Der Bayerische Rundfunk (BR) hat im März 2011 einen Fernsehbericht über den heutigen Finanzminister Markus Söder ( CSU ) nach einer Intervention von dessen Sprecherin aus dem Programm genommen. Söders Sprecherin Ulrike Strauß habe bei dem öffentlich-rechtlichen Sender angerufen, um "anzumerken", dass ein BR-Beitrag "nicht sachgerecht gewesen" sei, berichtet die Süddeutsche Zeitung .

Der Beitrag beschäftigte sich sechs Tage nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima mit Äußerungen Söders zur Sicherheit des Atomkraftwerks Isar I. Söder hatte damals als Umweltminister amtiert. Der BR habe Äußerungen Söders aus der Zeit vor dem Reaktorunglück gezeigt, in denen dieser betont habe, die Anlage sei sicher. Dagegen stellte der Sender dem Bericht zufolge eine Äußerung Söders nach dem Unglück, in der er angegeben habe, Isar I sei doch nicht ausreichend gesichert.

Sprecherin streitet Vorwürfe ab

Der BR bestätigte dem Bericht zufolge, dass der kritisierte Beitrag am 17. März 2011 in der Frühausgabe der Nachrichtensendung Rundschau gelaufen sei. Dass er am Abend nicht mehr in der Abendschau gesendet worden sei, habe allein journalistische Gründe gehabt. Sprecherin Strauß habe zunächst in der Redaktion und dann bei Redaktionsleiter Peter Marder zu Hause angerufen. Dieser habe laut Süddeutsche Zeitung bestritten, von Strauß unter Druck gesetzt worden zu sein.

Auch Söders Sprecherin wies den Vorwurf zurück, auf das Programm des BR Einfluss genommen zu haben. Ihr Anruf sei erst nach der BR-Nachrichtensendung Abendschau erfolgt, sagte Strauß der Welt am Sonntag . Zudem habe sie eigenständig entschieden, beim BR anzurufen. "Ich hatte keinen Auftrag und habe niemanden informiert", sagte Strauß. 

Am Donnerstag war CSU-Sprecher Hans Michael Strepp auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben entbunden worden. Er hatte am Sonntag nach Angaben des ZDF in der Redaktion der heute -Nachrichten angerufen und eine Berichterstattung über die Wahl von Christian Ude zum SPD-Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl im Jahr 2013 verhindern wollen. Seither gibt es eine Debatte über die Mitgliedschaft von Politikern in den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender und über die Verantwortung der CSU-Spitze für den Vorfall.

Die SPD forderte am Freitag den Rückzug der CSU-Spitze aus den ZDF-Gremien. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der Bild am Sonntag , "die Frage nach der politischen Verantwortung" sei "mit dem Rücktritt für mich nicht beantwortet". "Diese politische Verantwortung" hätten CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und Parteichef Horst Seehofer . Dobrindt sagte der Zeitung: "Ich hätte diesen Anruf nicht geduldet und hätte ihn untersagt, hätte ich die Gelegenheit dazu gehabt." Entsprechend hatte er sich bereits zuvor geäußert.