Wenn Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten Deutsche werden möchten, müssen sie in der Regel ihre alte Staatsbürgerschaft abgeben. Aber es gibt auch Ausnahmen, beispielsweise dann, wenn das Herkunftsland einen Bürger nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen will.

Diese Ausnahmen aber werden von Bundesland zu Bundesland und sogar innerhalb eines Landes völlig unterschiedlich gehandhabt: Die Chance auf einen Doppelpass hängt nicht nur von der Ursprungsnationalität ab, sondern auch vom Wohnsitz. Herausgefunden haben das Zwölftklässler der Gesamtschule Bremen-Ost, als sie in einem Politikkurs Daten des Statistischen Bundesamts auswerteten. Ihre Studie stellten sie kürzlich in Bremen vor.

Demnach tolerierte das CDU -geführte Saarland 2010 bei fast 70 Prozent aller eingebürgerten Türken die doppelte Staatsbürgerschaft, während die Quote in Bayern unter vier Prozent lag – letzter Platz im Ländervergleich. Bei Einwanderern aus der Russischen Föderation war der Freistaat dagegen besonders großzügig: Hier lag Bayern 2010 mit gut 66 Prozent an der Spitze, während diesmal das rot-grün regierte Bremen mit weniger als vier Prozent am Ende rangierte. Im Folgejahr allerdings war das Gefälle zwischen Bayern und Bremen nach Auskunft der Bremer Innenbehörde nicht mehr so groß: 57 zu 33 Prozent Doppelpass-Inhaber.

Eigentlich dürfte es derart große Unterschiede gar nicht geben, denn das Staatsbürgerschaftsrecht ist bundeseinheitlich geregelt. Ganz offensichtlich wird es aber völlig unterschiedlich ausgelegt, und das nicht nur bei Türken oder Russen, sondern auch bei anderen Nationalitäten. Bei eingebürgerten Pakistani führte Hessen 2010 mit 50 Prozent, bei Ghanaern Niedersachsen mit 42 Prozent, bei Zuwanderern aus Sri Lanka NRW mit 31 Prozent Doppelpass-Besitzern.

Bayern bevorzugt jüdische Zuwanderer, Bremen Kinder

Eine generelle Erklärung für diese Ungleichbehandlung gibt es nicht. Doch zeigen sich Muster: So liegt die hohe Quote russischstämmiger Doppelpassler in Bayern daran, dass aus der Russischen Föderation viele jüdische Zuwanderer kommen. Und die werden in Bayern grundsätzlich auch dann eingebürgert, wenn sie ihren alten Pass behalten möchten. "Vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung", sagt ein Sprecher des Innenministeriums, "gelten sie bei uns als besondere Gruppe."

Bremen hält dagegen nichts von Pauschalregelungen. Das Bundesrecht sehe Einzelfallprüfungen vor, und daran halte sich die Hansestadt. Dafür ist Bremen aber besonders großzügig bei sogenannten Optionskindern , die mit zwei Staatsbürgerschaften aufwachsen, sich aber als Volljährige in der Regel für eine von beiden entscheiden müssen. In allen 13 Fällen, in denen erwachsen gewordene Optionskinder verschiedenster Herkunft 2011 beide Pässe behalten wollten, durften sie das.

Nachtrag vom 13.12.2012: Inzwischen hat die Bremer Innenbehörde neue Erkenntnisse mitgeteilt. Demnach ist ein Teil der Divergenzen darauf zurückzuführen, dass die Bundesländer unterschiedlich mit den Statistiken umgehen: Saarland zum Beispiel melde auch vorübergehende Doppelstaatlichkeit ans Statistische Bundesamt, während Länder wie Bremen nur dauerhafte Fälle in die Statistik eingehen ließen.