KoalitionSeehofer erklärt Rösler dessen Job

Horst Seehofer reitet weiter Attacken gegen Parteikollegen und Koalitionspartner. FDP-Chef Rösler warf er Führungsschwäche vor, und die Bundesregierung streite nur noch. von dapd

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)  |  © Sebastian Widmann/dapd

Der Chef der CSU , Horst Seehofer , setzt seine Angriffe auf Politiker aus den eigenen Reihen fort: In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung forderte der bayerische Ministerpräsident den FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler auf, seine Partei besser zu führen. Seehofer sagte, um aus der Krise zu kommen, müsse Rösler jetzt "schlicht und einfach: entscheiden, handeln, Orientierung geben". In so einer Situation brauche man "Gelassenheit und starke Nerven". Wenn der FDP-Chef seine Vorhaben durchsetze, würden sich in seiner Partei "auch klare Strukturen einstellen".

Jüngst erst hatte der CSU-Politiker seinen Parteikollegen Markus Söder nach dessen Vorstoß zur Abschaffung der Praxisgebühr gerügt . Denn damit hatte der eine zentrale Forderung der Liberalen unterstützt, die Kassen sollten schnellstmöglich auf die Zahlung verzichten. Aus Seehofers Sicht ging Söder damit zu weit auf die FDP zu. Seehofer sagte, die Gespräche über Themen der schwarz-gelben Koalition führten CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und er selbst – und nicht Söder.

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Über Rösler sagte der CSU-Chef, man dürfe dessen Leistung allerdings "nicht leichtfertig beurteilen". Er könne "gut nachempfinden, wie es einem Vorsitzenden geht, wenn innerhalb einer Partei der Zusammenhalt und die Solidarität noch nicht so gefestigt sind". Seehofer fühlt sich nach eigenen Angaben im Fall des vielfach kritisierten FDP-Chefs oft an die Jahre 2008 und 2009 in der CSU erinnert: "Da gab es viele Vorgänger, potenzielle Nachfolger und jede Menge Enttäuschte. Und sie müssen schauen, dass der ganze Laden zusammenhält."

Zu Spekulationen über ein vorzeitiges Ende Röslers als Parteivorsitzender sagte Seehofer, Politiker, denen das Ende vorausgesagt werde, würden manchmal sehr lang leben. "Nehmen Sie mich als Beispiel: Die Abgesänge auf mich füllen mittlerweile einen Ordner."

Attacken gegen Bundesregierung

Auch gegen die Bundesregierung wetterte der bayerische Ministerpräsident: Seehofer äußerte Verständnis für alle Wähler, die meinten, die Bundesregierung entscheide nichts mehr, sondern streite nur noch. "Die Leute haben zu Recht die Auffassung: Ihr seid an der Regierung und ihr habt die Dinge zu gestalten." Seehofer sagte, er plädiere deshalb schon seit Monaten dafür, "die Dinge zu entscheiden, die entschieden werden müssen".

Der CSU-Chef kündigte für November eine Sitzung des Koalitionsausschusses an. Er sei dann zu einer Paketlösung bereit, mit der CDU , CSU und FDP ihre Konflikte etwa um das Betreuungsgeld und die Praxisgebühr lösen könnten.

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Leserkommentare
  1. ...irgendeiner muss es ja machen.

    Die Frage ist, ob Rösler intellektuell in der Lage ist, Seehofer zu folgen.

    Vom lieben Horst Seehofer gibt es übrigens ein ganz vorzügliches Zitat, welches der geneigte Leser hier sehen kann:

    http://www.youtube.com/wa...

  2. bei einer Attacke gegen Rösler kann man nichts falsch machen, selbst Seehofer nicht.

    • cargath
    • 18. Oktober 2012 10:03 Uhr

    ...hat Horst Seehofer durchaus Recht. Er kapiert nur nicht, dass er mit seinen staendigen Zwischenrufen selbst Teil des Problems ist.

  3. die Bundesregierung entscheide nichts mehr, sondern streite nur noch." - nur eines merkt der Horst nicht: Er gehört zu dieser Regierung und ist ein Streithansel par exellence. - Wie heißt es so schön? Der größte Dieb schreit: "Haltet den Dieb". - Nun sollten nur noch die Wählenden dem Verständnis des Horst Seehofer folgen, und CDU, CSU und FDP abwählen. -

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    Meine Sympathien für den bayerischen Ministerpräsidenten halten sich wirklich in engen Grenzen aber es wäre mir neu, dass er nun auch Teil der Bundesregierung ist.

  4. Meine Sympathien für den bayerischen Ministerpräsidenten halten sich wirklich in engen Grenzen aber es wäre mir neu, dass er nun auch Teil der Bundesregierung ist.

  5. Ihr Ziel, die Anzahl der Arztbesuche pro Bürger zu reduzieren, hat die Praxisgebühr nicht erreicht. Also weg damit.

    Seehofer rügt seinen Parteikollegen Söder, weil er zu weit auf die FDP zugehe. Anstatt im Sinne der Bürger zu denken und zu entscheiden, zieht er es vor, irgendeinen Status zu wahren. Vielleicht sollte ihm jemand erklären, in wessen Auftrag er seinen Job macht.

    Wenn ein installiertes System nicht (mehr) funktioniert, muss man es ändern oder durch ein Anderes ersetzen. Das gilt für die Praxisgebühr genauso wie das Pfandgesetz und die Sommerzeit. Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen.

    Wer etwas gut macht, wie in diesem Fall Rösler, soll auch gelobt werden. Manche hacken wohl aus Gewohnheit auf ihm rum.

  6. Fehlbesetzung ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Von daher teilt Horst Seehofer nichts Neues mit.
    Zugleich stellt er Rösler öffentlich ein vernichtendes Zeugnis aus.

    Es stellt sich ohnehin die Frage, wieso Rösler nicht erkennt, dass er der falsche Mann ist. Jetzt freiwillig abzutreten wäre für ihn und die FDP gut. Sollte die FDP die Landtagswahlen in Niedersachsen, Rösler Stammland, verlieren, dürften seine Tage endgültig gezählt sein.

  7. den "Versuch", Herrn Rösäöer etwas zu erklären wird dieser sicher mit müdem Grinsen verfolgen.
    Bevor Seehofer irgendwem wirklich etwas erklären kann, müsste er es erst mal selbst begreifen.
    Dass die Praxisgebühr ein Rohrkrepierer ist, hat er bis heute nicht begriffen. Seine "Erklärungen" irgend eines Jobs wird bestenfalls ein CSUler ernst nehmen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, tok
  • Schlagworte Horst Seehofer | Philipp Rösler | Bundesregierung | CSU | FDP | CDU
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