Gleich, welcher Theorie man folgt, hat sich jedenfalls die altväterliche Sorge erledigt: Kann die das? Denn mag die Gleichberechtigung auch statistisch noch nicht durchgesetzt sein (nur fünf Prozent aller Bürgermeisterposten in deutschen Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern sind beispielsweise mit Frauen besetzt), so ist die Sache qualitativ längst entschieden und bewiesen.

Spannender ist ohnehin eine andere Frage: Verändern die Frauen die Politik, jetzt, da sie an der Macht sind?

Ja sicher doch, steht nicht seit Merkel und von der Leyen plötzlich Familienpolitik im Zentrum der Debatte? Sind Frauen nicht weniger hierarchiebesessen, wie die Familienforscherin Gisela Erler sagt, streben sie nicht eher nach einer sinnvollen Aufgabe als nach Macht? "Ich möchte die Welt verbessern", sagt Hannelore Kraft . Wann haben wir das zuletzt von einem Mann gehört?

Christine Bauer-Jelinek , Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin, ist skeptisch. Dass sich alles zum Besseren wende, nur weil Frauen an der Macht seien, sei ein Klischee. Die Mechanismen des politischen Wettbewerbs seien geschlechtsneutral, die Regeln der Macht ebenso. So moderierend, offen, kommunikativ sich Angela Merkel zeige, so sehr gehe sie mit aller Härte in den Konflikt. Zu besichtigen war das beispielsweise, als sie knallhart ihren Umweltminister Norbert Röttgen hinauswarf . Auch Frauen nutzen die Macht eben nach den Spielregeln ihrer Zeit.

Trotzdem verändert sich etwas. Mit den Frauen etablieren sich neue Rollenbilder. Eine Familienministerin kann noch so konservativ sein und trotzdem nach der Geburt zügig in den Job zurückkehren wie Kristina Schröder . Eine Ministerpräsidentin kann mit Tränen in den Augen vor den Opfern des Loveparade-Unglücks stehen und trotzdem die Troikaner ihrer Partei vor sich hertreiben wie Hannelore Kraft. Eine Bezirksvorsitzende kann ihre Partei im Dirndl anführen und trotzdem auf Familie verzichten wie Ilse Aigner.

Das besondere an diesen Rollenmodellen ist, dass sie eigentlich nicht typisch weiblich sind, sondern vor allem nicht mehr herrisch-breitbeinig. Sie passen auch vielen nachfolgenden Männern, die keine Lust mehr haben, die rostigen Rüstungen ihrer Väter anzulegen. Die Männerbünde meiden und Sechzehnstundentage. Die nach einem zeitgemäßen Bild von Männlichkeit suchen. Darin liegt die eigentliche Pointe der Geschichte: Dass der Erfolg der Frauen den Männern den Weg eröffnet, sich zu emanzipieren.