Grünen-Chefin Claudia Roth und der Vorsitzender der Piratenpartei, Bernd Schlömer © Ole Hoffmann

Irgendwann, nach rund einer Stunde, fragt der Moderator und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth : "Was ist denn nur los bei denen?" Es geht um die Piratenpartei und deren jüngste Personal- und Umfragesorgen. Da kann Claudia Roth ganz mütterlich antworten: "Die werden eben erwachsen."

Nein, ein echtes Duell ist das nicht, obwohl mit Roth und Piraten-Chef Bernd Schlömer zwei Parteivorsitzende auf der Bühne sitzen, die bei der kommenden Bundestagswahl um ziemlich genau die gleichen Wähler konkurrieren dürften. Eher ist es eine Einführungsveranstaltung für Piraten-Neulinge in diese ungewöhnliche Partei und ihren aktuellen Zustand. Claudia Roth gibt dazu die mal streng tadelnde, mal gütig lobende Tante.

Demokratie 2.0 lautet der Titel der Matinee des ZEIT-Verlages, und weiter: " Grüne vs. Piraten – wer hat die besseren Ideen? " Um Ideen allerdings geht es dann kaum und auch nicht um Demokratie 2.0. Spannend ist die Debatte in den Hamburger Kammerspielen trotzdem. Vor allem, weil sie einen Einblick in das Verhältnis und die Unterschiede der beiden Parteien und ihrer Spitzenleute gibt.

Schnittmengen und Gegensätze

"Wir sehen uns heute zum allerersten Mal, und sprechen auch das erste Mal miteinander", sagt Schlömer gleich zu Beginn. Das ist dann auch schon die erste Überraschung angesichts des Verhältnisses ihrer beiden Parteien zueinander. Die Piraten geben ganz unumwunden "sehr große Schnittmengen" mit den Grünen zu. Die Grünen wiederum beobachten den neuen Konkurrenten mit einer Mischung aus unverholener Neugier und Sorge. Sie fürchten um ihren Status als die junge, irgendwie basisdemokratischere Partei . Erst vor wenigen Tagen stellte die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung eine umfangreiche Studie vor, die "Empfehlungen zu einer Diskursstrategie" mit den Piraten abgab.

Die Diskursstrategie von Claudia Roth ist an diesem Sonntag schnell klar: ein paar gezielte Hiebe, ansonsten vermeintlich wohlwollende Tipps für den Gegner. Als Moderator Joffe sie fragt, ob sie denn auch twittere, sagt Roth: "Nein, denn für mich ist es fast eine Menschenrechtsverletzung, immer nur mit 140 Zeichen zu kommunizieren." Da lacht das gutbürgerliche Publikum, Oberflächlichkeit durch Technikfixiertheit ist einer der beliebtesten Vorwürfe gegen die Piraten. Dass diese eben nicht "nur" in Kurznachrichten, sondern auch in endlosen Konferenzen und auf Parteitagen kommunizieren – geschenkt. Der Punkt geht an Roth.

Ansonsten lassen sich die Meinungsunterschiede zwischen den beiden Parteichefs aber an einer Hand abzählen. Das liegt auch an einem Bernd Schlömer, der für seine Verhältnisse extrem zahm auftritt, immer wieder die Nähe zu Roth sucht. Man habe sich "aus ähnlichen Beweggründen wie die Grünen gegründet", sagt er beispielsweise. Ob die Piraten denn dann die Kinder der Grünen seien, fragt der Moderator daraufhin. Dagegen verwahrt sich die mögliche Mutter Roth. "Bei uns geht es um Werte, bei den Piraten um Systeme und Formen", sagt sie.