Mit viel Witz will Peer Steinbrück den SPD-Wahlkampf 2013 führen. Frisch vom Parteivorstand als Kanzlerkandidat nominiert, hielt der 65-Jährige am Montag eine Pressekonferenz in der Berliner Parteizentrale ab. Die Sozialdemokraten planten nicht nur "Frontalreden", sondern völlig neue Wahlkampfformate, sagte er gleich zu Beginn seiner Ansprache: "Es darf auch ein bisschen Humor dahinterstecken." Erst dann kam der Kandidat zu den Inhalten, die seinen Wahlkampf prägen sollen: Euro-Krise, Mindestlohn, Bildung.

"Es bräuchte schon einen dramatischen Einbruch "

Witz vor Themen – ist diese Rangordnung in Steinbrücks Rede purer Zufall gewesen? Fakt ist: In der SPD wird derzeit fieberhaft überlegt, was man der so präsidial wirkenden Bundeskanzlerin im Wahlkampf entgegensetzen kann. Aktuell sprechen die Fakten eher gegen einen Kanzler Steinbrück und für eine große Koalition unter CDU-Führung : In den Sonntagsfragen gibt es keine Mehrheit für ein rot-grünes Bündnis. Merkel hat hohe Popularitätswerte, ihre Europapolitik wird von einer Mehrheit der Deutschen unterstützt. Da sind viele Wähler sehr nachsichtig gegenüber nervenaufreibenden innenpolitischen Streitigkeiten wie etwa beim Betreuungsgeld .

Parteienforscher wie Vertreter von Umfrageinstituten sind sich daher einig: Um die Union zu besiegen, muss die SPD auf eine Zuspitzung der Finanz- und Wirtschaftskrise hoffen: Noch mehr Euro-Staaten in Turbulenzen, noch mehr Armut in Südeuropa, weniger Aufträge für deutsche Firmen, Massenentlassungen, weniger Sozialleistungen, keine Gewähr mehr für Leistungen aus den Lebensversicherungen. Nur wenn die Bürger "am eigenen Geldbeutel" merkten, dass es schlecht laufe, würde eine politische Wechselstimmung entstehen, sagt etwa Parteienforscher Peter Lösche, selbst langjähriges SPD-Parteimitglied, ZEIT ONLINE: "Wenn sich auf internationaler, europäischer oder auf nationaler Ebene nicht etwas Gravierendes ereignet, kann Steinbrück Merkel nicht schlagen." Ähnlich sieht das Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Umfrageinstituts TNS-Emnid: "Eine kleinere konjunkturelle Krise in Deutschland würde sogar der Union nutzen, weil die Bürger sie als wirtschaftlich kompetenter erachten. Es bräuchte schon einen dramatischen Einbruch."

Banken-Bashing als Wahlkampf-Thema

Ein Profilierungsthema, das in den Bereich der Euro-Krisenbewältigung fällt, konnte Steinbrück immerhin schon mal besetzen: Sein Konzept zur Zügelung der Finanzmärkte und stärkeren Regulierung der Banken hat viel Beachtung gefunden. "Das Bank-Bashing dürfte zentrales Thema im Wahlkampf der SPD werden", sagt Parteienforscher Lösche, "das emotionalisiert und mobilisiert die Anhänger von Rot-Grün." Steinbrück habe hier außerdem geschickt ein Versöhnungszeichen an die Parteilinke gesendet und gleichzeitig seine Kompetenz in Finanzfragen unterstrichen. Wenn sich die Euro-Krise noch zuspitze, könnte das Konzept umso mehr greifen, findet auch der Berliner Politikwissenschaftler Gero Neugebauer. Dann würden sich die Wähler nämlich auch vermehrt die Frage stellen, warum die Kanzlerin in ihrer Regierungszeit so wenig gegen Finanzabzocke unternommen habe.