Die FDP-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin wird bei der nächsten Europawahl 2014 nicht erneut für das Europäische Parlament kandidieren. "Ich werde dann nicht wieder antreten", sagte die ehemalige Vizepräsidentin des Europaparlaments. "Ich war vorher anders beruflich tätig und kann mir auch für die Zeit nach 2014 interessante Tätigkeiten vorstellen", sagte Koch-Mehrin dem Spiegel .

Koch-Mehrin war bei den vergangenen beiden Europawahlen die Spitzenkandidatin ihrer Partei. 2004 hatte die FDP nach zehnjähriger Abstinenz die Rückkehr ins Parlament geschafft, 2009 mit elf Prozent der Stimmen das beste Ergebnis der Parteigeschichte erzielt. Die gegenwärtige Europapolitik ihrer Partei beurteilt Koch-Mehrin kritisch. Sie sehe "die Euro-Skeptiker auf dem Vormarsch", sagte sie und fügte hinzu: "Eine pauschale Absage an Euro-Bonds, wie sie die Bundesregierung und die FDP propagieren, halte ich für falsch."

Koch-Mehrin war zuletzt vor allem in den Schlagzeilen, weil ihr die Universität Heidelberg 2011 den Doktortitel entzogen hatte . Die Politikerin reichte Klage dagegen ein . Plagiatsvorwürfe waren zunächst im Internet veröffentlicht worden. "Es stört mich, dass im Schutz der Anonymität Beschuldigungen erhoben und Urteile gefällt werden", sagte Koch-Mehrin.

Das Internet darf den Rechtsstaat nicht untergraben

"Die Methoden in den einschlägigen Internetforen entspringen einer Blockwart-Mentalität", sagte Koch-Mehrin. Das Internet dürfe den Rechtsstaat nicht untergraben: "Wo soll das hinführen – werden im Internet bald Plagiatsvorwürfe gegen den unfreundlichen Chef erhoben oder gegen den Nachbarn, weil er die Hecke nicht geschnitten hat?", sagte sie.

Überprüfungen von Dissertationen sollten laut der FDP-Politikerin von Universitäten vorgenommen werden und ohne Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen. Es sei falsch, wenn Fälle wie der von Bildungsministerin Annette Schavan ( CDU ) "in der Öffentlichkeit mit Vorverurteilungen und ohne Kenntnis des Sachverhalts diskutiert werden", sagte Koch-Mehrin. "Ich habe großen Respekt davor, dass Frau Schavan um ihren Titel kämpft und nicht gleich zurücktritt."

Schavan wird vorgeworfen, Zitate in ihrer Doktorarbeit nicht hinreichend kenntlich gemacht und dabei bewusst getäuscht zu haben. Die Ministerin bestreitet dies.