Nebeneinkünfte Transparenz-Initiative der SPD setzt Koalition unter Druck
"Auf Euro und Cent" - die SPD plädiert für eine völlige Offenlegung aller Nebeneinkünfte von Abgeordneten. Das bringt die Koalition in einen Glaubwürdigkeits-Konflikt.
Als die Diskussion um die Nebeneinkünfte des SPD-Kanzlerkandidaten vor wenigen Tagen ihren Höhepunkt erreichte, war die Koalitionsführung einhelliger Meinung: Von Peer Steinbrück sei schon ein wenig mehr Transparenz zu erwarten. Schließlich soll der SPD-Kandidat, der im Moment noch einfacher Bundestagsabgeordneter ist, mehr als eine Million Euro mit seinen Vorträgen unter anderem bei Finanzinstituten wie der Deutschen Bank verdient haben. Wie viel Geld er genau bekam, das weiß man bisher nicht: Steinbrück hat seine Einnahmen zwar korrekt nach den Regeln des Abgeordnetengesetzes angegeben, aber das sieht eine ungenaue Veröffentlichung vor.
"Der Kanzlerkandidat der SPD steht im Verdacht, ein Produkt der Finanzindustrie zu sein (...) Er täte gut daran, volle Transparenz walten zu lassen", ätzte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt: "Dann kann sich jeder ein objektives Urteil bilden, ob da Abhängigkeiten entstanden sind oder nicht." Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) mahnte, Steinbrück solle die genaue Herkunft des Geldes offenlegen. "Mit dem Gen des ehrbaren Kaufmanns ist dieser Hanseat nur dürftig gesegnet", urteilte wiederum FDP-Generalsekretär Patrick Döring.
Jahrelang nichts passiert
Im krassen Gegensatz zu diesen Äußerungen steht die jahrelange Weigerung der schwarz-gelben Koalition, sich auf eine weitgehende Reform der Transparenz-Regeln für Abgeordnete des Deutschen Bundestages einzulassen. Zahlreiche Gespräche mit der Opposition blieben ergebnislos, und so gilt immer noch das Gesetz von 2007.
Demnach müssen die Parlamentarier ihre Nebeneinkünfte, sofern sie mehr als 1.000 Euro im Monat beziehungsweise 10.000 Euro im Jahr betragen, in einem Stufenmodell öffentlich machen. Jedes einzelne Einkommen, das monatlich zwischen 1.000 und 3.500 Euro beträgt, müssen sie mit "Stufe 1" kennzeichnen. Einnahmen bis 7.000 Euro fallen unter die Bezeichnung "Stufe 2", mit "Stufe 3" wird jedes Salär bezeichnet, das höher als 7.000 Euro fällt – egal, wie hoch es ist. Ein Rückschluss auf die genauen Verdienste lässt sich so nicht ziehen. Auch müssen nicht die genauen Umstände der Einkünfte genannt werden. So gab Steinbrück seine Einkünfte bisher zwar an, aber nannte dabei nur den Namen der Redneragentur, bei der er unter Vertrag war und nicht den Ort seines Auftrittes. Er will dies nun ändern.
"Auf Euro und Cent"
Seine Partei versucht nun sehr geschickt, die jüngsten Angriffe auf den frisch gekürten Kanzlerkandidaten ins Positive zu drehen. Sie fordert eine komplette Überarbeitung der Transparenzregeln für Abgeordnete und lässt ihren eigenen Kanzlerkandidaten mit gutem Beispiel voranschreiten. "Auf Euro und Cent - Mehr Transparenz im Deutschen Bundestag" heißt ein dreiseitiges Eckpunktepapier, das der SPD-Fraktionsvorstand kurzerhand beschloss.
Ab Donnerstag wird sich die Rechtsstellungskommission des Bundestages wieder einmal mit dem Streitthema befassen, die Sozialdemokraten nutzen das für den ganz großen Aufschlag: Sie wollen das Stufenmodell abschaffen, jeder Cent an Einkünften soll künftig von Abgeordneten veröffentlicht werden und außerdem die "Art der Tätigkeit" sowie der "Name und Sitz des Arbeit- und Auftraggebers, für den der Abgeordnete tätig ist". Grundsätzlich zeigt sich die SPD mit der bislang geltenden Regel einverstanden, dass es eine Untergrenze für die Veröffentlichungspflicht gibt. Wenn ein Abgeordneter im Jahr insgesamt weniger als 10.000 Euro verdient, so muss er seine Einnahmen nicht offenlegen, sondern nur intern der Bundestagsverwaltung melden. Die Sozialdemokraten fordern aber, dass der Verwaltung eine genauere Aufschlüsselung dieser Beträge bekannt ist: Sie wollen verhindern, dass Vortragshonorare oder ähnliches gestückelt gezahlt werden, um die Veröffentlichungspflicht zu umgehen.
Mit ihrem forschen Papier stellen die Sozialdemokraten den Regierungsparteien eine süffisante Glaubwürdigkeitsfrage: Soll die Offenheit, die ihr von unserem Kandidaten fordert, nicht auch für alle anderen Abgeordneten gelten?
- Datum 16.10.2012 - 18:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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einen Haufen Geld dafür zu bezahlen einen Politiker reden zu hören? Das ist offene Korruption, sonst gar nichts.
...kommt natürlich an auf den Politiker. Ein Helmut Schmidt oder ein Heiner Geißler hatten wohl schon zu Amtszeiten einen höheren "Kurs" als ein Hr. Westerwelle, ein Herr Rösler, eine Frau Kipping oder ein Herr Riexinger jemals erreichen werden.
Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk
...kommt natürlich an auf den Politiker. Ein Helmut Schmidt oder ein Heiner Geißler hatten wohl schon zu Amtszeiten einen höheren "Kurs" als ein Hr. Westerwelle, ein Herr Rösler, eine Frau Kipping oder ein Herr Riexinger jemals erreichen werden.
Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk
Erst eine große Klappe und wenn es dann konkret wird den Schwanz einziehen.
abgeordnetenwatch.de hat festgestellt daß schwarzgelbe die Topverdiener nach Steinbrück sind.
http://www.ftd.de/politik...
Eine Veröffentlichung auf den Cent genau sollte Pflicht sein!
Ach, liebe Abgeordneten von CDU und SPD. In Zeiten des Gläsernen Bürgers sehen diese den Gläsernen ABgeordneten eher gelassen.
Wer Bundestrojaner, Flugdatenübermittlung, Bankdatenübermittlung ins Leben ruft, wird doch nichts gegen den "gläsernen Abgeordneten" haben können. Getreu dem Motto: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.
Na na, Sie werden doch nicht auf die anmassende Idee kommen, daß für die "Götter" die gleichen Regeln gelten wie für uns "Rindviecher"...
Unsere Aufgabe ist es, den Karren zu ziehen, und da die Herren Steuerleute ihn regelmäßig in den Dreck zu fahren pflegen, wird uns die Arbeit so schnell nicht ausgehen!
Aufhören zu meckern!
Ziehen!
---
Zum Thema:
Wahlkampfgetöse!
Wenn die Futtertröge neu verteilt werden, zanken sich die Krähen schon mal lautstark, aber keine Angst, wenn die Verteilung geregelt ist, hacken sie sich gegenseitig nicht die Augen aus.
Haben sie noch nie gemacht...
---
Wer Zynismus findet, darf ihn behalten.
Wer nichts damit anfangen kann, gibt ihn an der Garderobe ab!
Na na, Sie werden doch nicht auf die anmassende Idee kommen, daß für die "Götter" die gleichen Regeln gelten wie für uns "Rindviecher"...
Unsere Aufgabe ist es, den Karren zu ziehen, und da die Herren Steuerleute ihn regelmäßig in den Dreck zu fahren pflegen, wird uns die Arbeit so schnell nicht ausgehen!
Aufhören zu meckern!
Ziehen!
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Zum Thema:
Wahlkampfgetöse!
Wenn die Futtertröge neu verteilt werden, zanken sich die Krähen schon mal lautstark, aber keine Angst, wenn die Verteilung geregelt ist, hacken sie sich gegenseitig nicht die Augen aus.
Haben sie noch nie gemacht...
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Wer Zynismus findet, darf ihn behalten.
Wer nichts damit anfangen kann, gibt ihn an der Garderobe ab!
Na na, Sie werden doch nicht auf die anmassende Idee kommen, daß für die "Götter" die gleichen Regeln gelten wie für uns "Rindviecher"...
Unsere Aufgabe ist es, den Karren zu ziehen, und da die Herren Steuerleute ihn regelmäßig in den Dreck zu fahren pflegen, wird uns die Arbeit so schnell nicht ausgehen!
Aufhören zu meckern!
Ziehen!
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Zum Thema:
Wahlkampfgetöse!
Wenn die Futtertröge neu verteilt werden, zanken sich die Krähen schon mal lautstark, aber keine Angst, wenn die Verteilung geregelt ist, hacken sie sich gegenseitig nicht die Augen aus.
Haben sie noch nie gemacht...
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Wer Zynismus findet, darf ihn behalten.
Wer nichts damit anfangen kann, gibt ihn an der Garderobe ab!
- aber daran zeigt sich nur wieder, dass es sich um keine Demokratie handelt.
Wenn es sich tatsächlich um "Vertreter" des Volkes handelte - statt, wie es de facto ist, um eigennützige, meist machtgeile Protagonisten -, so wäre es selbstverständlich, dass ALLES, was einen Einfluss auf die Tätigkeit in der "Volksvertretung" hat, offengelegt wird.
Dass daraus dann der "gläserne Abgeordnete" gemacht wird, ist doch völliger Unsinn, schliesslich verlangt ja keiner, dass sie ihre Privatsphäre offenlegen.
sehr einen "gläsernen Abgeordneten" bezüglich der Nebeneinkünfte. Ich habe bisher noch kein einziges logisches Argument gehört, das dagegenspricht. Mich würde es nicht wundern, wenn die meisten Abgeordneten sehr sehr viel Geld nebenbei verdienen. Wie das eigentlich möglich sein soll, wenn so ein Abgeordnetenjob ein Vollzeitjob ist, ist mir schon immer ein Rätsel.
Nicht schlecht, wenn man 100mal pro Jahr €9.999 verdient. Genau da befindet sich doch eine weit klaffende Lücke im Gesetz.
Sehr schön auch das hier: "FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen verwies ebenfalls auf die Interessen von Selbstständigen und Freiberuflern im Bundestag." Die sogenante Selbständigkeit vieler Abgeordneter besteht in diversen "Berater"- und den noch schöneren "Beirats"-pöstchen. Die sind kaum klar definiert; der Verdacht liegt bei vielen dieser Nebentätigkeiten nahe, dass sich Firmen und Verbände damit Einfluss und Beziehungen erkaufen. Zu viele Politiker treffen im Amt Entscheidungen, und werden nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt mit solchen gutdotierten Pöstchen von den Nutznießern dieser Entscheidungen belohnt.
Dieses Geflecht gepaart mit dem Mangel an Transparenz ist eine deutsche Spezialität. Nicht umsonst hat Deutschland bisher die Unterschrift unter ein entsprechendes Antikorruptionsabkommen nicht unterzeichnet.
Ich als Bürger möchte wissen, in wessen Diensten mein Abgeordneter steht. Wen repräsentiert er wirklich im Bundestag und in den Auschüssen? Der gegenwärtige Zustand ist in einem rechtsstaat unerträglich. CDU und FDP sollten sich sehr gut überlegen, welches Bild sie hier abgeben wollen. Die Veröffentlichung aller Nebeneinkünfte sollte selbstverständlich sein in unserer Demokratie.
,,,, und zwar bei Beträgen unter 1.000 Euro. Das ist dann zwar auch nicht "auf den Cent genau", und 10.000 Euro haben oder nicht haben wäre für eine Menge Leute auch nicht gerade etwas, dass nicht erwähnenswert ist, aber ein bisschen weniger als das, was Sie schreiben.
,,,, und zwar bei Beträgen unter 1.000 Euro. Das ist dann zwar auch nicht "auf den Cent genau", und 10.000 Euro haben oder nicht haben wäre für eine Menge Leute auch nicht gerade etwas, dass nicht erwähnenswert ist, aber ein bisschen weniger als das, was Sie schreiben.
...kommt natürlich an auf den Politiker. Ein Helmut Schmidt oder ein Heiner Geißler hatten wohl schon zu Amtszeiten einen höheren "Kurs" als ein Hr. Westerwelle, ein Herr Rösler, eine Frau Kipping oder ein Herr Riexinger jemals erreichen werden.
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