Rücktritte : Frust über Ponader treibt Piraten-Vorstand auseinander

Der Rücktritt von Julia Schramm und Matthias Schrade offenbart einen heftigen internen Konflikt um Bundesgeschäftsführer Ponader. Der lehnt einen Amtsverzicht strikt ab.

Parteiinterner Ärger über den Bundesgeschäftsführer Johannes Ponader stellt den Vorstand der Piratenpartei vor eine Belastungsprobe. Zwei Mitglieder stellten ihre Beisitzerposten zur Verfügung. Nach dem Parteitag in Bochum werde sie ihre Parteiarbeit aufgeben und zudem sofort von ihrem Posten zurücktreten, schrieb Julia Schramm in ihrem Blog und bestätigt damit Informationen von ZEIT ONLINE. Mit Schramm gibt auch der Vorstandskollege Matthias Schrade seinen Beisitzerposten auf .

Mit Herausforderungen habe sie bei der Amtsübernahme gerechnet, schrieb Schramm. "Dass jedoch jeden Tag mehr die Anpassung meines Denkens und Handelns an eine alte Politikervorstellung notwendig zu werden scheint, die ich ablehne und nicht bereit bin zu vollziehen, ist ein Umstand, dem ich mich nicht länger aussetzen möchte." Sie habe mehr Offenheit für möglich und nötig gehalten.

Schrade kündigte seinen Rücktritt für die Zeit nach dem Parteitag an, sofern sich nicht kurzfristig eine grundsätzliche Änderung der Lage ergibt. I n seinem Blog schrieb er, er halte es inzwischen "schlicht nicht mehr aus". Die Situation im Bundesvorstand sei durch "Alleingänge" des Geschäftsführers "zuletzt immer schwieriger geworden". Solch ein Verhalten behindere seit Längerem die Arbeit des Vorstands als Team. "Unter diesen  Bedingungen ist aus meiner Perspektive eine weitere sinnvolle Zusammenarbeit nicht möglich."

Mutmaßungen über Rücktritt Schlömers

Ponader ist wegen seines Arbeitsstils umstritten. Viele kritisieren, er sei nicht teamfähig, es gab seit Längerem Rücktrittsforderungen. Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag informierte Bundeschef Bernd Schlömer über die Veränderungen in der Parteispitze. Er sagte, er bedauere den Rücktritt Schramms und Schrades. Er hoffe, dass Ponader die Kritik an seiner Person und Arbeitsweise positiv aufnimmt. 

Zuvor hatte es Mutmaßungen gegeben, Ponader und Schlömer selbst könnten ihre Posten aufgeben. Doch das erwies sich als falsch . Ponader habe ihm versichert, dass an diesen Gerüchten nichts dran ist, sagte Schlömer. Er hatte offenbar versucht, Ponader zum Rückzug zu bewegen. Er habe ihm ein Angebot gemacht, das der aber nicht annahm, sagte der Bundeschef. Was genau er Ponader offerierte, wollte Schlömer nicht sagen.

Die Diskussion innerhalb der Partei zeigt überdeutlich: Johannes Ponader ist das eigentliche Zentrum dieses Machtkampfes. Am Nachmittag verteidigte er sich und schrieb in seinem Blog , er betrachte seine Arbeit kritisch und werde unterlaufene Fehler "hoffentlich weiterhin kontinuierlich beheben". Auch auf der Pressekonferenz geäußerte Kritik des Bundeschefs änderte nichts an seiner Haltung: "Solange es bei mir keine persönlichen Gründe für den Rücktritt gibt, ist aus meiner Sicht ein Votum eines Parteitages nötig für einen Rücktritt", sagte er ZEIT ONLINE unmittelbar danach.

Der Landeschef der Piraten in Bayern , Stefan Körner, kritisiert dieses Beharren: "Johannes Ponader ist der, der am meisten Schaden anrichtet. Und der will von einem Rücktritt nichts wissen." Auch im Netz tobt der Streit zwischen Ponader und Widersachern: Bundesvorstandsmitglied Sebastian Nerz schimpfte über Ponader, "er hat nichts – aber auch absolut gar nichts – verstanden. NULL. NADA. NICHTS. Das ist unglaublich."

Sollte er jemals als Bundeschef oder Stellvertreter gewählt werden, "dann kandidiere ich nicht mehr", schrieb Piraten-Schatzmeisterin Swanhild Goetze . Der Kritisierte reagierte mit Spott: "Werde ich plötzlich so hoch gehandelt?", schreib Ponader zurück. Goetze entgegnete: "Wer weiß schon, was du tatsächlich inszenierst?"

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Kommentare

89 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Gute Nachricht!

Eine Partei wie die Piraten benötigt Aushängeschilder, die glaubhaft ihre Werte vertreten. Das ist bei Frau Schramm nicht der Fall.

Bei der ex-FDP Praktikantin hatte sich vielmehr der Eindruck aufgedrängt, sie würde von nichts anderem als Karrierestreben getrieben.

Also: Ein guter Schritt für die Piraten. Wenn euch nun das schwere Kunststück gelingt, euch zu professionalisieren, ohne dabei den Polit-Karrieristen das Ruder zu übergeben (wie es leider bei den Grünen geschah), könnt ihr auch meine Stimme haben.

Das ist Real-Satire!

"Also: Ein guter Schritt für die Piraten. Wenn euch nun das schwere Kunststück gelingt, euch zu professionalisieren, ohne dabei den Polit-Karrieristen das Ruder zu übergeben (wie es leider bei den Grünen geschah), könnt ihr auch meine Stimme haben."

Schramm kannte die Struktur und die Arbeit in der FDP. Das ist Professionell! Wo haben die anderen die Erfahrung her? Auch eventuell zu vermitteln?

Haben sie schonmal die Gründung den Niedergang von Kleinparteien gesehen? Am Ende bleibt meist ein Haufen Ideologen zurück.

Es heisst ja auch Schlömer ist ein U-Boot. Schlömer hat nen Job, den hat er sich auch erarbeiten müssen. Er hat Erfahrung und kennt Strukturen = BÖSE!

Die Piraten sind wohl kurz vorm Niedergang. Wenn Schlömer geht wird das Schiff komplett kentern. Ahoi.

Unwissen sagt Ahhh

Während Frau Schramm für mich glaubwürdig war, ist Ponader ein inkompetenter Affe, der schnellstmöglich aus dem Amt geschmissen werden sollte. Ein lausiges beispiel, wie man junge Leute aus der Politik vertreibt. Sollte sich da nichts Grundlegendes vor der nächsten Bundestagswahl ändern, kriegt die Partei meine Stimme nicht. Dabei war ich mir eigentlich sicher, diesmal nicht erst an der Urne die endgültige Entscheidung treffen zu müssen.

Was genau macht Frau Schramm denn für SIE untauglich?

Dass sie mit einem Praktikum Erfahrung gesammelt hat, bevor sie in einer politisch anders motivierten Partei als der FDP erfolgreich wurde? DAS spricht wohl eher gegen die Karrieristin, sonst wäre sie wohl bei den liberalen Parasiten geblieben.

Das Gehänge um ihr Buch, bei dem ihr Doppelmoral unterstellt wird?
Kritisch betrachtet waren die Vorwürfe schlichtweg falsch. Ein Blick in den Gesetztesänderungsvorschlag der Piraten zum Urheberrecht verdeutlicht dies.

Sie wird die Öffentlichkeit vermissen

Umgekehrt wohl eher weniger.

Ich halte die Piraten für richtig und wichtig, allerdings sind einige Figuren dort schon fragwürdig. Ich hatte den Eindruck Frau Schramm genoss das Bad in der Öffentlichkeit, immer ordentlich befeuert durch schwülstige sich selbst wiedersprechende Statements, weshalb ich Sie mit oder ohne Buch eher fragwürdig fand... würde mich nicht wundern, wenn Sie im Dschungelcamp wieder auftaucht.

Sicherlich werden jetzt auch einige wieder auf die Piraten im allgemeinen draufkloppen.

Das man sich hingegen dauernd über die "Amateurpolitiker" der Piraten lustig macht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ja, da kann man viel kritisieren, aber sollte es einer demokratische Gesellschaft nicht von Vorteil sein, wenn auch einfache Menschen in die große Politik gehen können und nicht nur Berufspolitiker?