Griechenland-Rettung Steinbrück wirft Merkel Mobbing vor
Schlagabtausch im Bundestag: Merkel-Herausforderer Steinbrück hält der Kanzlerin eine Kehrtwende in der Griechenland-Politik vor.
© Oliver Lang/dapd

Peer Steinbrück (Archivbild)
Bei seinem ersten Auftritt als Kanzlerkandidat der SPD im Bundestag hat Peer Steinbrück Amtsinhaberin Angela Merkel vorgeworfen, das Ansehen des Landes bei den Nachbarn beschädigt zu haben. "Selten war Deutschland in Europa so isoliert wie heute", sagte er als erster Redner nach der Regierungserklärung der Kanzlerin. Über Monate habe Merkel das "Mobbing" diverser Koalitionspolitiker gegen Griechenland zugelassen. "Sie haben nicht eingegriffen. Sie haben laviert." Weder Helmut Kohl noch ein anderer Vorgänger hätten es zugelassen, einen EU-Partner für derart "innenpolitische Händel" zu missbrauchen. Deshalb gebe es in Europa jetzt viel "zerschlagenes Porzellan".
In den vergangenen Monaten hatte Merkel dann offensiv für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone geworben. Steinbrück warf ihr vor, dies nicht früher genug getan zu haben. "Wo war ihr zweites Fukushima?", fragte er rhetorisch.
Die Kanzlerin hatte die Regierungserklärung zum EU-Gipfel abgegeben, der am Nachmittag in Brüssel beginnt. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder stehen Pläne der EU-Spitze um Ratspräsident Herman Van Rompuy zum grundlegenden Umbau der Wirtschafts- und Währungsunion im Mittelpunkt. Diskussionsthema werden die Reformen in Griechenland sein. Außerdem ein Vorschlag Deutschlands und Frankreichs, für die nächste EU-Hilfstranche von 31 Milliarden Euro ein Sperrkonto einzurichten, um das Geld abzusichern.
Erneute Unterstützungnötig
Steinbrücks Auftritt, für den ihm die SPD-Fraktion ihre gesamte Redezeit gab, hatte wahlkämpferische Töne. Er warf Merkel auch vor, immer nur mit langer Verzögerung auf die Entwicklungen in Europa zu reagieren. "Sie sind nicht originell", rief er der Regierungschefin zu, "Sie hinken hinterher." Mehrere Vorschläge, die Merkel in ihrer Rede angesprochen habe, hätten die Sozialdemokraten schon vor zwei Jahren vorgelegt.
Er sei überzeugt, dass das finanziell und wirtschaftlich angeschlagene Griechenland erneut Unterstützung brauchen und – auch von Deutschland – bekommen werde. Dies wisse die Bundesregierung genau, Merkel wolle es aber nicht aussprechen. Er hielt der Kanzlerin vor, der deutschen Bevölkerung die Bedeutung des Projektes Europa nicht ausreichend zu erklären. "Diese Rede und diese Beschreibung hätten sie schon vor zwei Jahren geben müssen."
Ein Jahr vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 war dies das erste Rededuell zwischen Kanzlerin und ihrem Herausforderer.
"Wo ist ihr Plan?"
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle warf Steinbrück vor, selbst keine Vorschläge gemacht zu haben. "Steinbrück weiß es besser, aber immer erst hinterher", sagte Brüderle. Der SPD-Politiker habe seine Haltung in der Euro-Krise wiederholt gewechselt.
"Wo ist ihr Plan für Deutschland, für Europa?", fragte Brüderle. Die SPD wolle 30 Milliarden Euro an Steuererhöhung durchsetzen. So führe sie Deutschland in die Rezession.
Die Grünen forderten Merkel auf, die Karten auf den Tisch zu legen. "Sagen Sie doch die ganze Wahrheit", forderte Fraktionschefin Renate Künast. Das von Berlin vorgeschlagene Sperrkonto für die Griechenland-Hilfe, auf das die nächste Tranche der Griechenlandhilfen ohne Zugriff der Athener Regierung fließen soll, nannte Künast eine krude Idee. Die Bundesregierung traue sich nicht zu sagen, es gebe ein drittes Rettungsprogramm für das überschuldete Land.
Wer klatschte wann und für wen?
Linksfraktionschef Gregor Gysi sagte, Griechenland brauche einen Stopp der bisherigen Kürzungspolitik und Investitionen. "Dann, und nur dann kriegen wir auch unser Geld zurück", sagte er.
Koalitionsabgeordnete monierten während der Debatte, dass die Grünen bei Steinbrücks Rede nicht klatschten. "Erstaunlich, dass es durchgehend keinen Applaus der Grünen während Steinbrücks Rede gibt", sagte der CDU-Verkehrs- und Netzpolitiker Thomas Jarzombek. Ähnlich kam es von dem Liberalen Oliver Luksic.
Steinbrück heute Gehalt-los - wenig Inhalt, aber immerhin auch kein Honorar.
— Hermann Gröhe (@groehe) Oktober 18, 2012
"Wo er nur von seinen Sozialdemokraten spricht, brauchen wir doch nicht klatschen", verteidigte sich die Grünen-Abgeordnete Priska Hinz – wohl, um eine den Eindruck allzu großer Nähe zur SPD zu vermeiden. Sie schilderte zugleich eigene Beobachtungen bei den Liberalen: "Warum klatscht die FDP so selten bei Bundeskanzlerin Merkel?", fragte sie – und vermutete zugleich die Gründe: etwa Merkels Sympathie für gemeinsame Kreditaufnahme von Euro-Staaten, die die FDP ablehnt. Oder die Haltung der Kanzlerin in der Rekapitalisierung geschwächter Banken oder bei den angedachten Eingriffen der EU-Ebene in das Haushaltsrecht.
Wie viele Abgeordnete der Koalition mokierte sich auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe über Steinbrücks Auftritt, indem er auf die Diskussion über dessen Nebeneinkünfte anspielte: "Steinbrück heute Gehalt-los – wenig Inhalt, aber immerhin auch kein Honorar."
- Datum 18.10.2012 - 12:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dapd, dpa, Reuters, AFP, tst
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...sagte der große "sozialdemokrat" vor Monaten im Spiegel.
Die Kanzlerin hätte die große Beutung der EU nicht erklärt, hält er ihre vor? Was, außer Zahlen für dieses Europa hat er denn überzeugen "erklärt" ohne einen Cent dafür zu nehmen?
Ich bin beileibe keine Anhängerin der Kanzlerin, aber dieser Schaumschläger ist das Letzte, was Deutschland braucht.
"...dieser Schaumschläger ist das Letzte, was Deutschland braucht."
Großmäulig hinterher alles Vergessen machen wollen, was er selbst angerichtet hat und auf das Kurzzeitgedächtnis des Wahlvolkes hoffen:
Nur zur Erinnerung:
Insbesondere Peer Steinbrücks bestimmenden SPD-Einfluss ist es zu verdanken,dass 2005 in der Großen Koalition weitere Deregulierungen zu Gunsten der Finanzwirtschaft vereinbart wurden. Die Finanzkrise und deren Auswirkungen unterschätzte er viel zu lange und stemmte sich gegen die Konjunkturprogramme der Bundesregierung, die der Abmilderung der Finanzkrise gedient hätten.
Die HRE wurde in Steinbrücks Amtszeit verstaatlicht. Er ist dafür politisch verantwortlich, wie schlecht das gemanagt wurde. Unter seiner Führung wurden die dafür zuständigen Leute in ihre hoch dotierten Positionen gehievt.
Seiner politischen Verantwortung als Ministerpräsident in NRW ist es zu verdanken,dass die WEST-LB an die Wand gefahren wurde, weil er nicht imstande war, seine Funktion als verantwortlicher Vorstand wahrzunehmen.
In einer Beckmann-Sendung ließ der ehem. Finanzminister und hochgeschriebene Finanzexperte erkennen, über keinerlei Fachwissen hinsichtlich "Hedgefonds" zu verfügen, während er sich jedoch zeitgleich markig auf internationaler Bühne für eine Regulierung derselben stark machte.
Und dieselben Polit-Scheiterer - ohne ökonomischen Sachverstand, die bestenfalls selbst nur auf Sicht fahren - sollen wiederum die Führungsmacht übernehmen?
"...dieser Schaumschläger ist das Letzte, was Deutschland braucht."
Großmäulig hinterher alles Vergessen machen wollen, was er selbst angerichtet hat und auf das Kurzzeitgedächtnis des Wahlvolkes hoffen:
Nur zur Erinnerung:
Insbesondere Peer Steinbrücks bestimmenden SPD-Einfluss ist es zu verdanken,dass 2005 in der Großen Koalition weitere Deregulierungen zu Gunsten der Finanzwirtschaft vereinbart wurden. Die Finanzkrise und deren Auswirkungen unterschätzte er viel zu lange und stemmte sich gegen die Konjunkturprogramme der Bundesregierung, die der Abmilderung der Finanzkrise gedient hätten.
Die HRE wurde in Steinbrücks Amtszeit verstaatlicht. Er ist dafür politisch verantwortlich, wie schlecht das gemanagt wurde. Unter seiner Führung wurden die dafür zuständigen Leute in ihre hoch dotierten Positionen gehievt.
Seiner politischen Verantwortung als Ministerpräsident in NRW ist es zu verdanken,dass die WEST-LB an die Wand gefahren wurde, weil er nicht imstande war, seine Funktion als verantwortlicher Vorstand wahrzunehmen.
In einer Beckmann-Sendung ließ der ehem. Finanzminister und hochgeschriebene Finanzexperte erkennen, über keinerlei Fachwissen hinsichtlich "Hedgefonds" zu verfügen, während er sich jedoch zeitgleich markig auf internationaler Bühne für eine Regulierung derselben stark machte.
Und dieselben Polit-Scheiterer - ohne ökonomischen Sachverstand, die bestenfalls selbst nur auf Sicht fahren - sollen wiederum die Führungsmacht übernehmen?
Die Arroganz von Herrn Groehe ist unertraeglich. Die Scheinheiligkeit der Regierungsparteien wird ihnen hoffentlich noch auf die Fuesse fallen. Erst bzgl. der Nebeneinkuenfte von Steinbrueck ein Riesenfass aufmachen, um dann den Schwanz einzuziehen, wenn man merkt, dass man sich damit eigentlich selbst an den Pranger stellt. Aber Groehe toent schon wieder laut ueber Twitter...
Auf die Debatte zu den Nebeneinkuenften bin ich sehr gespannt.
also wenn die keine anderen Sorgen haben....
Das ist doch alles nur noch eine auf Äußerlichkeiten abgestellte Theateraufführung. Die (Sarg)Nägel mit Köpfen werden doch mittlerweile woanders gemacht.
wie es der CDU-Verkehrs- und Netzpolitiker Thomas Jarzombek, der FDPler Oliver Luksic oder Hermann Gröhe veranstalten, zeigt doch für jeden Menschen klar und offen, wie tief verunsichert die heutige Bundesregierung unter Angela Merkel mit CDU, CSU, FDP und in ihren tragenden Säulen getroffen sie durch die Ausführungen von Peer Steinbrück ist. - Weiter so, weiter so - auf diese Weise entschleiert sich auch der letzte Vorhang. -
Das Hin und Her von führenden Leuten der Bundesregierung bei der Finanzierung von Griechenland schadet dem Ansehen von Deutschland. Ich freue mich über die klaren Worte von Peer Steinbrück heute im Bundestag.
"Ich freue mich über die klaren Worte von Peer Steinbrück heute im Bundestag."
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Klare Worte sind klare Worte, auch wenn sie gelogen sind. Das muss man schon mögen
"Ich freue mich über die klaren Worte von Peer Steinbrück heute im Bundestag."
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Klare Worte sind klare Worte, auch wenn sie gelogen sind. Das muss man schon mögen
ist es von Steinbrück , der (gewiss nicht immer glücklich agierenden) Kanzlerin "Mobbing gegen Griechenland" vorzuwerfen.
Es ging bei den kritischen Tönen gegenüber Griechenland vielmehr darum, den dort dringend notwendigen Reformdruck aufrechtzuerhalten. Was ist eigentlich die Alternative des Herrn Steinbrück und seiner Sozialdemokraten? Möchte er die deutschen Milliarden ohne jegliche Gegenleistung bzw. verbindlicher "Committments" seitens der Transferempfänger einfach verschleudern?
Da hat er sicher die Rechnung ohne die traditionelle Klientel seiner Partei gemacht. Diese hat von solchen Aktionen nämlich schon längst die Nase voll. weil sie genau weiß, dass sie dafür zahlen wird.
.
Merkel hat meines Wissens niemals etwas gegen die hetzerischen Artikel der BILD ("Pleite-Griechen", "Ihr griecht nix von uns") und anderer deutscher Vulgärmedien gesagt. Natürlich kann die Bundeskanzlerin so etwas nicht verbieten, aber es wäre natürlich sehr wohl möglich gewesen, sich z.B. in der griechischen Presse für die gehässigen und höhnischen Worte mancher deutscher Blätter, die nun einmal in Griechenland sehr gut registriert wurden, zu entschuldigen, oder sich wenigstens klar davon zu distanzieren. Aber natürlich will man es sich nicht mit der Springerpresse (und der persönlichen Freundin Friede Springer?) verscherzen und läßt die BILD weiter Volk gegen Volk hetzen. Tatsache ist nun einmal, daß Deutschlands Ansehen in vielen Staaten enormen Schaden erlitten hat, und Merkel dagegen nicht das geringste bißchen getan hat.
ist übrigens Nebel- und Neusprech vom feinsten. Das als Euphemismus zu bezeichnen, wäre selber einer.
Das mit dem Reformdruck ist der größte Schwachsinn, der immer wieder geträllert wird. In Deutschland tut man schon so, dass unsere Nachbarn nichts tun würden, wenn Deutschland nicht die Peitsche schwingt. Wie arrogant ist das denn bitte? Es geht den anderen Ländern darum eine Pleite zu verhindern, das ist Druck genug. Außerdem haben die von Merkel verordneten Sparanstrengungen uns alle nur in eine Rezession geführt. Warum kapieren die Leute nicht, dass sparen in einer Rezession Wirtschaftspolitischer Selbstmord ist. Was Europa braucht ist ein Wachstumspakt, aber da stellt sich ja Merkel immer wieder dagegen und zieht uns alle rein in den nicht endenden Schlamassel.
Merkel hat meines Wissens niemals etwas gegen die hetzerischen Artikel der BILD ("Pleite-Griechen", "Ihr griecht nix von uns") und anderer deutscher Vulgärmedien gesagt. Natürlich kann die Bundeskanzlerin so etwas nicht verbieten, aber es wäre natürlich sehr wohl möglich gewesen, sich z.B. in der griechischen Presse für die gehässigen und höhnischen Worte mancher deutscher Blätter, die nun einmal in Griechenland sehr gut registriert wurden, zu entschuldigen, oder sich wenigstens klar davon zu distanzieren. Aber natürlich will man es sich nicht mit der Springerpresse (und der persönlichen Freundin Friede Springer?) verscherzen und läßt die BILD weiter Volk gegen Volk hetzen. Tatsache ist nun einmal, daß Deutschlands Ansehen in vielen Staaten enormen Schaden erlitten hat, und Merkel dagegen nicht das geringste bißchen getan hat.
ist übrigens Nebel- und Neusprech vom feinsten. Das als Euphemismus zu bezeichnen, wäre selber einer.
Das mit dem Reformdruck ist der größte Schwachsinn, der immer wieder geträllert wird. In Deutschland tut man schon so, dass unsere Nachbarn nichts tun würden, wenn Deutschland nicht die Peitsche schwingt. Wie arrogant ist das denn bitte? Es geht den anderen Ländern darum eine Pleite zu verhindern, das ist Druck genug. Außerdem haben die von Merkel verordneten Sparanstrengungen uns alle nur in eine Rezession geführt. Warum kapieren die Leute nicht, dass sparen in einer Rezession Wirtschaftspolitischer Selbstmord ist. Was Europa braucht ist ein Wachstumspakt, aber da stellt sich ja Merkel immer wieder dagegen und zieht uns alle rein in den nicht endenden Schlamassel.
>> Merkel-Herausforderer Steinbrück hält der Kanzlerin eine Kehrtwende in der Griechenland-Politik vor. <<
... nur *eine* Kehrtwende?
Da muss Herr Steinbrück sich verzählt haben, denn das waren schon einige.
"Erstaunlich, dass es durchgehend keinen Applaus der Grünen während Steinbrücks Rede gibt", sagte der CDU-Verkehrs- und Netzpolitiker Thomas Jarzombek."
Das ist wohl die wichtigste Frage für diese angeblichen Volksvertreter. Sie verlieren sich in parteitaktischen Spielchen und merken gar nicht, wie weit sie sich vom Volk entfernt haben und sich von diesem kein bisschen mehr vertreten fühlen.
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