Kaum ist der SPD-Kanzlerkandidat nominiert, melden sich die Skeptiker zu Wort. Demoskopen, Wahl- und Parteienforscher sowie auch Sozialdemokraten erklären, dass Peer Steinbrück kaum Chancen hat , bei der Wahl 2013 gegen Kanzlerin Angela Merkel zu siegen. Tatsächlich sprechen einige Faktoren gegen einen Erfolg Steinbrücks, dazu gehören die aktuellen Umfragewerte, aber auch der innere Zustand der SPD und ihr zum Teil unklarer Kurs. Es gibt jedoch durchaus gute Argumente für einen möglichen Erfolg des Kanzlerkandidaten.

1. Der frühere Bundesfinanzminister hat hohe Kompetenzwerte auf den 2013 wohl wahlentscheidenden Feldern der Wirtschafts-, Finanz-, Euro- und Sozialpolitik. Er ist ein machtbewusster, eigenwilliger, erfahrener, hochintelligenter Politiker mit weit größerer rhetorischer Begabung als Merkel. Zwar vertritt Steinbrück in vielen Fragen kaum eine andere Linie als die Kanzlerin. Er besitzt jedoch eine starke Überzeugungskraft und kann den seiner Meinung nach jeweils richtigen Kurs wesentlich besser begründen. Und er wird sich von seiner Partei nicht von seinen Überzeugungen abbringen lassen, sondern sich seine Beinfreiheit selbst erkämpfen.

2. Eine Wechselstimmung in der Bevölkerung – wichtigste Voraussetzung für einen Erfolg jeder Opposition – gibt es bislang zwar noch nicht. Doch in einem Jahr kann viel passieren, die Euro-Krise könnte sich zuspitzen und als Finanzminister hat sich Steinbrück 2008 schon einmal als Merkel mindestens ebenbürtiger Krisenmanager erwiesen. Hinzu kommt: Schlechter als mit der schwarz-gelben Koalition kann es in der Innenpolitik nach Ansicht vieler Wähler kaum werden. Steinbrück steht für das Versprechen, mit dem schon Gerhard Schröder 1998 Kanzler wurde: dass nicht alles anders, aber vieles besser wird.

3. Nach der faktisch ganz großen Koalition von CSU bis Grüne in zentralen Fragen wie der Euro-Rettung tut sich mit Steinbrück eine Alternative zu Merkels Politik der "Alternativlosigkeit" auf. Der Kandidat vertritt in wichtigen Punkten andere Positionen, etwa bei der überfälligen Regulierung und Reform des Finanzsektors oder bei weiteren Hilfen für Griechenland . Dies trifft, zumindest was die Banken betrifft, die Stimmung der meisten Bürger und auch Forderungen des linken Flügels der SPD.

4. Steinbrück hat das Potenzial, als pragmatischer, wirtschaftsfreundlicher Sozialdemokrat, Stimmen im bürgerlichen Lager zu holen. Denn er genießt auch bei Wählern von Union und FDP Ansehen und Vertrauen seit seiner Amtszeit in der großen Koalition.

5. Durch die Nominierung Steinbrücks kommt Bewegung in den Vorwahlkampf. Das könnte sich schon bald in den Umfragen zeigen, in denen die Union bislang stabil vor der SPD liegt. Die Medien werden sich in den kommenden Wochen und Monaten auf den Zweikampf Steinbrück-Merkel konzentrieren. Aus Sicht mancher politischer Beobachter schneidet der Kandidat dabei schon jetzt mindestens genauso gut, wenn nicht besser ab als die Amtsinhaberin.