Kanzlerkandidat Steinbrück wurde in drei Jahren zum Vortragsmillionär

Mehr als 80 Vorträge haben dem Ex-Finanzminister die Kasse gefüllt. Doch die SPD nennt Kritiker "verlogen" und nimmt Nebenverdienste von FDP-General Döring ins Visier.

Peer Steinbrück auf dem Buchcover einer Biografie von Daniel Friedrich Sturm

Peer Steinbrück auf dem Buchcover einer Biografie von Daniel Friedrich Sturm

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat offenbar in den vergangenen drei Jahren für mehrere Vorträge im Auftrag der Finanzindustrie jeweils fünfstellige Honorare erhalten. In mindestens zwei Fällen habe das Nettohonorar sogar bei 20.000 Euro oder darüber gelegen, berichtete die Welt am Sonntag. Bei weiteren vier Engagements habe das Honorar zwischen 10.000 und 15.000 Euro betragen. Anhand der ihm bekannten Honorarsummen kommt das Blatt zu dem Schluss, dass Steinbrück für Vorträge und Auftritte seit Herbst 2009 über eine Million Euro erhalten habe.

Steinbrück will alle Informationen zu seinen Honoraren offenlegen – "so schnell und umfassend wie möglich". Fest steht, dass er in der laufenden Legislaturperiode mehr als 80 Vorträge hielt, für die er Honorare der höchsten Stufe (mehr als 7.000 Euro) beim Deutschen Bundestag gemeldet hat. Innerhalb von drei Wochen will Steinbrück die Auftraggeber, den Ort und das Thema jedes einzelnen Vortrags bekannt geben – und eine Durchschnittssumme seiner Honorare veröffentlichen.

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"Angaben zu jedem einzelnen Honorar werde ich nicht machen, da hierzu jeder einzelne Vertragspartner eigens um Erlaubnis gebeten werden müsste", schrieb Steinbrück in einer Mitteilung auf der Homepage der SPD. Er werde sich dafür einsetzen, die Transparenzregeln des Deutschen Bundestags so zu verschärfen, "dass alle Abgeordneten bis auf den letzten Cent angeben müssen, von wem und wofür sie in welcher Höhe für eine Nebentätigkeit bezahlt worden sind". Die Angriffe aus den Reihen von CDU/CSU und FDP auf seine Glaubwürdigkeit seien "haltlos, heuchlerisch und scheinheilig".

Der Spiegel berichtet, in der Ministerzeit von Steinbrück habe die Lobbyorganisation Initiative Finanzstandort Deutschland 2007 das Konzept für die halbstaatliche Beratungsfirma ÖPP Deutschland AG erarbeitet, für die die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer ein Rechtsgutachten geliefert habe. Nach seinem Ausscheiden als Finanzminister sei Steinbrück bei der Kanzlei und beteiligten Finanzinstituten als Redner aufgetreten – vergütet mit jeweils mindestens 7.000 Euro. Zudem soll der SPD-Politiker 2010 bei der Automatenwirtschaft, die Lobbyarbeit für Spielkasinos betreibe, aufgetreten sein.

Die SPD versuchte, in die Gegenoffensive zu gehen: Generalsekretärin Andrea Nahles forderte ihren FDP-Kollegen Patrick Döring auf, seine eigenen Nebenverdienste offenzulegen, und nannte die Kritik der Liberalen an Steinbrück "verlogen". Döring hat dem Bundestag mehrere Posten in verschiedenen Unternehmen und ehrenamtliche Tätigkeiten angezeigt.

Geld von der Tierkrankenversicherung

Dazu gehört etwa die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG, für die Döring eine jährliche Entlohnung der sogenannten Stufe 3 – also mehr als 7.000 Euro – erhält. Den genauen Betrag muss er nach dem gültigen Reglement nicht angeben. Zudem ist der Liberale Mitglied des Vorstandes der Agila Haustierkrankenversicherung AG. Die Firma überweist ihm monatlich einen Lohn der Stufe 2. Dieses Entgelt liegt zwischen 3.500 Euro und 7.500 Euro.

"Schwarz-Gelb ist eine verlogene Bande", sagte der SPD-Politiker Johannes Kahrs der Welt am Sonntag. Union und FDP hätten sich in der Vergangenheit gegen jede Form von Transparenz bei den Nebenjobs von Abgeordneten gesträubt. Ihre Angriffe auf Steinbrück seien daher absurd.

Die SPD kann trotz der Beantwortung der "K-Frage" in der Wählergunst nur leicht zulegen. Im aktuellen Sonntagstrend des Instituts Emnid gewinnen die Sozialdemokraten mit ihrem Kanzlerkandidaten Steinbrück einen Punkt hinzu und kommen nun auf 28 Prozent. Die Grünen verlieren einen Punkt und kommen nur noch auf 12 Prozent. Unverändert bleiben die Union (37 Prozent), FDP (5 Prozent), Linke (8 Prozent) und Piratenpartei (6 Prozent). Damit hat Rot-Grün gegenüber Schwarz-Gelb einen Rückstand von zwei Prozentpunkten.

 
Leser-Kommentare
  1. Den beiden sollte man sowieso den verbalen Gebrauch der deutschen Sprache generell verbieten. Was da in den letzten Wochen und Monaten raus kam ist einfach nur unterirdisch...

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    >> Döring und Dobrindt
    Den beiden sollte man sowieso den verbalen Gebrauch der deutschen Sprache generell verbieten. Was da in den letzten Wochen und Monaten raus kam ist einfach nur unterirdisch...<<

    Ach, wenn das doch ginge *Seufzer*
    Da könnte man einen Undemokraten wie Pofalla und die beiden Kauders gleich noch mit dazunehmen.

    Aber das ist typisch deutsche Politik: die schwarz-geld...pardon, schwarz-gelbe Regierung hackt jetzt auf dem designierten Vizekanzler rum, weil er sich definitiv korrekt an Regeln gehalten hat, deren Verschärfung gerade diese lausige Mehrheitsbeschaffungspartei, deren Namen ich hier nicht nenne, in den letzten zwei Jahren erfolgreich verhindert hat.
    So sind sie halt, die doppelmoraligen Politschranzen aller Coleur: Sonntagmorgen in die Kirche und Sonntag mittags besoffen im Puff.

    Fakt ist, Steinrück hat keine Regeln gebrochen, nichtmal gebeugt. Fakt ist aber auch, das diese Regeln völlig unzureichend sind.

    In meinem persönlichen Staat bekäme ein Abgeordneter dreimal soviel Kohle wie heute. Aber dafür müßte er eben diese auch komplett versteuern und dürfte genau keiner(!) bezahlten Nebentätigkeit nachgehen, es ei denn als Freiberufler. Und dann hätte er eben diese Einnahmen erstens komplett zu veröffentlichen, in Brutto und Netto, und sie würden auf seine Mandatsbezüge angerechnet, basta.

    Politiker sollten Politik machen und sich nicht von der Wirtschaft wie die Marionetten ständig vorführen lassen.

    das Klima im Land "versauen" und für immer größere Politikverdrossenheit sorgen. Und diese Leute sind es dann auch , die über dieses Ergebnis öffentlich Bedauern heucheln. Die demokratischen Mechanismen sollten solche Demokratieheuchler verhindern! Wie will Politik sonst je wieder glaubwürdig werden ?

    >> Döring und Dobrindt
    Den beiden sollte man sowieso den verbalen Gebrauch der deutschen Sprache generell verbieten. Was da in den letzten Wochen und Monaten raus kam ist einfach nur unterirdisch...<<

    Ach, wenn das doch ginge *Seufzer*
    Da könnte man einen Undemokraten wie Pofalla und die beiden Kauders gleich noch mit dazunehmen.

    Aber das ist typisch deutsche Politik: die schwarz-geld...pardon, schwarz-gelbe Regierung hackt jetzt auf dem designierten Vizekanzler rum, weil er sich definitiv korrekt an Regeln gehalten hat, deren Verschärfung gerade diese lausige Mehrheitsbeschaffungspartei, deren Namen ich hier nicht nenne, in den letzten zwei Jahren erfolgreich verhindert hat.
    So sind sie halt, die doppelmoraligen Politschranzen aller Coleur: Sonntagmorgen in die Kirche und Sonntag mittags besoffen im Puff.

    Fakt ist, Steinrück hat keine Regeln gebrochen, nichtmal gebeugt. Fakt ist aber auch, das diese Regeln völlig unzureichend sind.

    In meinem persönlichen Staat bekäme ein Abgeordneter dreimal soviel Kohle wie heute. Aber dafür müßte er eben diese auch komplett versteuern und dürfte genau keiner(!) bezahlten Nebentätigkeit nachgehen, es ei denn als Freiberufler. Und dann hätte er eben diese Einnahmen erstens komplett zu veröffentlichen, in Brutto und Netto, und sie würden auf seine Mandatsbezüge angerechnet, basta.

    Politiker sollten Politik machen und sich nicht von der Wirtschaft wie die Marionetten ständig vorführen lassen.

    das Klima im Land "versauen" und für immer größere Politikverdrossenheit sorgen. Und diese Leute sind es dann auch , die über dieses Ergebnis öffentlich Bedauern heucheln. Die demokratischen Mechanismen sollten solche Demokratieheuchler verhindern! Wie will Politik sonst je wieder glaubwürdig werden ?

    • S0T86
    • 07.10.2012 um 14:04 Uhr

    Steinbrück hat als einfacher Abgeordneter Vorträge vor Finanzvorständen gehalten. Merkel hat als Bundeskanzlerin den Geburtstag vom größten deutschen Bankmanager im Bundeskanzleramt gefeiert. Trotzdem wird Merkel als integer eingeschätzt. Was läuft da schief? Die Perzeption meiner Mitbürger verwundert mich.

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    Die Antwort ist einfach: Merkel hat dafür kein Honorar erhalten.

    ... er hat die Vorträge nicht "als einfacher Abgeordneter" - also in Ausfüllung dieser Funktion - gehalten, sondern NEBEN seinem BT-Mandat, also privat, aber gegen Kohle, während Merkels Feier eine amtliche Veranstaltung war.

    Das wäre ungefähr so, wie wenn Merkel das Bundeskanzleramt für Privatparties à la Wulff missbraucht, bei die die Gäste Parteispenden leisten - ähnlich wie bei Obama in den USA (Dinner mit dem Präsidenten). Da müsste sie gehen - deshalb wird Steinbrück nicht kommen, einen Berufsredner als Kanzler braucht niemand ...

    Die Antwort ist einfach: Merkel hat dafür kein Honorar erhalten.

    ... er hat die Vorträge nicht "als einfacher Abgeordneter" - also in Ausfüllung dieser Funktion - gehalten, sondern NEBEN seinem BT-Mandat, also privat, aber gegen Kohle, während Merkels Feier eine amtliche Veranstaltung war.

    Das wäre ungefähr so, wie wenn Merkel das Bundeskanzleramt für Privatparties à la Wulff missbraucht, bei die die Gäste Parteispenden leisten - ähnlich wie bei Obama in den USA (Dinner mit dem Präsidenten). Da müsste sie gehen - deshalb wird Steinbrück nicht kommen, einen Berufsredner als Kanzler braucht niemand ...

  2. der Partei der "sozialen" Gerechtigkeit Deutschlands vor!

    Nah bei den Leuten und kleinen Arbeiter!

    Das ihn seine Tätigkeit als Bundestagsabgeordenter der Region Mettmann (Südkreis) nicht ausgelastet hat und er ein paar Reden zu Jahresgehältern (20.000 € und mehr) hält ist ja nur eine kleine Neiddebatte laut SPD.

    Wollte Steinbrück wirklich Kanzler werden oder wurde er von einigen Organisationen gedrängt (Atlantic Brücke, Bilderberger etc.)?

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    "Wollte Steinbrück wirklich Kanzler werden oder wurde er von einigen Organisationen gedrängt (Atlantic Brücke, Bilderberger etc.)?"

    Ich kann's nicht mehr lesen, geschweige denn hören. Warum hinterfragen Sie nicht einmal Ihre eigene Meinung? Wer etwas bewirken will, muss vor Schafen gleichermaßen wie vor Wölfen sprechen lernen. Und Steinbrück hatte immer auch ermahnende Worte für die Wölfe. Was glauben Sie denn, warum so schnell auf ihn eingehackt wird? Daran erkennen Sie, dass er nicht nur Freunde haben kann. Und daran wiederum erkennen Sie vielleicht den Hauch von Integrität und Redlichkeit in seinem Handeln.

    http://www.heise.de/tp/ar...

    Noch ist Peer Steinbrück, der frischgebackene SPD-Kanzlerkandidat, nicht im Zentrum der offiziellen Macht angekommen. Vor seinem Einzug ins Bundeskanzleramt stehen bekanntlich die Wahlen im kommenden Jahr. Die Initiation in die Reihen der diskreten Weltenlenker, den Souffleuren und Strippenziehern der inoffiziellen Macht hat der gebürtige Hamburger aber längst hinter sich gebracht. Peer Steinbrück, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, war Teilnehmer der verschwiegenen Runde der Bilderberger, die 2011 für drei Tage fernab der Öffentlichkeit im beschaulichen St. Moritz zusammenkam.

    "Wollte Steinbrück wirklich Kanzler werden oder wurde er von einigen Organisationen gedrängt (Atlantic Brücke, Bilderberger etc.)?"

    Ich kann's nicht mehr lesen, geschweige denn hören. Warum hinterfragen Sie nicht einmal Ihre eigene Meinung? Wer etwas bewirken will, muss vor Schafen gleichermaßen wie vor Wölfen sprechen lernen. Und Steinbrück hatte immer auch ermahnende Worte für die Wölfe. Was glauben Sie denn, warum so schnell auf ihn eingehackt wird? Daran erkennen Sie, dass er nicht nur Freunde haben kann. Und daran wiederum erkennen Sie vielleicht den Hauch von Integrität und Redlichkeit in seinem Handeln.

    http://www.heise.de/tp/ar...

    Noch ist Peer Steinbrück, der frischgebackene SPD-Kanzlerkandidat, nicht im Zentrum der offiziellen Macht angekommen. Vor seinem Einzug ins Bundeskanzleramt stehen bekanntlich die Wahlen im kommenden Jahr. Die Initiation in die Reihen der diskreten Weltenlenker, den Souffleuren und Strippenziehern der inoffiziellen Macht hat der gebürtige Hamburger aber längst hinter sich gebracht. Peer Steinbrück, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, war Teilnehmer der verschwiegenen Runde der Bilderberger, die 2011 für drei Tage fernab der Öffentlichkeit im beschaulichen St. Moritz zusammenkam.

  3. ... um Himmels willen nie erfahren dürfen, wo Ihr "dazuverdient".

    10 Leser-Empfehlungen
  4. Die ehemaligen SPD Wähler wird Steinbrück nicht zurückholen. Dazu wirkt er zu kalt und zu glatt. Er strahlt eine gewisse Intellektuelle Überheblichkeit aus, welche die Menschen verschreckt. Dazu wirken seine Aussagen zur Bändigung der Finanzmärkte unglaubwürdig. Die alten SPD-Recken in meinem Bekanntenkreis sehen in Steinbrück ein Geschöpf der Finanzwelt, und nicht etwa deren Bändiger.

    Die arrogante Art, mit welcher er sich Kritik an seinen Nebeneinkünften verbat und diese kritisierte erinnert an einen König, der Majestätsbeleidigung reklamiert. Auch hier hat er keine Pluspunkte gesammelt.

    24 Leser-Empfehlungen
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    Steinbrück ist aus den Reihen der Regierungsparteien indirekt als Heuchler und Betrüger bezeichnet worden.

    Und er ist so laut polternd in diese Falle getappt, dass er sich nicht mehr daraus befreien kann, ohne "Butter zu den Fischen zu tun".

    Er wird dem arbeitenden Volk erklären müssen, warum er zehntausende Euro für einen Vortrag nimmt, während er Zeitarbeit, Lohnaufstockerei, Reallohnverluste, Netto-Rentensenkungen, Bildungsungleichkheit usw. usf. für die Normalbürger mit durchgesetzt hat und befürwortet.

    Da kommt einiges zusammen, wozu er sich äußern muss. Ich bin auch gespannt, welche praktikablen Lösungen er anbietet, um wählbarer zu sein, als eine Regierung, die gar nicht erst höhere Ansprüche erklären muss, als weiter an der Macht bleiben zu wollen.

    Wenn Steinbrück die Glaubwürdigkeitskrise aufzulösen versucht, in der er nun aus vielen Gründen feststeckt, können wir alle nur gewinnen, weil die Bundespolitik ein kleines bischen ehrlicher wird.

    Sollte er das nicht versuchen, wäre es ein deutliches Zeichen dafür, dass die schlimmsten Befürchtungen darüber, was in der Berliner Parteien- und Lobby-Szene vor sich geht, nur ein Teilchen der Wahrheit sind.

    Kai Hamann

    Einfach mal in der Wikipedia ein bisschen über die Herkunft lesen: http://de.wikipedia.org/w...

    Steinbrück kommt aus großbürgerlichem Milieu. Seine berufliche Laufbahn fand überwiegend in der Politik statt. Und er lässt heute offenbar "gerne die Kasse klingeln", wenn er vor Wirtschaftsprüfern Vorträge halten darf. Offenbar gefällt ihm diese Rolle. Schimmert da auch Selbstverliebtheit durch? Etwas mehr "Basisarbeit" hätte dem Abgeordneten Steinbrück & Kanzlerkandidaten sicherlich aus Sicht vieler SPD-Mitglieder aus dem traditionellen Milieu nicht geschadet. Auch wenn Steinbrück nicht der "SPD-Stallgeruch" anhaftet ist er deswegen noch lange kein Neoliberaler.

    Steinbrück hat dennoch eine gute Chance. Er muss die Sorgen der Menschen ansprechen. Da muss er zulegen. Mit der Aura eines Finanzexperten wird er kaum die traditionellen sozialdemokratischen Themen transportieren können. Er sollte Themen aufgreifen wie bezahlbare Gesundheitsvorsorge, Behandlung, Kindererziehung, Chancengerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit & Weiterbildung, bezahlbare Altersvorsorge. Er muss dazu die richtige Formel vom "Fördern und Fordern" glaubwürdig machen, indem er auch von den Wohlhabenden & Reichen den Beitrag einzufordert, den der Sozialstaat verlangen muss, um seine Aufgaben für die Gesellschaft auch ohne Verschuldung erfüllen zu können.
    Und Steinbrück sollte eine Aussage zum Bundeswehreinsatz am Hindukusch machen. Friedenspolitik ist ein traditionelles sozialdemokratisches Aufgabengebiet. Der Status quo kann nicht befriedigen. Die Soldaten müssen nach Hause geholt werden.

    Steinbrück ist aus den Reihen der Regierungsparteien indirekt als Heuchler und Betrüger bezeichnet worden.

    Und er ist so laut polternd in diese Falle getappt, dass er sich nicht mehr daraus befreien kann, ohne "Butter zu den Fischen zu tun".

    Er wird dem arbeitenden Volk erklären müssen, warum er zehntausende Euro für einen Vortrag nimmt, während er Zeitarbeit, Lohnaufstockerei, Reallohnverluste, Netto-Rentensenkungen, Bildungsungleichkheit usw. usf. für die Normalbürger mit durchgesetzt hat und befürwortet.

    Da kommt einiges zusammen, wozu er sich äußern muss. Ich bin auch gespannt, welche praktikablen Lösungen er anbietet, um wählbarer zu sein, als eine Regierung, die gar nicht erst höhere Ansprüche erklären muss, als weiter an der Macht bleiben zu wollen.

    Wenn Steinbrück die Glaubwürdigkeitskrise aufzulösen versucht, in der er nun aus vielen Gründen feststeckt, können wir alle nur gewinnen, weil die Bundespolitik ein kleines bischen ehrlicher wird.

    Sollte er das nicht versuchen, wäre es ein deutliches Zeichen dafür, dass die schlimmsten Befürchtungen darüber, was in der Berliner Parteien- und Lobby-Szene vor sich geht, nur ein Teilchen der Wahrheit sind.

    Kai Hamann

    Einfach mal in der Wikipedia ein bisschen über die Herkunft lesen: http://de.wikipedia.org/w...

    Steinbrück kommt aus großbürgerlichem Milieu. Seine berufliche Laufbahn fand überwiegend in der Politik statt. Und er lässt heute offenbar "gerne die Kasse klingeln", wenn er vor Wirtschaftsprüfern Vorträge halten darf. Offenbar gefällt ihm diese Rolle. Schimmert da auch Selbstverliebtheit durch? Etwas mehr "Basisarbeit" hätte dem Abgeordneten Steinbrück & Kanzlerkandidaten sicherlich aus Sicht vieler SPD-Mitglieder aus dem traditionellen Milieu nicht geschadet. Auch wenn Steinbrück nicht der "SPD-Stallgeruch" anhaftet ist er deswegen noch lange kein Neoliberaler.

    Steinbrück hat dennoch eine gute Chance. Er muss die Sorgen der Menschen ansprechen. Da muss er zulegen. Mit der Aura eines Finanzexperten wird er kaum die traditionellen sozialdemokratischen Themen transportieren können. Er sollte Themen aufgreifen wie bezahlbare Gesundheitsvorsorge, Behandlung, Kindererziehung, Chancengerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit & Weiterbildung, bezahlbare Altersvorsorge. Er muss dazu die richtige Formel vom "Fördern und Fordern" glaubwürdig machen, indem er auch von den Wohlhabenden & Reichen den Beitrag einzufordert, den der Sozialstaat verlangen muss, um seine Aufgaben für die Gesellschaft auch ohne Verschuldung erfüllen zu können.
    Und Steinbrück sollte eine Aussage zum Bundeswehreinsatz am Hindukusch machen. Friedenspolitik ist ein traditionelles sozialdemokratisches Aufgabengebiet. Der Status quo kann nicht befriedigen. Die Soldaten müssen nach Hause geholt werden.

  5. die politische Kaste schaufelt ihr eigenes Grab. Und die Banker werden lächelnd den Sarg tragen, denn sie werden alle überleben.

    14 Leser-Empfehlungen
    • rik04
    • 07.10.2012 um 14:11 Uhr

    ...was ist ein Vortrag Wert? Misst man diesen Wert am Inhalt, am Vortragenden, oder am Nutzen, welcher mittels des Referenten erhofft wird?
    Als Med. höherer Stellung erhalte ich für wirklich gut recherchierte wiss. Arbeiten nicht diese Summen.
    Also, genau genommen....
    von der Pharmaindustrie schon. Soll ich mich prostituieren?
    Unabhängigkeit würde ich dann nicht mehr in Anspruch nehmen nehmen können.
    Aber das ist bei einem Volksvertreter, bei den Volksvertreter eh egal..
    Schön, man kennt nun den Wert eines solchen...

    Denk ich an Deutschland..
    rik04

    18 Leser-Empfehlungen
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    • IQ130
    • 07.10.2012 um 15:11 Uhr

    Nicht nur mir stinkt es, wenn solche wertlosen Bespaßungsvorträge hoch bezahlt werden. Da geht es eher um die Vor-Finanzierung einer bereits absehbaren Entwicklung des MdB zum Kanzlerkandidaten. Politiker und Fachwissen????

    Vorträge mit echten Inhalten und langer Vorbereitung werden kaum mit über 1000 Euro honoriert. Wahrscheinlich ist kein Vortrag mehr wert.

    Präsentationen von wichtigen Forschungsergebnissen dürfen jedoch gerne höher bezahlt werden.

    Der Verkehrswert einer Ware ist das, was sie auf dem Markt erzielt. Und da ist es doch völlig klar, dass die schlauesten Schriftwerke (Stringtheorie oder Pseudoprimzahlen (wer hatte das Beispiel schon mal?)) nicht die höchsten Summen erzielen, weil es nur relativ wenige Nachfrager gibt.

    Es gibt aber relativ viele Nachfrager, die ihre Veranstaltung mit einem prominenten Namen schmücken wollen und wenn es ein vermutlich aufsteigender Stern ist, dann hat man ja auch noch seiner eigenen prognostischen Intelligenz geschmeichelt.

    Und Steinbrück? - Hat einen Markt bedient. Die gefragte Ware geliefert und die angebotenen Honorare eingestrichen. Erprobt und vielleicht erfreut zur Kenntnis genommen "was er (noch) wert ist". Wer ihm das zum Vorwurf machen will, ist entweder ein Heuchler oder am Verhungern.

    Und wer glaubt, dass bei Steinbrück deswegen der Klassenstandpunkt nicht mehr stimmt, möge sich zwei Erinnerungen vor Augen führen: Karl Marx' Frau Jenny ist zwar verarmt gestorben, ihr Mann pflegte aber zeitlebens ein Leben auf großem Fuße zu beanspruchen. Und der neureiche Franz Steinkühler hat früher für die Mitglieder der IG Metall genau so viel rausgeholt wie jetzt für die Kunden seiner Vermögensberatung.

    Was lässt noch Goethe Adam Smith sprechen? ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft. Das ist Kapitalismus. Ich empfehle die Lektüre des Dossiers.

    • IQ130
    • 07.10.2012 um 15:11 Uhr

    Nicht nur mir stinkt es, wenn solche wertlosen Bespaßungsvorträge hoch bezahlt werden. Da geht es eher um die Vor-Finanzierung einer bereits absehbaren Entwicklung des MdB zum Kanzlerkandidaten. Politiker und Fachwissen????

    Vorträge mit echten Inhalten und langer Vorbereitung werden kaum mit über 1000 Euro honoriert. Wahrscheinlich ist kein Vortrag mehr wert.

    Präsentationen von wichtigen Forschungsergebnissen dürfen jedoch gerne höher bezahlt werden.

    Der Verkehrswert einer Ware ist das, was sie auf dem Markt erzielt. Und da ist es doch völlig klar, dass die schlauesten Schriftwerke (Stringtheorie oder Pseudoprimzahlen (wer hatte das Beispiel schon mal?)) nicht die höchsten Summen erzielen, weil es nur relativ wenige Nachfrager gibt.

    Es gibt aber relativ viele Nachfrager, die ihre Veranstaltung mit einem prominenten Namen schmücken wollen und wenn es ein vermutlich aufsteigender Stern ist, dann hat man ja auch noch seiner eigenen prognostischen Intelligenz geschmeichelt.

    Und Steinbrück? - Hat einen Markt bedient. Die gefragte Ware geliefert und die angebotenen Honorare eingestrichen. Erprobt und vielleicht erfreut zur Kenntnis genommen "was er (noch) wert ist". Wer ihm das zum Vorwurf machen will, ist entweder ein Heuchler oder am Verhungern.

    Und wer glaubt, dass bei Steinbrück deswegen der Klassenstandpunkt nicht mehr stimmt, möge sich zwei Erinnerungen vor Augen führen: Karl Marx' Frau Jenny ist zwar verarmt gestorben, ihr Mann pflegte aber zeitlebens ein Leben auf großem Fuße zu beanspruchen. Und der neureiche Franz Steinkühler hat früher für die Mitglieder der IG Metall genau so viel rausgeholt wie jetzt für die Kunden seiner Vermögensberatung.

    Was lässt noch Goethe Adam Smith sprechen? ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft. Das ist Kapitalismus. Ich empfehle die Lektüre des Dossiers.

  6. Jetzt beharken sie sich beim Thema wer wo wie viele Vorträge gegen welches Honorar gegeben habe, weil sei meinen, wir im Publikum wären so blöd, angebliche Unterschiede mögen uns mehr oder weniger gewogen machen. Für wie blöd halten die uns eigentlich?

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    die halten uns für saublöd und es interessiert sie nicht!
    Gier ist Gier. Alle Argumente von Steinbrück oder der SPD zählen nicht. ER verdient das Geld weil er Finanzminister war und nicht Peer Steinbrück ist. Das ist der Fakt. Aber politiker sinde eben nicht integer. Was will uns, und ich erlaube mir es andieser Stelle so zu bezeichnen, son Fazke wie SPD-Schröder noch erzählen. Sozialisten-Politik tschüß und kapital willkommen. Auch hier liegt doch die Korruption klar auf der Hand, wenn auch erst im zweiten Schritt.

    die halten uns für saublöd und es interessiert sie nicht!
    Gier ist Gier. Alle Argumente von Steinbrück oder der SPD zählen nicht. ER verdient das Geld weil er Finanzminister war und nicht Peer Steinbrück ist. Das ist der Fakt. Aber politiker sinde eben nicht integer. Was will uns, und ich erlaube mir es andieser Stelle so zu bezeichnen, son Fazke wie SPD-Schröder noch erzählen. Sozialisten-Politik tschüß und kapital willkommen. Auch hier liegt doch die Korruption klar auf der Hand, wenn auch erst im zweiten Schritt.

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