Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler © Alex Domanski/Reuters

Die CDU hadert mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung, nachdem sie am Sonntag bei einer Wahl in einer Großstadt – neuer Stuttgarter Oberbürgermeister ist der Grüne Fritz Kuhn – eine Niederlage einstecken musste. Die Erneuerer in der Partei plädieren für eine moderne CDU, die die Themen Ökologie, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Mindestlohn und Frauenquote nicht den Grünen überlassen sollte.

Prominentester Fürsprecher dieser Linie ist der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler , der eine grundlegende Erneuerung und Ausrichtung seiner Partei auf die Linie der Vorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel einforderte. "Ihr Kurs, die CDU als eine moderne Volkspartei zu präsentieren, ist absolut richtig", sagte er den Ruhr Nachrichten . Aber: "Es gibt immer noch zu viele konservativ-neoliberale Kräfte, die altmodischen Positionen nachhängen."

Als Beispiel nannte Geißler ein "antiquiertes Familien- und Frauenbild", die "ständige Kritik an der Energiewende und der europäischen politischen Einigung" und "eine marktradikale Wirtschaftspolitik". Damit könne eine Volkspartei nicht erfolgreich sein. Der Widerstand gegen Frauenquote und Mindestlohn müsse endlich beendet werden. "Die CDU muss sich in den ökologischen und sozialen Fragen deutlich von der FDP distanzieren, sonst wird sie in den Abwärtssog der FDP hineingezogen."

Widerspruch kommt von Wolfgang Bosbach. "Ich warne davor, dass wir uns in eine Union für die Metropole und eine ländliche Union auseinanderdividieren lassen", sagte der CDU-Innenpolitiker den Stuttgarter Nachrichten und warnte seine Partei davor, sich bei den Grünen-Wählern anzubiedern . "Die Union wäre gut beraten, nach dem Ergebnis in Stuttgart keine grünen Fantasien zu pflegen." Die Union müsse sich treu bleiben und auf der Suche nach dem Wechselwähler den Stammwähler nicht vergessen. "Die Bürger wählen das Original, nicht das Plagiat."

Ähnlich äußerte sich der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet. "Den Grünen nachzulaufen, wäre der falsche Weg", sagte er der Bild -Zeitung . "Die Grünen in Baden-Württemberg tarnen sich als Schwarze, deshalb muss die Union wieder mehr um bürgerliche Wähler kämpfen."

Dagegen bemängelte der Stuttgarter Fraktionschef Peter Hauk: "Die CDU wird zu stark mit einem konservativen Profil verbunden." Um Wähler in Großstädten wieder besser zu erreichen, müsse die Union viel mehr auf den gesellschaftlichen Wandel eingehen. "Die CDU muss endlich die Wandlung zur Volkspartei des 21. Jahrhunderts vollziehen", sagte Hauk. Im Schatten der Euro-Krise habe die Bundespartei hier zwei Jahre verloren. "Gesellschaftliche Projekte sind auf der Strecke geblieben."

Auch Sebastian Turner, bei der Stuttgarter OB-Wahl unterlegener CDU-Kandidat, fordert von den Christdemokraten mehr Anstrengungen für die Menschen in Städten. Der Tageszeitung Die Welt sagte er: "Die Themen, die für Städter von Bedeutung sind, müssen vorne ins Schaufenster. Sie können in Stuttgart am Wahlstand noch so oft 'Kita' sagen, wenn die Wähler in der Tagesschau immer nur 'Betreuungsgeld' hören."