Reiner Haseloff "Neonazis haben ihre Strukturen nach der Wende importiert"

Demokratiemüdigkeit ist nicht der Grund für das Neonazi-Problem in Ostdeutschland, sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff. Es habe eine Unterwanderung gegeben.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU)

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU)

In der Debatte um eine mögliche Unterwanderung der neuen Länder durch Rechtsextremisten hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff die Ostdeutschen verteidigt. "Das Gerede vom demokratiemüden Osten ärgert mich gewaltig!", sagte der CDU-Politiker der ZEIT.

Über manche Kritik könne er "nur mit dem Kopf schütteln. Wir Ostdeutschen haben uns die Demokratie erkämpft. Wenn wir 1989 nicht auf die Straße gegangen wären", dann "gäbe es hier überhaupt keine Demokratie". Im Gegensatz zu den alten Ländern, sagte Haseloff, hätten die neuen Länder diesen Erfolg aus eigener Kraft geschafft.

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Haseloff reagiert damit auf eine Debatte, die nach einer Äußerungen von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) entstand. Darin hatte Friedrich eine teilweise Unterwanderung des Ostens durch Neonazis festgestellt. "Ja, diese Unterwanderung hat stattgefunden", sagte Haseloff weiter. "Die Neonazis haben ihre Strukturen nach der Wende nur importiert."

"Der Enthusiasmus ist abhandengekommen"

Auch gegen das Klischee vom politikverdrossenen Osten verwahrte Haseloff sich. "Die Menschen hier sind nicht politikverdrossen." Ihnen sei lediglich "der Enthusiasmus abhandengekommen. Aber das liegt daran, dass die Bürger zu wenig mitbestimmen können."

Im Osten haderten zudem viele mit Regeln der alten Bundesrepublik, die nach 1989 auch in der Ex-DDR eingeführt wurden. "Viele der alten politischen Rituale sind den Menschen hier noch immer fremd", sagte Haseloff. "Politik verkommt oft zur Show."

Insgesamt seien die Bürger aber nicht unzufrieden: "Kein Ostdeutscher zieht doch freiwillig nach Kuba oder Nordkorea!", sagte der CDU-Politiker.

 
Leser-Kommentare
  1. Offenbar kennt Herr Haseloff als Mann der CDU die Konrad Adenauer Stiftung nicht !?

    Neonazis in Ostdeutschland sind kein Westimport. Das Problem war bereits zu DDR-Zeiten bekannt.

    http://www.kas.de/wf/de/7...

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    • kitoi
    • 10.10.2012 um 15:03 Uhr

    Ihre verlinkter Artikel ist Verdummung!

    In meiner dreijährigen Zeit bei der NVA hatten wir einen Skin. Übrigens kaum am äußeren Aussehen erkennbar, da einfach alle zwangsweise sehr kurze Haare und die gleiche Kleidung hatten. Bei seinem letzten Ausgang, den ich erlebte, ist er nur noch zum Koffer packen gekommen und am selben Tag entlassen wurden. Er hatte in Berlin BVB-Personal der U-Bahn belästigt und wurde von der Polizei (er war wohl verbotener Weise in Zivil) verhaftet. Dabei ist man auf Fotos von Nazigrößen bei ihm gestoßen.

    • kitoi
    • 10.10.2012 um 15:03 Uhr

    Ihre verlinkter Artikel ist Verdummung!

    In meiner dreijährigen Zeit bei der NVA hatten wir einen Skin. Übrigens kaum am äußeren Aussehen erkennbar, da einfach alle zwangsweise sehr kurze Haare und die gleiche Kleidung hatten. Bei seinem letzten Ausgang, den ich erlebte, ist er nur noch zum Koffer packen gekommen und am selben Tag entlassen wurden. Er hatte in Berlin BVB-Personal der U-Bahn belästigt und wurde von der Polizei (er war wohl verbotener Weise in Zivil) verhaftet. Dabei ist man auf Fotos von Nazigrößen bei ihm gestoßen.

    • CM
    • 10.10.2012 um 13:06 Uhr

    Könnte es sein, daß die Unterwanderung vor allem den Verfassungsschutz betraf? Diese Geldquelle mit vielen Gleichgesinnten war wohl eines der Hauptziele der Nazis.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Iktomi
    • 10.10.2012 um 13:28 Uhr

    Viele der führenden Nazis im Osten, z.B. Pastörs in Mecklenburg oder Apfel in Sachsen, sind "Wessis".

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    • kitoi
    • 10.10.2012 um 15:09 Uhr

    Die gesamte (rechte) Parteistruktur stammt aus dem Westen.

    • kitoi
    • 10.10.2012 um 15:09 Uhr

    Die gesamte (rechte) Parteistruktur stammt aus dem Westen.

  2. Frage von mir im Oktober 1990 auf der Prager Straße in Dresden an damals etwa 18-jährige Sachsen: "Was wollt ihr denn hier bei den Rattenfängern?"
    Anwort: "Wir haben ja jetzt erst mitgekriegt, wie sehr uns unsere Regierung, unsere Lehrer, unsere Eltern in der Vergangenheit belogen haben und jetzt suchen wir halt die Wahrheit". Ergänzung eines Gleichaltrigen: "Wir aus dem Osten, wir sind es doch von klein auf gewohnt, dass uns gesagt wird, was wir machen müssen, deshalb suchen wir Leute, die uns das sagen."

    Dieselben Jugendlichen konnte man kurz darauf auch bei Büchertischen mit Werken von Ron Hubbard sehen.

  3. Wenig, zu wenig, viel zu wenig hat man von dem Ministerpräsident bis jetzt zu diesem bedrückenden Thema gehört. „Nicht karrierefördern“ sei es, so raunte es immer wieder durch Landtag, Ministerien und Staatskanzlei.

    Und so drücken sich fast alle Zuständigen im Land der Frühaufsteher seit Jahren so gut es geht in den Busch, wenn die Menschen dort mal wieder von Rassismus, alltäglichem Terror, rechter Gewalt und staatlichem Versagen im Umgang damit betroffen sind. Profitieren aber tun davon allein die Rechten, die werden nämlich auch zwischen Saale und Elbe immer stärker.

    Für mich sind deshalb die wenigen Worte vom Ministerpräsidenten enttäuschend. Nein, über Kritik sollte man nie den Kopf schütteln, Herr Haseloff, die sollte man ernst nehmen! Und dann muss man sich auch nicht in die Geschichte flüchten (1989) oder abstruse Vergleichsmaßstäbe anlegen (Kuba, Nordkorea).

    Aber indem der Ministerpräsident schlussendlich wieder nur die Ostdeutschen zu Opfern von „Unterwanderung“, „Gerede“ und „Klischees“ stilisiert, sind seine Worte auch ärgerlich. Über die eigentlichen Opfer rechter Gewalt bekommt man nämlich von ihm nichts zu hören, nicht mal ein Wort des Bedauerns.

    Der mehr als auffällige (Selbst-) Verteidigungsmodus, den der Ministerpräsident hier eingelegt, lässt bei mir aber die Vermutung aufkommen, dass hier einer den Unterschied zwischen demos und ethnos nicht so genau kennen will. Gerade dadurch aber könnte man seine Demokratiefähigkeit beweisen!

  4. Es gibt im Osten ganz sicher zu viele Leute, die sich der Neonaziszene angeschlossen haben. Iktomi hat völlig recht, dass die führenden Köpfe aus den alten Bundesländern kommen. Und wenn wir "Kommandopositionen" inzwischen auch mit Leuten ais dem Osten bestzen, dann sind sie doch erst von den Westdeutschen Neonazis herangezogen worden.
    tpaster mag auch recht haben, vergisst aber dabei, dass diese Jugendlichen nicht aus eigenem Antrieb Neonazidemonstrationen organisiert hätten. Auch dazu bedurfte es des kräftigen Anschubs der westdeutschen Führungskräfte aus der Neonaziszene. Diese wiederum wären in Westdeutschland wahrscheinlich nie in so eine Führungsposition gekommen. Für sie war der Osten ein fruchtbares Gebiet auf dem sie sich ausbreiten und in dem sie sich öffentlich produzieren konnten.

    • kitoi
    • 10.10.2012 um 15:03 Uhr

    Ihre verlinkter Artikel ist Verdummung!

    In meiner dreijährigen Zeit bei der NVA hatten wir einen Skin. Übrigens kaum am äußeren Aussehen erkennbar, da einfach alle zwangsweise sehr kurze Haare und die gleiche Kleidung hatten. Bei seinem letzten Ausgang, den ich erlebte, ist er nur noch zum Koffer packen gekommen und am selben Tag entlassen wurden. Er hatte in Berlin BVB-Personal der U-Bahn belästigt und wurde von der Polizei (er war wohl verbotener Weise in Zivil) verhaftet. Dabei ist man auf Fotos von Nazigrößen bei ihm gestoßen.

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    "Ihre verlinkter Artikel ist Verdummung!"

    Dann sind sie offenbar in der Lage alle von der Stasi dokumentierten Fälle zu widerlegen !?

    Beschleicht sie nicht manchmal der Zweifel, Neonazis an Äußerlichkeiten erkennen zu können ?

    "Ihre verlinkter Artikel ist Verdummung!"

    Dann sind sie offenbar in der Lage alle von der Stasi dokumentierten Fälle zu widerlegen !?

    Beschleicht sie nicht manchmal der Zweifel, Neonazis an Äußerlichkeiten erkennen zu können ?

    • kitoi
    • 10.10.2012 um 15:09 Uhr

    Die gesamte (rechte) Parteistruktur stammt aus dem Westen.

    Eine Leser-Empfehlung

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