GleichberechtigungWie Frauen die Politik verändern

Bald wird Malu Dreyer Rheinland-Pfalz regieren, vier Ministerpräsidentinnen gibt es dann. Zusammen mit der Kanzlerin prägen sie Deutschland. von 

Malu Dreyer (SPD) ist designierte Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

Malu Dreyer (SPD) ist designierte Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.  |  © Torsten Silz/dapd

Manchmal wenden sich die Dinge, ohne dass wir es wahrnehmen. So geschehen am Freitag vor einer Woche : Da erklärte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck seinen baldigen Rückzug vom Amt und rief Malu Dreyer als Nachfolgerin aus. Sie wird die fünfte Frau sein, die ein Bundesland regiert.

Deutschland erlebt eine neue Normalität. Frauen übernehmen wie selbstverständlich politische Spitzenämter, und sie müssen schon chronisch krank sein , damit uns das überhaupt noch auffällt. Ist die Frauenfrage nun beantwortet?

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Seit sieben Jahren ist Angela Merkel Bundeskanzlerin. Als sie ins Amt kam, war die erste Ministerpräsidentin Deutschlands, Heide Simonis , gerade abgetreten. Lange schien es danach so, als würde Merkel die einzige Führungsfrau bleiben. Alle anderen, so stark oder schwach sie waren, gab es nur, weil Merkel sie wollte: Ursula von der Leyen , Anette Schavan , später Kristina Schröder . Ministerinnen von Kanzlerins Gnaden.

Doch seit knapp zweieinhalb Jahren verändert sich das Bild. Es begann in Ostdeutschland, in Thüringen . Da wurde die Christdemokratin Christine Lieberknecht Ministerpräsidentin, nachdem ihr Vorgänger Dieter Althaus zurückgetreten war. Dann Nordrhein-Westfalen: Hannelore Kraft vertrieb für die SPD ihren christdemokratischen Kontrahenten Jürgen Rüttgers aus der Staatskanzlei. Schließlich Annegret Kramp-Karrenbauer , wieder CDU , erste Innenministerin der Republik, folgte Peter Müller im Saarland nach. Nun also bald die Sozialdemokratin Malu Dreyer. Und sogar im konservativen CSU-Bayern kann sich mit Ilse Aigner eine Frau ernsthafte Chancen auf das Erbe Horst Seehofers ausrechnen.

Aufstieg aus Verlegenheit?

Es lässt sich lange diskutieren, was diese Frauen in ihre Ämter gebracht hat. Die Meinungen gehen weit auseinander, zumal unter Expertinnen. Da gibt es jene, die den Aufstieg von Frauen weitgehend aus dem Verlegenheitsprinzip heraus erklären: Wenn die Männer nicht mehr wollen, weil alles in Scherben liegt, dann darf auch mal eine Frau ran. Die CDU, fast zusammengebrochen unter der Kohlschen Spendenaffäre , brachte Angela Merkel hervor. Eine in Schockstarre verfallene Rhein/Ruhr-SPD überließ sich schließlich Hannelore Kraft . Ein Bundesland, dessen Ministerpräsident in einen tödlichen Skiunfall verwickelt war, sah in Christine Lieberknecht seine Chance auf Ruhe. Die CSU steht ebenfalls nicht gerade blendend da.

Gegen die These von den Trümmerfrauen argumentieren jene, die in deren Griff nach der Macht den Ausdruck einer veränderten gesellschaftlichen Dynamik zu erkennen meinen. Nach langen Jahren des emanzipatorischen Kampfes gibt es inzwischen eine kritische Masse an gut ausgebildeten Frauen, die das Spiel der Macht kennen und sich den Weg nach oben gebahnt haben. Malu Dreyer, deren Karriere über das Bürgermeisteramt in Bad Kreuznach und das Sozialdezernat der Stadt Mainz ins Ministeramt geführt hat. Annegret Kramp-Karrenbauer , die schon Bundestagsabgeordnete war, später parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Landtagsfraktion, schließlich zehn Jahre lang Ministerin mit verschiedenen Aufgaben. Oder Ilse Aigner , früher einmal stellvertretende JU-Vorsitzende in Bayern, dann stellvertretende Landesgruppen-Chefin im Bundestag, Vorsitzende des mächtigen CSU-Bezirksverbands Oberbayern, heute Bundesministerin.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen und Argumenten. Danke. Die Redaktion/cv

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    ... das ist eine These. Lassen sie doch mal ein paar Fakten dazu rüberwachsen.

    • hermie9
    • 05. Oktober 2012 17:59 Uhr

    Wir können's nicht mehr hören/lesen, diese Feminismuspropaganda, in letzter Zeit so ungefähr ein Artikel pro Ausgabe. Was hat denn Merkel anders gemacht als Kohl, bitteschön?

    Eine Leserempfehlung
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    ...das verlangt auch keiner.
    Bemerkenswert ist auch, dass es ohne eine Quotenregelung für Ministerpräsidentinnen funktioniert ;)

  2. Ich finde, beim Thema Emanzipation/Gleichberechtigung muss einfach mehr Selbstverständlichkeit gelebt werden.
    Wenn bei jeder erfolgreichen Politikerin, Chefin, Managerin, usw. immer das -in breit getreten werden muss, dann wird dieses Thema den Hauch vom "Unnormalen" niemals verlieren.

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    man muss ja auch bei diesem Artikel ein wenig relativieren.

    Vier von 16 Bundesländern haben einen weiblichne MP. Wohl bald fünf.

    Soo beeindruckend ist das noch nicht. Aber ein Anfang. Genauso wie im Bundeskabinett.

    "Prägen" ist insofern der falsche Ausdruck im Artikel.

    • tinnef
    • 06. Oktober 2012 6:10 Uhr

    eine erfolgreiche Politkerin oder eine Unternehmeslenkerin (nicht die dort aufgrund ihres Erbes fest sitzt) die länger als 3 Jahre durchgehalten hat.

  3. Die ganze Debatte zu Feminismus, zu Frauen-quote usw. ist allgemein lächerlich. Dass Frauen an die Macht kommen ist etwas, was vollkommen normal sein sollte und so nicht mal diskutiert werden sollte. Alle Menschen sind gleich, also sollten solche Geschichten normal sein.

    • Gex83
    • 05. Oktober 2012 18:01 Uhr

    Ich glaube nicht dass Leistung immer unbedingt mit Frauen zusammenhängt, andererseits ist es auch einfach ein Zeichen dafür dass Vorurteile auch einfach mal abgebaut werden müssen. Dass aber das Eintreten für die Rechte aller (!) Menschen (egal ob Mann oder Frau) als "Feminismuspropaganda" bezeichnet wird ist ein Armutszeichnis, dessen Präsenz sehr tief blicken lässt.

  4. fühle ich mich als Frau verarscht. Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer, Frauen bekommen ein niedrigere Rente, Frauen sind mehr von Altersarmut bedroht, Frauen arbeiten überdurschnittliche im Niedriglohn und Minijobbereich, Frauen sind nachiwe vo in den politischen wie wirtschaftlichen entscheidenen Gremien eine winzige Minderheit. Obama ist US-Präsident aber nachwievor dominiert der Rassimsu die US-Gesellschaft, Merkel ist Kanzlerin aber nachwievor werden Frauen in der BRD unterdrückt udn benachteilgt......

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    "aber nachwievor werden Frauen in der BRD unterdrückt udn benachteilgt......"

    Nichts als bezichtigende, instrumentalisierende Opferkultur, welche die stetig sinkende Wochenarbeitszeit von Müttern bei gleichbleibend hoher der Väter und signifikanter Lebenserwartungsschere zwischen Mann und "Opfer" Frau ignoriert.

    "Mütter arbeiten einer Studie zufolge heute zwar häufiger, aber weniger Stunden pro Woche als vor zehn Jahren. Westdeutsche Frauen haben je nach Alter ihrer minderjährigen Kinder eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit zwischen 6,3 und 19,1 Stunden, wie das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Essen zu einer aktuellen Untersuchung mitteilte."

    Vor zehn Jahren war 1. die Geburtenrate höher und 2. die Betreuungssituation eine andere.

    • an-i
    • 05. Oktober 2012 22:07 Uhr

    wieso werden Frauen älter als Männer

    "Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer, Frauen bekommen ein niedrigere Rente"

    Das sind richtig schöne nichtssagende Aussagen, wenn man die Statistik dahinter betrachtet.
    Sicher stimmt es, dass das im Durchschnitt so ist, allerdings gibt es da zwei Punkte zu bedenken.
    1. Frauen bekommen heute normalerweise gleiches Geld für gleiche Leistung. Das heisst, für Frauen, die gut ausgebildet sind und auch arbeiten gehen, stimmt diese Aussage nicht
    2. Eine demographische Statistik wird sich nicht von heute auf morgen ändern, wenn genauso viele Frauen, die in den Beruf einsteigen, genauso wie Männer verdienen. Dann braucht es etwa 35 Jahre, bis die Statistik sich auf diesen Wert angenähert hat, da der Rest der arbeitenden Bevölkerung (oder Rentner), ja nicht plötzlich verschwindet. Bisher war die -oft selbstbestimmte- Rolle der Frau eben nicht die der Karrierefrau. Wenn die jungen Frauen eine andere Rolle wollen, dürfen sie diese heute leben, es ist also wiederum selbstbestimmt.

    Wenn Sie wirklich eine Statistik der geänderten Rolle wollen, dann müssen sie eine Statistik der Berufsanfänger machen und nicht der ganzen Bevölkerung.

  5. "Eine Familienministerin kann noch so konservativ sein und trotzdem nach der Geburt zügig in den Job zurückkehren..."

    Kristina Schröder war schon geboren, als sie den Job antrat. Sie meinen wohl nach der Geburt ihres Kindes.

    Ansonsten Zustimmung zu dem Kommentar.

  6. , dass sie die Politik verändern, die weiblichen Politiker.

    Ich empfinde den ruhigeren Politikstil ohne Marktschreierei als sehr angenehm. Rational. Kühl. Argumente, Wendungen, nicht nur Geholze.

    Ob es inhaltlich politisch einen Wendepunkt markiert, ist jedoch schwierig festzustellen. Dann müsste es ja eine Realität mit nicht-Frauenbeteiligung in der Politik geben. Gibt es aber nicht.

    Alles Spekulation.
    Ich kann nur für mich sprechen: Seitdem mehr Frauen in der Politik Einfluss ausüben, fühle ich mich mehr "angekommen".

    Und unsere Kinder halten es für ganz normal, dass Männer UND Frauen in der Politik sind. Ruhigere, Impulsivere. Eine Mischung.

    Ist klasse so. Und dafür hat Frau Merkel mehr getan als Herr Kohl. Warum auch immer ;-), das überlasse ich den Spekulierenden.

    Ist doch einfach "normal".

    Endlich ist das soweit!!!

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