SPD-Kanzlerkandidatur Steinmeier verzichtete aus Rücksicht auf seine Frau

Familie statt Kanzler: Frank-Walter Steinmeier hat erklärt, warum er auf die Kandidatur verzichtet habe. Er sei nach der Nierentransplantation stärker gefordert.

Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat aus Rücksicht auf seine nierenkranke Frau auf die Kanzlerkandidatur seiner Partei verzichtet. "Die letzten zwei Jahre seit der Transplantation haben gezeigt: Auch wenn es überwiegend gut geht – es gibt ein paar Tage mehr im Jahr, an denen ich an der Familienfront gefordert bin", sagte Steinmeier der Bild am Sonntag. "Diese Freiheit wollte ich mir bewahren, deshalb war der Verzicht auf die Kandidatur die notwendige Konsequenz."

Sein schlechtes Ergebnis als SPD-Kanzlerkandidat bei der letzten Bundestagswahl habe mit der Entscheidung nichts zu tun. "Vielleicht hätte es das, wenn die letzten drei Jahre anders verlaufen wären. Aber ich hatte nach der Wahlniederlage die großartige Chance, aus dem Fraktionsvorsitz heraus mich wieder nach oben zu kämpfen, wieder Anerkennung zu erarbeiten und viel für die Neuaufstellung der SPD zu tun", sagte Steinmeier.

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Steinmeier hatte seiner Frau Elke Büdenbender vor zwei Jahren eine Niere gespendet. Er sei dankbar, dass seine Frau und er nach der Transplantation zu einem glücklichen Zusammenleben zurückgefunden haben. "Wir sind da gemeinsam durch einen langen Tunnel gegangen. Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel Stabilität in unserem Leben wieder hingekriegt und jetzt wieder eine gemeinsame Perspektive für hoffentlich viele Jahre haben. Das ist ein großes Geschenk, das ich auch so empfinde."

Deshalb habe er beschlossen, "nicht gleichzeitig politisch alles auszureizen". "Mir war klar, was ein Jahr Wahlkampf für mich und meine Familie bedeuten würde", sagte er weiter.

"Es gibt weder Verabredungen, noch stelle ich Ansprüche"

Eine Gegenleistung habe er nicht für seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur gefordert. "Weder gibt es Verabredungen, noch stelle ich Ansprüche", sagte er. Er selbst werde sich jetzt nicht aus der Politik zurückziehen, sondern "voll für die SPD reinhängen". "Peer Steinbrück ist jetzt im Wahljahr der erste Mann der SPD. Mit ihm haben wir den Kandidaten, der die besten Chancen hat, die SPD wieder ins Kanzleramt zu führen. Ich werde im Wahlkampf da sein, wo er mich braucht."

Wer die SPD als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl im kommenden Jahr führen würde, war lange Zeit unklar. Neben Peer Steinbrück galt auch Frank-Walter Steinmeier als Favorit. Viele prominente Sozialdemokraten hatten sich für den Fraktionschef ausgesprochen. Ende September hatte Parteichef Sigmar Gabriel dann überraschend verkündet, dass Peer Steinbrück gegen Angela Merkel antrete. Damals hieß es, Steinmeier habe vor etwa vier Wochen seinen Verzicht erklärt. Gabriel hatte laut Medienberichten schon deutlich früher signalisiert, dass er als Kandidat nicht zur Verfügung stehe.

 
Leser-Kommentare
  1. Wer sagt das "DIE" SPD Steinmeier als Kandidat haben wollte?

    Steinmeier der Kanzleramtschef Gerhard Schröder, Architekt von Hartz4, Außenminister unter Merkel und Wahlverlierer ist doch sicherlich nicht die Nummer eins der SPD Basis.

    Ist die "Sozialdemokratische" Partei Deutschlands so klein das sie im Hinterzimmer ihren Kandidaten via Schnick Schnack Schnuck ausklüngeln muss?

    SPD Mitglieder müssen da einem schon richtig leid tun.

    4 Leser-Empfehlungen
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    gibt es gar kene SPD mehr, sondern nur noch Funktionäre und Abhängige.

    Nehmen Sie mal alle Wirtschaftsunternehmen der SPD zusammen (kürzlich las ich von einem Kreuzfahrtsschiff eines Tourismus-Unternehmens der SPD) und was da an weiteren Stimmen (Familienmitglieder, Zulieferbetriebe) hängt, dann den bekannten Lobbyismus für ganze Bürokratie- und Gesellschaftszweige im Sozialbereich, dann kommen Sie auf eine erkleckliche Anzahl von Menschen.

    (Die Union hatte früher das Gleiche mit den Kirchen - aber die bröckeln und sind auch nicht mehr unbedingt loyal).

    Wahrscheinlich auch deshalb die Spaltung der Partei in einen Sozialflühgel, dem es weniger um die Bedürftigen im Lande als um den Ausbau der Betreuungsindustrie geht einerseits, einen "rechten" Wirtschaftsflügel andererseits. Die beiden sind aufeinander angewiesen. Der "linke" legitimiert mit Worten, der "rechte" sichert die materielle Basis. Damit ist der "linke" automatisch zum Lügen verurteilt.

    LIEBE ZEIT: Berichte uns doch mal öfter von der Wirtschaftstätigkeit der Parteien UND PROBLEMATISIERE diese.

    Sie ist demokratiegefährdend!

    Haben sie den Artikel nicht gelesen? Hier hat Frank-Walter Steinmeier doch eindeutig dargelegt, warum er sich nicht für eine Kandidatur entschieden hat. Da kann man meiner Meinung nach nur den Hut ziehen, denn er hat die Schwerpunkte in seinem Leben gerade gerückt und sich nicht von dem Politapparat vereinahmen lassen. Seine Familie geht vor und das ist gut so!!!

    • bonner
    • 14.10.2012 um 13:58 Uhr

    Ich würde es begrüßen, wenn Sie ein paar Namen nennen könnten, wer es denn sonst könnte.
    Sie scheinen ja ein echter Kenner der Szene zu sein....

    gibt es gar kene SPD mehr, sondern nur noch Funktionäre und Abhängige.

    Nehmen Sie mal alle Wirtschaftsunternehmen der SPD zusammen (kürzlich las ich von einem Kreuzfahrtsschiff eines Tourismus-Unternehmens der SPD) und was da an weiteren Stimmen (Familienmitglieder, Zulieferbetriebe) hängt, dann den bekannten Lobbyismus für ganze Bürokratie- und Gesellschaftszweige im Sozialbereich, dann kommen Sie auf eine erkleckliche Anzahl von Menschen.

    (Die Union hatte früher das Gleiche mit den Kirchen - aber die bröckeln und sind auch nicht mehr unbedingt loyal).

    Wahrscheinlich auch deshalb die Spaltung der Partei in einen Sozialflühgel, dem es weniger um die Bedürftigen im Lande als um den Ausbau der Betreuungsindustrie geht einerseits, einen "rechten" Wirtschaftsflügel andererseits. Die beiden sind aufeinander angewiesen. Der "linke" legitimiert mit Worten, der "rechte" sichert die materielle Basis. Damit ist der "linke" automatisch zum Lügen verurteilt.

    LIEBE ZEIT: Berichte uns doch mal öfter von der Wirtschaftstätigkeit der Parteien UND PROBLEMATISIERE diese.

    Sie ist demokratiegefährdend!

    Haben sie den Artikel nicht gelesen? Hier hat Frank-Walter Steinmeier doch eindeutig dargelegt, warum er sich nicht für eine Kandidatur entschieden hat. Da kann man meiner Meinung nach nur den Hut ziehen, denn er hat die Schwerpunkte in seinem Leben gerade gerückt und sich nicht von dem Politapparat vereinahmen lassen. Seine Familie geht vor und das ist gut so!!!

    • bonner
    • 14.10.2012 um 13:58 Uhr

    Ich würde es begrüßen, wenn Sie ein paar Namen nennen könnten, wer es denn sonst könnte.
    Sie scheinen ja ein echter Kenner der Szene zu sein....

  2. gibt es gar kene SPD mehr, sondern nur noch Funktionäre und Abhängige.

    Nehmen Sie mal alle Wirtschaftsunternehmen der SPD zusammen (kürzlich las ich von einem Kreuzfahrtsschiff eines Tourismus-Unternehmens der SPD) und was da an weiteren Stimmen (Familienmitglieder, Zulieferbetriebe) hängt, dann den bekannten Lobbyismus für ganze Bürokratie- und Gesellschaftszweige im Sozialbereich, dann kommen Sie auf eine erkleckliche Anzahl von Menschen.

    (Die Union hatte früher das Gleiche mit den Kirchen - aber die bröckeln und sind auch nicht mehr unbedingt loyal).

    Wahrscheinlich auch deshalb die Spaltung der Partei in einen Sozialflühgel, dem es weniger um die Bedürftigen im Lande als um den Ausbau der Betreuungsindustrie geht einerseits, einen "rechten" Wirtschaftsflügel andererseits. Die beiden sind aufeinander angewiesen. Der "linke" legitimiert mit Worten, der "rechte" sichert die materielle Basis. Damit ist der "linke" automatisch zum Lügen verurteilt.

    LIEBE ZEIT: Berichte uns doch mal öfter von der Wirtschaftstätigkeit der Parteien UND PROBLEMATISIERE diese.

    Sie ist demokratiegefährdend!

    5 Leser-Empfehlungen
  3. Haben sie den Artikel nicht gelesen? Hier hat Frank-Walter Steinmeier doch eindeutig dargelegt, warum er sich nicht für eine Kandidatur entschieden hat. Da kann man meiner Meinung nach nur den Hut ziehen, denn er hat die Schwerpunkte in seinem Leben gerade gerückt und sich nicht von dem Politapparat vereinahmen lassen. Seine Familie geht vor und das ist gut so!!!

    7 Leser-Empfehlungen
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    Es gibt keinen innerparteilichen Wahlkampf in der SPD.

    Es wird auf dem nächsten Parteitag nur eine Ernennung Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten erfolgen. Es gibt keinen Gegenkandidaten, also hat die SPD Basis keine Wahl!

    Wenn er sich nicht bereit fühlt aus persönlichen Gründen ist das seine persönliche Entscheidung.

    Trotzdem glauben sie wirklich Steinmeier hätte eine Mehrheit in der SPD überhaupt hinter sich bekommen?

    Politiker lügen nur selten und wenn, dann nur sachdienlich!

    Es gibt keinen innerparteilichen Wahlkampf in der SPD.

    Es wird auf dem nächsten Parteitag nur eine Ernennung Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten erfolgen. Es gibt keinen Gegenkandidaten, also hat die SPD Basis keine Wahl!

    Wenn er sich nicht bereit fühlt aus persönlichen Gründen ist das seine persönliche Entscheidung.

    Trotzdem glauben sie wirklich Steinmeier hätte eine Mehrheit in der SPD überhaupt hinter sich bekommen?

    Politiker lügen nur selten und wenn, dann nur sachdienlich!

  4. da muss man den amerikanischen Republikanern ja mehr Mut zur Demokratie zugestehen. Die konnten (deren System ist halt nicht das beste "Money Money Money") zwischen Romney, Bachmann, Cain, Ron Paul, Newt Gingrich, Jon Huntsman und Rick Perry einen Kandidaten wählen und unterstützen.

    Wer wollte den bitte schön Herrn Steinmeier, Gabriel oder Steinbrück als Kanzlerkandiat? Auf dem nächsten Parteitag gibt es nur eine Ernennung Steinbrücks ohne Gegenkandidat.

    Man kann schon verstehen warum das Parteiensystem nicht mehr wirklich vom Volk unterstützt wird.

    [...]
    Anmerkung: Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile wiederhergestellt. Die Redaktion/cv

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf
    • jr.
    • 14.10.2012 um 10:39 Uhr

    Auf wen nahm Steinmeier denn Rücksicht, als er auf seine Frau verzichtete?

    Mit freundlichen Grüßen an die Stilblütenpflücker in der ZEIT-Redaktion.

    6 Leser-Empfehlungen
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    ...habe ich den titel auch im ersten Moment verstanden =)

    • Hermez
    • 14.10.2012 um 12:00 Uhr

    ....Das machen die nur, damit die Überschrift interessant ist.
    Die Doppeldeutigkeit soll zum lesen des Artikels verführen.
    Ja, wo sie recht hat......funktioniert doch... nicht nur in der Bildzeitung..:)

    ...habe ich den titel auch im ersten Moment verstanden =)

    • Hermez
    • 14.10.2012 um 12:00 Uhr

    ....Das machen die nur, damit die Überschrift interessant ist.
    Die Doppeldeutigkeit soll zum lesen des Artikels verführen.
    Ja, wo sie recht hat......funktioniert doch... nicht nur in der Bildzeitung..:)

  5. Es gibt keinen innerparteilichen Wahlkampf in der SPD.

    Es wird auf dem nächsten Parteitag nur eine Ernennung Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten erfolgen. Es gibt keinen Gegenkandidaten, also hat die SPD Basis keine Wahl!

    Wenn er sich nicht bereit fühlt aus persönlichen Gründen ist das seine persönliche Entscheidung.

    Trotzdem glauben sie wirklich Steinmeier hätte eine Mehrheit in der SPD überhaupt hinter sich bekommen?

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Von welcher Neuaufstellung spricht der gute Mann?

    4 Leser-Empfehlungen
    • TDU
    • 14.10.2012 um 11:00 Uhr

    Da dürfen wir dann eben zweifeln, ob nicht unter anderen Umständen Steinmeier doch der bessere und vor allem akzeptiertere Kandidat gewesen wäre.

    Bei allem Respekt dafür, dass er eine Niere gespendet hat, solche Geständnisse im Nachhinein verstärken den Eindruck der Kungelei und einer gewissen "Beliebigkeit" bei der Kandidatenauswahl.

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