitsplätze schaffen muss."

    Richtig - z. B. in China ...

    Solche einfachen Tatsachen scheinen eltiche Foristen hier nicht begreifen zu Wollen. [...]"

    ------------------------------

    Wenn China nur nach der Türkei liefen würde, dann hätten die Chinesen nicht Milliarden von Dollar, sondern Türkische Lira!

    Was können die Chinesen mit Türkische Lira anfangen? Könnten sie damit in der ganzen Welt einkaufen? Eher Nicht!

    Früher oder später müssen die Chinesen mit Ihren Währungsüberschüssen wieder irgendwo Einkaufen. Mit Dollar, als Weltwährung und Euro als Weltersatzwährung, können die Chinesen auf der ganzen Welt auf Einkaufstour gehen.

    Diese beiden Währungen überdecken nur das Grundproblem von Exportüberschüssen, wie das Beispiel Türkei zeigt!

    Und da in einem Schuldgeldsystem, nun mal alles Geld nur als Kredit existiert, funktioniert das mit dem Export auch nur so lang, bis der Importeur Pleite ist!

    Wenn Sie das mal Begreifen würden!?

    Mit Exportüberschüssen können kurzfristig Probleme im eigenen Land übertüncht werden, aber nicht auf Dauer.

    Nennen Sie mir ein Land das keine Schulden hat, auf diesem Planeten, Exportweltmeister hin oder her?

    Keine Schulden haben - kein Geld Vorhanden!

    Sie werden wohl erst was Begreifen, wenn alle Arm und Reich zugleich sind! Dann ist Es zu Spät!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lonetal
    • 30. Oktober 2012 11:38 Uhr

    Sie schreiben: "Früher oder später müssen die Chinesen mit Ihren Währungsüberschüssen wieder irgendwo Einkaufen."

    Eben. Das Problem liegt bei irgendwo.

    Wenn Sie das mal Begreifen würden!? ... ihre Worte.

    • lonetal
    • 30. Oktober 2012 11:32 Uhr
    59. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk

    Antwort auf "[...]"
    • lonetal
    • 30. Oktober 2012 11:38 Uhr

    Sie schreiben: "Früher oder später müssen die Chinesen mit Ihren Währungsüberschüssen wieder irgendwo Einkaufen."

    Eben. Das Problem liegt bei irgendwo.

    Wenn Sie das mal Begreifen würden!? ... ihre Worte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • genius1
    • 30. Oktober 2012 12:28 Uhr

    Tja, es gibt Trolle und es gibt Sie?

    Mit der Türkischen Lira können Sie nur bevorzugt in der Türkei einkaufen und nur bedingt, Irgendwo!

    Und das irgendwo Einkaufen, löst keine Probleme sondern wirft Neue auf!

    Ausserdem müssen auch Importstaaten, welche nicht über Dollar und Euro verfügen, erst an diese Währungen rankommen. Geht bei Importstaaten meist auch nur über Verschuldung!

    Kommentar 64 (FelixLassmann) hat ihnen ja schon eine richtige Antwort zukommen lassen.

  2. Wer ein Lupenreiner Demokrat ist.
    Der Mann hat viele Talente, die frisches Geld riechen.

    Solche Männer sind in Russland gerne gesehen.

    5 Leserempfehlungen
    • lonetal
    • 30. Oktober 2012 11:52 Uhr

    Sie schreiben: "man sollte "nur der Statistik glauben, die man selbst gefälscht hat" (Zitat)."

    Kommt bei diesem ausgelutschte Kalauer nicht selbst allmählich das Gähnen? Aber zu jemand, der auf diesem Niveau diskutiert, passt natürlich auch, was sie weiter schreiben:

    "So viel Armut wie jetzt .. gab es nur nach dem Krieg."

    Ich vermute mal, sie können sich gar nicht vorstellen, mit welch obszönem Zynismus sie hier diskutieren:

    Nach dem Krieg hatten die Menschen nicht einmal 1000 kcal täglich, wenn sie denn überhaupt etwas ergattern konnten. Das Land war eine Wüste aus 400 Millionen Kubikmeter Trümmern, 2.841.773 Wohnungen (41,2%) konnten nur noch abgerissen werden; Düren war zu 100%, Pforzheim zu 95%, Hamburg zu 75% zerstört ...; vom 60.000 km Schienen waren noch 20.000 befahrbar; die Menschen hausten in Ruinen, Baracken, sogar in Erdlöchern; aus Eicheln machte man Mehl, aus Löwenzahn Salat, die Trümmer durchsuchte man nach Wildpflanzen, aus dem Abfall der Besatzungsmächte klaubte man Essensreste zusammen und Raucher prügelten sich auf offener Straße um Kippen; Tausende verhungerten oder erfroren in den extrem kalten Wintern ...

    ... und da kommen sie daher - von allen guten Geistern verlassen - und fabulieren, es ginge gegenwärtig zu wie nach dem Krieg. Offenbar haben sie jedes Gespür sowohl für Wohlstand wie für Armut verloren. Anders lässte sich ein solch oberflächliches und gewissenloses Dahergerede nicht erklären.

    Ende der Diskussion mit ihnen.

    Antwort auf "Papier ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... Arbeitslose, Arme (Hartz 4 und weniger), Rentnerarmut, Hunger, unbezahlbarer Wohnraum bzw. Wohnraumknappheit (der dann leer steht, nur als Spekulationsobjekt), explodierende Energiekosten, Tagelöhnerdienst (sog. Minijobs bzw. befristete Verträge bzw. Leiharbeit), etc. etc.

    Wir stehen erst am Anfang. In Griechenland, Spanien, etc. sind die Zustände noch schlimmer. Aber dort ist das Volk nicht so brav und geduldig - es wehrt sich. Deutschland leidet und jammert nur.

    Ja, Zustände wie nach dem Krieg. Es hat gerade erst begonnen. Und die Politik dieser Herrschaften ist eine der Ursachen.
    Aber vielleicht haben Sie als Reicher ja von diesen Herren profitiert. Anders kann ich man Einlassungen nicht verstehen.

  3. getrost in der Schublade stecken lassen. Jede Kritik an extrem ungerechter sozialer Differenzierung wird hierzulande immer wieder mit dem willkürlich unterstellten Argument "Neid" abgewürgt. Sie sollten andere Argumente/Fakten in die Debatte einbringen. Dazu sollten Sie sich aber vom Pawlowschen Neid-Reaktionsmuster lösen. Viel Erfolg !

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@54 Capricia: Neid"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lonetal
    • 30. Oktober 2012 12:05 Uhr

    Sie schreiben: "Das billige und dumme Totschlagargument "Neid" können Sie getrost in der Schublade stecken lassen. Jede Kritik an extrem ungerechter sozialer Differenzierung wird hierzulande immer wieder mit dem willkürlich unterstellten Argument "Neid" abgewürgt."

    FAlsch. Nicht jede, aber jede erkennbar wirklichkeitsfremde, ideoloigsche und von Neidaufwallungen geprägte Kritik wird benannt, wie sie benannt gehört: aus Neid geboren.

    Sie schreiben: "Sie sollten andere Argumente/Fakten in die Debatte einbringen."

    Im Gegensatz zu ihnen mache ich das regelmäßig. Zum Beispiel einfach meinen Beitrag @52 nachlesen -und sich dann für diese Unterstellung entschuldigen. Wie wär's zur Abwechslung mal mit sowas?

    Dazu sollten Sie sich aber vom Pawlowschen Neid-Reaktionsmuster lösen. Viel Erfolg! - wünsche ich ihnen dabei in ihren Worten.

  4. 64. antwort

    ja, ich bin ein profiteur des euro's, genau wie sie und alle anderen deutschen. allerdings bin ich nicht so verbohrt wie sie. vielleicht kommt das, das ich etwas mehr von der welt gesehen habe als ein urlaubsressort auf mallorca. ich kann das ewige geklage ueber euro, griechen usw. nicht mehr hoeren. versuchen sie doch einfach einmal das positive in ihrem leben zu sehen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • yellowT
    • 30. Oktober 2012 13:53 Uhr

    Scheinbar ein Treffer?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tony Blair | Europa | Helmut Kohl | SPD | Erzählung | Euro-Krise
Service