Die Einkünfte aus Vortragshonoraren des designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück sind nun nachlesbar. Die Zusammenstellung des von Steinbrück beauftragten Wirtschaftsprüfers ist auf der Homepage der SPD  und auf Steinbrücks Internetseite veröffentlicht. Demnach nahm der frühere Finanzminister von 2009 bis Mitte Juli 2012 insgesamt 1,25 Millionen Euro brutto ein.

Steinbrück verteidigte sich gegen Kritik. Die Vorwürfe, er sei wegen der Honorare abhängig von den Auftraggebern geworden, seien "absurd", sagte er. "Einige suchen die Möglichkeit , mir einen Stein an den Kopf zu werfen wegen vermeintlich mangelnder Transparenz, ich trage jetzt gerne dazu bei, dass aus diesem Stein ein Boomerang wird, der an ihren eigenen Kopf zurückfliegt."

Nach Angaben der Wirtschaftsprüfer hat Steinbrück zwei Vorträge nicht ordnungsgemäß beim Parlament offengelegt. Ein Vortrag am 13. Oktober 2011 und einer am 19. Oktober 2011 "wurden nach Aktenlage nicht entsprechend den Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestages angezeigt", heißt es in dem Bericht. Die Reden wurden bei der Kerkhoff Consulting GmbH und der Südwestbank AG gehalten. Steinbrück hat die beiden Vorträge nach eigenen Worten inzwischen beim Bundestagspräsidenten nachgemeldet. "Das war eine Nachlässigkeit von mir, ich hab's einfach verschwitzt", sagte er.

Arbeit als Abgeordneter nicht vernachlässigt

Steinbrück erläuterte, er habe zwischen 2009 und 2012 insgesamt 89 Vorträge gegen Geld gehalten und 237 ohne Honorar. In vielen Fällen habe er auf Honorare verzichtet, oder um Spenden zugunsten wohltätiger Zwecke gebeten. Zu Steinbrücks Auftraggebern gehörten unter anderem die Deutsche Bank , die Union Investment, J.P. Morgan, die Cr é dit Agricole, die Landesbank Hessen-Thüringen und die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius .

Der Aufstellung zufolge erhielt er 2009 für sechs Vorträge jeweils 15.000 Euro, insgesamt also 90.000 Euro. 2010 verdiente er mit 41 Vorträgen jeweils Honorare zwischen 1.000 und 15.000 Euro, insgesamt 551.722 Euro. 2011 waren es 460.100 Euro für 32 Vorträge, für die Steinbrück jeweils Honorare zwischen 1.600 und 25.000 Euro gezahlt wurden. Von Januar bis zum 12. Juli 2012 kamen noch einmal zehn Vorträge zu jeweils 15.000 Euro zusammen, insgesamt also 150.000 Euro.

Steinbrück bestritt Vorwürfe, er habe wegen seiner vielen Vortragsreisen seine eigentliche Arbeit als Bundestagsabgeordneter vernachlässigt. Er sei 2009 und 2010 an sieben Sitzungstagen nicht dagewesen, an denen namentliche Abstimmungen anstanden. 2011 sei er immer dagewesen. Im Übrigen sage Abwesenheit im Plenum nichts über "politische Präsenz" aus.