Grünen-Politiker : Kuhn gewinnt Stuttgarter OB-Wahl

Erstmals siegt ein Grüner bei einer Oberbürgermeisterwahl in einer Landeshauptstadt: Fritz Kuhn wird nach dem vorläufigen Endergebnis Rathauschef in Stuttgart.

Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn hat das Rennen um das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters gewonnen. Nach dem vorläufigen Endergebnis, der Auszählung aller 433 Stimmbezirke, kam er auf 52,9 Prozent der Stimmen. Für seinen parteilosen Konkurrenten Sebastian Turner, der von CDU , FDP und freien Wählern unterstützt wurde, haben 45,3 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben.

Für die Union im Südwesten ist das nach der Schlappe bei der Landtagswahl 2011 eine weitere Niederlage. Die CDU stellte fast 40 Jahre lang den Stuttgarter Oberbürgermeister.

Mit ihrem Wahlsieg erobern die Grünen , die mit Winfried Kretschmann bereits den Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg stellen, erstmals den Posten des Verwaltungschefs in einer deutschen Landeshauptstadt. Kuhn sagte unter dem Beifall seiner Parteifreunde, er habe gegen das konservative Lager eine "klare Mehrheit" errungen. Die Grünen seien inzwischen "stark im Bürgertum verankert". Er wolle ein Stadtoberhaupt für alle Bürger sein.

Keine Mehrkosten für Stuttgart 21 zahlen

"Ich bin froh, dass das heute so ausgegangen ist", sagte Kuhn im Stuttgarter Rathaus, wo er am Sonntagabend empfangen wurde. Es sei ein langer und harter Wahlkampf gewesen. Diejenigen, die ihn hart angegriffen hätten, müssten sich fragen, ob dies die richtige Strategie gewesen sei. "Oberbürgermeister wird man nicht durch negative campaigning , sondern durch positive inhaltliche Aussagen", sagte Kuhn.

Zum Thema Stuttgart 21 sagte er, die Stadt werde sich an möglichen Mehrkosten für das Bauprojekt, etwa durch Nachrüstungen beim Brandschutz, nicht beteiligen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann kam am Sonntagabend ins Rathaus, um seinem "alten Weggefährten" Kuhn zu dessen "grandiosen Erfolg" zu gratulieren. Kuhn werde gute Nerven und Stehvermögen brauchen. "Das ist ein toller Tag für Stuttgart und für Baden-Württemberg", hieß es von den Fraktionschefs im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin.

Turner räumt Niederlage ein

Kuhns Konkurrent Turner räumte seine Niederlage ein. Kuhn habe einen deutlichen Vorsprung und ein klares Mandat. Der parteilose Kandidat verwies darauf, dass er in den vergangenen 14 Tagen 15.000 Stimmen hinzugewonnen habe. Am Ende habe es aber nicht gereicht, auch wenn er mehr Stimmen geholt habe als die CDU bei der Landtags- oder Bundestagswahl.

Für die CDU ist es die zweite große Niederlage in einer Großstadt in diesem Jahr. In Frankfurt am Main hatte im März der SPD-Bewerber Peter Feldmann der CDU den OB-Posten weggeschnappt. Im Südwesten hat die Union eine Reihe von Wahlniederlagen hinter sich. Bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr verlor sie nach fast 60 Jahren die Macht an Grün-Rot.

Der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Volker Kauder (CDU), zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis. Dies sei kein guter Tag, sagte Kauder in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin . Die CDU sei für den Bau des Eisenbahnprojekts Stuttgart 21. Mit einem grünen Oberbürgermeister in Stuttgart werde das nicht leicht, sagte Kauder. Mit Blick auf Kretschmann und Kuhn sagte Kauder: "Ein grüner Ministerpräsident, eine grüner Oberbürgermeister – Baden-Württemberg ist nach langen, langen Jahren durch CDU-Regierungen so stark, dass wir das aushalten können."

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Kommentare

140 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Vernunft vs "Vernunft"

Ich halte das schon für vernünftig, nachhaltig zu denken, nicht nur in Kästchen oder wirtschaftlichen Interessen, sondern ganzheitlich auf die Zukunft des Planeten und der Gesellschaft bezogen. Alles andere ist unvernünftig. Wer sich nur für Export und Vormacht interessiert, statt für die gesamte gesellschaftliche, ökonmomische und ökologische Umgebung, der denkt sicherlich nicht vernünftig, sondern narzistisch und rückständig.

Und ich hoffe sie halten nicht undemokratische und lobbyfixierte Parteien wie CDU/FDP für vernünftig. In einem solchen Fall wären Sie teil jener Bevölkerungsgruppe, die dieses Land in Problemzonen manövriert.

"Hä?" passt schon

Ziemlich seltsam, Ihr Beitrag. Ich versuche mal, Ihnen ein bisschen zu helfen:

Abgestimmt wurde darüber, ob das Land auch ohne Überschreitung des Kostendeckels versuchen solle, aus der Finanzierung von S21 auszusteigen. Dagegen hat sich die Mehrheit der Wähler entscheiden.

Wie jetzt der Gesetzgeber (?) einen Verstoß gegen welches Recht begehen sollte, wenn der Bahnhof trotzdem nicht gebaut wird - zum Beispiel weil nach den fünf Entgleisungen, fehlenden Baugenehmigungen oder einem nicht genehmigungsfähigen Brandschutzkonzept die Kosten ins Unermessliche steigen - wird wohl Ihr Geheimnis bleiben. Oder

Hä? arrogant?

erstmal: unter Grünen duzt man sich ja..also les mal meinen kommentar 68..da findest du dich vermutlich wieder

zweitens: das Geschwätz von Palmer (ruhe jetzt im saal ; übrigens, das letzte mal bei ner saalschlacht im Münchner Bürgerbräukeller gehört) führt hier nicht weiter.
WEnn der Souverän den Bahnhof will (ja, jetzt nicht ruminterpretieren), verstößt der Repräsentant KRetschmann gegen den Willen des Volkes, wenn er nicht baut.
Einfach weniger Nichtigkeiten und Kleinigkeiten in der Argumentation: Wie es Mehmet SCholl mal sagte: Die Grünen haben einfach in Ihren BEamtenhalbtagsjobs zu viel Zeit über so einen Unsinn nachzudenken

turnen

O-ton Turner:
Entweder man wählt einen Bürger oder einen Politiker. Da es im Deutschen ganz überwiegend das ausschließliche "oder" gibt - ich gehe in die Oper oder ins Theater - bedeutet Turnersche Werbelogik, dass kein Bürger zum OB gewählt wurde. Da Stuttgart aber alles andere als Turnersche Werbelogik braucht, ist der einzig Vernünftige gewählt worden. Schade für die 46%, die auf Werbelogik hereingefallen sind.