Peer SteinbrückKandidat im Nahkampf

Folgt mir, oder lasst es sein: Peer Steinbrück nutzt seinen Solo-Auftritt bei Günther Jauch zur Selbstverteidigung. Politische Pläne bleiben außen vor. von 

Eine größere Bühne konnte Peer Steinbrück sich eigentlich nicht wünschen: Ein sonntäglicher Solo-Auftritt bei Günther Jauch in der ARD , den hätte der frisch ausgerufene Kanzlerkandidat der SPD nutzen wollen, um ein bisschen Charme-Offensive zu fahren, die eigenen Themen vorzustellen und schon mal die große Rivalin im Kanzleramt anzugreifen. Das wäre der normale Plan gewesen.

Politiker, die "auch mal daneben greifen"

Doch Steinbrücks Situation ist bereits in diesem frühen Stadium alles andere als einfach – Stichwort Nebenverdienste . Deswegen ist es eher eine Selbstverteidigungssendung geworden, bei der der Kandidat einen Kampfplatz nach dem anderen abarbeitete.

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Das begann schon mit der Antwort auf die erste Frage. Da erinnerte Moderator Jauch ihn an das Lob von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ("Er kann es"). "Ich bin nicht so schizophren, dass ich dieses Lob in Abrede stelle aus falscher Bescheidenheit", antwortete Steinbrück. Da war sie schon, die typische Rhetorik des Kandidaten: schneidig und selbstgewiss.

Der Kandidat verkauft die eigene Unkonventionalität als Stärke. Nachdem die Regie einige seiner provokantesten und schnoddrigsten Sprüche eingespielt hat, sagte Steinbrück: "Sie wollen doch eigentlich alle Politiker haben, die nicht völlig glatt sind, die auch mal daneben greifen." Ihr bekommt mich nur mit meinen Ecken und Kanten, soll das heißen.

Seine Antworten kamen schnell und knapp, es gab keine emotionalen Ausbrüche, keine langen Welterklärungsmonologe. Oft hatte Jauch die nächste Frage noch nicht einmal bereit, wenn Steinbrück fertig war. Dann stockte der Moderator kurz, haspelte, musste sich neu sortieren. Auch deshalb kam kein richtiges Gespräch zwischen den beiden auf, die Sendung glich eher einem Verhör.

"Absurd und dämlich" seien die Vorwürfe

Genauso war es auch beim Thema Nebenverdienste durch Vorträge, die Steinbrück in den vergangenen Jahren gehalten hat . "Ich habe mich an Recht und Gesetz gehalten und es nicht für möglich gehalten, dass daraus ein Misstrauen entsteht", sagte der Kandidat. Dann kündigte er erneut an, die durchschnittliche Höhe seiner Honorare offenzulegen. Als Steinbrück in einem Nebensatz sagte, er habe von allen Auftraggebern gleich viel Geld genommen, hakte Jauch das einzige Mal an diesem Abend nach: "Wenn sie von allen das gleiche Honorar bekommen haben, dann ist das ja das gleiche wie das durchschnittliche." "Es weicht manchmal nach unten und in ein oder zwei Fällen nach oben ab", ruderte Steinbrück zurück. Das ließ dann doch Fragen offen.

Wiederum erklärte der Kandidat, dass er zu strengeren Transparenz-Gesetzen bereit sei. Er griff die Regierungskoalition an, weil diese bisher solche Regelungen blockiert. "Absurd und dämlich" seien wiederum die Vorwürfe, er habe sich von der Bankenlobby kaufen lassen.

Das erste Mal Applaus bekam der designierte Kanzlerkandidat, als es um seine Vergangenheit als Finanzminister ging. Erst durch seinen scharfen Ton gegenüber der Schweiz sei man beim Steuerabkommen überhaupt vorangekommen, sagte er.

Leserkommentare
    • xNCx
    • 08. Oktober 2012 10:33 Uhr

    und seine wirtschaftspolitischen Einfälle demnächst in einer weiteren Jauch-Runde evtl. wieder mit Helmut Schmidt erläutern.

    Da werden ihm wenigstens nicht solche Dinger gedreht, wie bei Beckmann

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    erweitern, möchte ich noch folgenden Link hinzufügen:

    http://de.wikipedia.org/w...

    In diesem geht hervor, dass Herr Steinbrück über Abgeordnetenwatch.de absichtlich die Unwahrheit sagte. Natürlich könnte man sich auch unmittelbar an ihn wenden, aber würde er einem Bürger die Wahrheit sagen, wenn dadurch in Schwierigkeiten käme? Ich denke nicht. Bei seinem engen Terminplan dürfte man eh nur Textbausteine als Antwort erhalten. Von daher bin ich froh, dass es Abgeordnetenwatch.de gibt.
    Ich traue Steinbrück nicht über den Weg. Ich zweifle auch seine Kompetenz als Finanzfachmann an, da sein Versagen in der Finanzkrise im Allgemeinen und bei der IKB, HRE, etc. im Besondern offenkundig ist, wie einige Dokus zeigen. Die SPD hat sich mit Steinbrück blamiert und CDU/CSU (auch belastet durch ähnlich Vergehen) und die Linken können daraus Kapital schlagen. Mit ist vollkommen unverständlich wie der Bundesvorstand der SPD so einen Kandidaten einstimmig ernennen kann. Sie hätte doch wissen müssen, dass der Mann viel zu umstritten ist, als dass er die unterschiedlichen Flügel zusammenführen könnte. Ebenso umstritten ist er in der Bevölkerung. Die SPD hat bisher auch noch nicht realisiert, dass die Wahlen nicht mehr in der Mitte (durch die Mittelschicht) gewonnen werden kann, da diese immer dünner wird und viele bereits in die Unterschicht abgestiegen sind. Als Agenda 2010-Mann muss er deshalb logischerweise an Zustimmung verlieren. Er kann nicht gewinnen.

  1. Man glaubt es kaum. Gerade erst als Kandidat nominiert und ruck-zuck ist dieser eitle und selbstverliebte Fatzke schon wieder am Ende. Die SPD sollte die verbleibende Zeit nutzen, um schnellstmöglich einen Ersatzmann oder besser noch, eine Ersatzfrau zu finden. Mit ihren unsäglichen Rechtfertigungsversuchen reden sich gerade alle um Kopf und Kragen.

    „Es sind offenbar einige sehr nervös darüber geworden, dass ich Kanzlerkandidat der SPD geworden bin“, so seine für ihn typische – völlig an der Realität vorbeigehende – Analyse. Außer der SPD selber braucht wirklich keiner der politischen Gegner auch nur annähernd nervös zu werden. Dieser Kanzlerkandidat wird seine Vorlaufzeit nicht überleben, eigentlich ist er heute schon für dieses Amt gestorben.

    Was hat er bei bisherigen Wahlen geleistet? Er hat 2005 die NRW-Wahl gegen Rüttgers verloren. Das hat vor ihm noch keiner geschafft. Und sonst? Er und sein damaliger Staatssekretär Asmussen sind für die Deregulierung der Finanzmärkte in Deutschland verantwortlich. Aber keine Sorge, Peer Steinbrück ist diesbezüglich völlig schmerzfrei.

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    Er hat sich eben nicht an „Recht und Gesetz gehalten“.

    Steinbrück hat als Bundesfinanzminister das geltende Ordnungssystem (Eigentum verpflichtet) ausgehebelt. Mit der unbegründeten Behauptung der "Systemrelevanz" hat er diejenigen, die eine Anlageentscheidung bei der HRE-Bank getroffen haben, die Gewinnmitnahme ermöglicht, die zu tragenden Verluste jedoch der Allgemeinheit zugewiesen. Unbegründet war Steinbrücks Behauptung, weil er es verweigert hat, die Liste der HRE-Gläubiger zu veröffentlichen.

    Hierzulande ist dringend erforderlich, marktwirtschaftliche Verhältnisse wieder herzustellen, damit wieder Wettbewerb entscheidet, und nicht Politiker, in deren Richtung sagenhaft viel Geld seitens interessierter Partikulargruppen fließt, obendrein auch noch von der Allgemeinheit weit überdurchschnittlich bezahlt werden müssen.

    • bmovie
    • 08. Oktober 2012 13:53 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/ls

    Was lamentieren Sie da noch rum? Wählen Sie schwarzgelb und gut ist. Wenn Steinbrück eben diesen lächerlichen Arroganz-Vorwurf nicht wegkriegt, kriegt dafür Deutschland, was es verdient. Weitere 4 Jahre "alles gut so!". Dank Ihnen.

    Wenn es nicht mein eigenes Land wäre, würde ich es Deutschland nur wünschen. Wenn auch nicht dem unmittelbaren Ausland.

    • sf2000
    • 09. Oktober 2012 20:40 Uhr

    ... können Sie dieser Tage in der Asse bewundern, und natürlich bezahlen. ... moment, ich vergesse sieben Jahre, in denen ihre Frisur perfektioniert wurde, ich gebe zu, da wird Steinbrück nicht besonders gut mithalten können.

    • Chali
    • 08. Oktober 2012 10:35 Uhr

    *schmunzel*

    Das werden sie wohl auch noch länger tin.

    Da ist vielleicht etwas Lektüre angebracht?
    Aus der ZEIT?
    http://www.zeit.de/2003/4...

    "Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für jene zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum, die Leistung für sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die – und nur um sie – muss sich Politik kümmern."

    Da können ja viele schon mal nach Hause gehen;
    Für die wird kein Bus mehr kommen.

    • Nibbla
    • 08. Oktober 2012 10:43 Uhr

    ... aber der Teil mit, er haltet sich nur an die Gesetzte was Transparenz angeht (dann aber nach seinen Worten "lupenrein".) , wirkte so als wenn es gar keine Gesetzte gebe hätte er auch kein Problem mehr Geld zu kassieren. Und ich verstehe sein Bedenken zum gläsernen Bürger, aber der Parlamentarier ist gewählt und öffentlich.
    Momentan haben wir doch eher das Problem, dass die Lobbys zu großen Einfluss haben. (zb. KFZ Steuer, Lebensmittellobby).

    Dann doch lieber die Piraten? Sie beeinflussen wenigstens dann indirekt, aber dann wirds große Koalition. Mannmannmann...

    Ps. vlt bin ich zu jung, aber "lupenrein" kenn ich nur noch als Euphemismus für nette Fassade, Abgrund dahinter. Danke Schröder ^^

  2. Wenn der richtig MALOCHEN MÜSSTE, dann würde der auch nicht die Rente mit 67 befürworten.
    Ich empfinde das Verhalten von Herr Steinbrück und Konsorten beschämend. Diese Leute bekommen ein sehr gutes Salär, da sitzen sie in ihren teuren Anzügen, satt und selbstzufrieden und können den Hals immer noch nicht vollkriegen. Meine Güte, ich wünschte mir, es gäbe noch solche Sozialdemokraten wie Herbert Wehner, der würde denen ein paar passende Worte, seinen eigenen Leuten, im Bundestag um die Ohren hauen, und dazu noch ein paar Maulschellen. Die Menschen in der BRD haben sich an wirklich ALLES gewöhnt, und deswegen wird es noch schlimmer kommen. Anstand ist ein Fremdwort geworden. Das gilt sehr wohl auch für den sogenannten Kleinen Mann. Aber der Fisch stinkt vom Kopf.

  3. da muß schon mal mehr kommen als mit dem Rücken zur Wand angewandte Wehrhaftigkeit.

  4. und daher kann die SPD froh sein, wenn es über die 10% Grenze reicht.

    Die Schnarchnasentruppe zählt sich inzwischen selbst aus, die braucht keine politischen Gegner mehr - das macht die alles mit sich selbst aus.

  5. erklärt sich zwar selbst, wie das gehgen könnte, doch nicht anderen als ihm und seinen Konsorten.

    Das reicht nicht für Kanzler.

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