Kinderbetreuung Schwesig greift Schröder im Kita-Streit an
SPD-Vizechefin Schwesig kontert den Vorwurf der Familienministerin, die Länder torpedierten den Kita-Ausbau. Schröder verdrehe die Tatsachen und behindere selbst.
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig hat den Vorwurf von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zurückgewiesen, einige Landesregierungen wollten den Ausbau von Kita-Plätzen stören. Die Bundesministerin verdrehe die Tatsachen, sagte Schwesig der Passauer Neuen Presse. "Frau Schröder blockiert seit mehr als drei Monaten die Weitergabe dieser Mittel, indem sie immer neue Forderungen mit reinen Verfahrensfragen zu rechnerischen Nachweisen und Berichtspflichten an die Länder stellt", kritisierte Schwesig. Statt dankbar für die Hilfe der Ministerpräsidenten zu sein, die ihr zusätzliches Geld für den Kita-Ausbau verschafft hätten, "steht die Bundesfamilienministerin auf der Bremse".
"Frau Schröder hat sich bisher nie wirklich für den Kita-Ausbau eingesetzt", sagte Schwesig. Die Bundesfamilienministerin habe den ab August 2013 vorgesehenen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz "längst aufgegeben". "Sie wollte kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen und versucht nun, diese Mittel zu blockieren." Den Ländern den Schwarzen Peter zuschieben zu wollen, sei eine "billige Nummer".
Schröder hatte gesagt, manche Länder wollten das Projekt offenbar "vor die Wand fahren lassen". Hintergrund ist, dass die Bundesländer einstimmig die Zuschüsse des Bundes für den Kita-Ausbau verweigert haben. "Ich habe null Verständnis, dass der Bundesrat jetzt die frischen 580 Millionen Euro für den Kita-Ausbau blockieren will", sagte Schröder. Die Länder fühlen sich von den mit den Zuschüssen verknüpften Bedingungen zu stark eingeschränkt. Dabei geht es unter anderem um die Berichtspflichten der Länder für die Verwendung der finanziellen Mittel und die Pflicht zur Kofinanzierung. Um das neue Geld des Bundes ausgeben zu können, müssen die Länder zusätzlich fast denselben Betrag aus eigenen Mitteln beisteuern. Die Länder hatten die 580 Millionen als Gegenleistung für die Zustimmung zum Fiskalpakt zugesagt bekommen.
Ministerpräsidenten erbost
Kritik an Schröder kommt auch von zwei Ministerpräsidenten der CDU. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte dem Tagesspiegel, der Bund habe die zusätzlichen 580 Millionen Euro "vorbehaltlos zugesagt. Dieser Zusage widerspricht es, wenn die Förderung nunmehr von Gegenleistungen der Länder abhängig gemacht wird".
In Sachsen arbeiteten die Kommunen zusammen mit der Regierung "mit Hochdruck" daran, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zum 1. August nächsten Jahres umzusetzen. "Um dies zu erreichen, ist vor allem Planungssicherheit erforderlich. Diese ist nicht gewährleistet, wenn der Bund kurz vor dem Ziel die bisherigen Spielregeln ändert. Die Befürchtung, die Mittel werden zur Haushaltssanierung zweckentfremdet, entbehrt jeder Grundlage", sagte Tillich.
Bayern zeigt Verständnis
Erbost reagierte auch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff: Schröders Kritik "geht im Kern an der Sache vorbei", sagte er. In der Vereinbarung von Bund und Ländern zur Entlastung der Kommunen beim Fiskalpakt sei "unabhängig von Auflagen, Bedingungen oder gar Ausbaustufen" festgelegt worden, dass der Bund Finanzmittel für den Kita-Ausbau zur Verfügung stelle, sagte Haseloff. "Einziges Kriterium war die Weiterentwicklung im Krippenbereich in Abhängigkeit von der Kinderzahl." Was jetzt zur Voraussetzung für Zahlungen des Bundes genannt werde, entspreche nicht der Geschäftsgrundlage. "Frau Schröder sollte nachdenklich machen, dass dies von allen Bundesländern übereinstimmend so gesehen wird", sagte Haseloff.
Rückendeckung erhielt Schröder dagegen aus Bayern. "Ich kann die Bundesfamilienministerin schon verstehen, dass sie ordentliche Nachweise über die Verwendung der Bundesmittel haben will", sagte die dortige Familienministerin Christine Haderthauer (CSU). "Die Gelder sollen schließlich dem Bau neuer Krippen und nicht der Sanierung von Länderhaushalten dienen." Bayern habe mit den geforderten Nachweispflichten überhaupt kein Problem.
- Datum 18.10.2012 - 07:56 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, dapd
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"Ich kann die Bundesfamilienministerin schon verstehen, dass sie ordentliche Nachweise über die Verwendung der Bundesmittel haben will", sagte die dortige Familienministerin Christine Haderthauer (CSU).
Bedingungen sind vorher bekannt zu geben. Erst recht in einer Demokratie. Wenn der Vorwurf des "Nachschiebens" stimmt, sollte Schröder über ihre eigene Kompetenz nachdenken. Denn es ist interessant, dass sich alle Länder einig sind. Von Manövern wahltaktischer Art und der Erwartung bei Rot-Grün gäbs mehr, kann man dann nicht ausgehen.
...wie oben steht, kann es gar nicht sein, dass sich "alle Länder einig" sind.
Das Hin- und Herschieben des schwarzen Peters bringt aber nichts, Länder und Kommunen müssen in die Puschen kommen, denn diese bzw. die Kommunen werden nächstes Jahr auf den Kita-Platz verklagt werden, nicht der Bund, vgl.
http://www.badische-zeitu...
Einhaltung von Verabredungen - oder haben wir eine Kanzlerin mit dem Vorrecht, die Richtlinien vorzugeben? Oder war es Angela Merkel, die von Kristina Schröder verlangt hat, so zu agieren, wie sie agiert, und allen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder klar zu machen, sie für die Zustimmung zum ESM an der Nase herumgeführt zu haben - und es gewollt zu haben kraft ihrer Richtlinienkompetenz? -
Einhaltung von Verabredungen - oder haben wir eine Kanzlerin mit dem Vorrecht, die Richtlinien vorzugeben? Oder war es Angela Merkel, die von Kristina Schröder verlangt hat, so zu agieren, wie sie agiert, und allen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder klar zu machen, sie für die Zustimmung zum ESM an der Nase herumgeführt zu haben - und es gewollt zu haben kraft ihrer Richtlinienkompetenz? -
Es wird Zeit, dass Schwesig sich wieder einmal äußert. Bei der schwachen Männerriege in der SPD hat sie gute Chancen für weitere Aufgaben. Jetzt oder nie.
ist an und für sich durchaus..."transparent".
. . .dieser Gelder. Ist völlig in Ordnung, Frau Schröder will damit erreichen, das in einer festgelegten Zeit die Pläne zum Kita Ausbau Realität werden, d.h. nicht nur auf bedruckten Papier in irgendeiner Schublade oder auf irgendeinen Datenträger. Das Bundesland Bayern hat das völlig klar formuliert, sehr gut. Nach der Story über das "versickern" von Bundesmitteln für Bildungsgutscheine ( Projekt Frau .d. Leyen ) wird dies doch dort ab 2013 ebenso gehandhabt. Ich habe eher den Eindruck das Landesfürsten -Innen bis `runter auf der kommunalen Ebene sich ganz schlau vorkommen , wenn sie mal eben Wege finden, Gelder auch mal anders zu verwenden als vom Absender gedacht. Machen wir uns doch nichts vor, machen das Angestellte einer Firma kommen die entsprechenden Straftatbestände sofort in Betracht. Für diese z.B. Bildungsgutscheine bleibt das 2012 straflos und das lehrt uns doch etwas darüber, welches Vertrauen man zu den agierenden Personen in der Politik haben kann, darf oder sollte.
"Die Befürchtung, die Mittel werden zur Haushaltssanierung zweckentfremdet, entbehrt jeder Grundlage", sagte Tillich."
Ach, tatsächlich? Nachdem erst kürzlich bekannt wurde, daß Mittel, die Kindern von Hartz IV Empfängern zugedacht waren, von Gemeinden zur Haushaltssanierung zweckentfremdet wurden?
Die Sache ist sogar noch drastischer. Bund und Länder haben den Kommunen mit den U3 Ausbau Aufgaben ohne angemessene Gegenfinanzierung aufgetragen. Eine Reihe von Kommunen wurden auf diese Weise überschuldet, und konnten ihre Aufgaben nur noch mit teuren kommunalen Kassen-Krediten finanzieren.
Nicht wenige Kommunen bangen jetzt um ihre öffentlichen Bibliotheken, öffentlichen Wohnungsbesitz, Theater und Opern. Den regierenden Koalitionen im Bund und in den Ländern geht es vor allem darum, die verfassungsmäßig garantierte Autonomie zu untergraben.
Nur mit einer politisch gewollten Überschuldung der Kommunen können die Regierungskoalitionen im Bund und in den Landtagen erreichen, dass die kommunale Daseins-Vorsorge, Bibliotheken, Theater und Opern privatisiert werden.
Die Kommunen wurden finanziell derart in die Ecke gedrängt, dass sich nicht wenige Kommunen auf Cross-Border Leasing und Zins-Swap Geschäften verspekuliert haben. Die Stadt-Kämmerer liefern den internationalen Kanzleien und den Gläubiger-Banken bereitwillig ihre Stadt aus.
Die Haushaltssicherung soll Einnahmen und Ausgaben mit einem auf ein Null-Saldo bringen. Der Zinseszins Effekt läßt die kommunale Schuldenlast aber weiter anwachsen.
Es geht Bund und Länder gar nicht darum, den Krippenausbau vernünftig zu organisieren - sondern Ziel der Krippenausbau wird als Totengräber der kommunalen Autonomie mißbraucht.
Die Sache ist sogar noch drastischer. Bund und Länder haben den Kommunen mit den U3 Ausbau Aufgaben ohne angemessene Gegenfinanzierung aufgetragen. Eine Reihe von Kommunen wurden auf diese Weise überschuldet, und konnten ihre Aufgaben nur noch mit teuren kommunalen Kassen-Krediten finanzieren.
Nicht wenige Kommunen bangen jetzt um ihre öffentlichen Bibliotheken, öffentlichen Wohnungsbesitz, Theater und Opern. Den regierenden Koalitionen im Bund und in den Ländern geht es vor allem darum, die verfassungsmäßig garantierte Autonomie zu untergraben.
Nur mit einer politisch gewollten Überschuldung der Kommunen können die Regierungskoalitionen im Bund und in den Landtagen erreichen, dass die kommunale Daseins-Vorsorge, Bibliotheken, Theater und Opern privatisiert werden.
Die Kommunen wurden finanziell derart in die Ecke gedrängt, dass sich nicht wenige Kommunen auf Cross-Border Leasing und Zins-Swap Geschäften verspekuliert haben. Die Stadt-Kämmerer liefern den internationalen Kanzleien und den Gläubiger-Banken bereitwillig ihre Stadt aus.
Die Haushaltssicherung soll Einnahmen und Ausgaben mit einem auf ein Null-Saldo bringen. Der Zinseszins Effekt läßt die kommunale Schuldenlast aber weiter anwachsen.
Es geht Bund und Länder gar nicht darum, den Krippenausbau vernünftig zu organisieren - sondern Ziel der Krippenausbau wird als Totengräber der kommunalen Autonomie mißbraucht.
"Einziges Kriterium (war) die Weiterentwicklung im Krippenbereich in Abhängigkeit von der Kinderzahl" war und die jetzigen Voraussetzungen für Zahlungen des Bundes nicht der Geschäftsgrundlage entsprechen, hat Bayern unter Horst Seehofer dieser Vereinbarung zugestimmt. - Warum probt Christine Haderthauser (CSU) jetzt den Zickenkrieg? -
Einhaltung von Verabredungen - oder haben wir eine Kanzlerin mit dem Vorrecht, die Richtlinien vorzugeben? Oder war es Angela Merkel, die von Kristina Schröder verlangt hat, so zu agieren, wie sie agiert, und allen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder klar zu machen, sie für die Zustimmung zum ESM an der Nase herumgeführt zu haben - und es gewollt zu haben kraft ihrer Richtlinienkompetenz? -
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