BundespräsidentIn der FDP wächst der Unmut über Gauck

Joachim Gauck war der Bundespräsident der FDP, doch nun sind einige Liberale verärgert. Sie werfen ihm eine parteiische Personalpolitik und mangelnde Kooperation vor. von 

Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck  |  © dpa

In der FDP wächst die Kritik an Bundespräsident Joachim Gauck , der im März vor allem durch die Unterstützung der Liberalen ins höchste Staatsamt gekommen ist.

Nach Informationen der ZEIT sind führende FDP-Politiker vor allem verärgert über die Personalpolitik Gaucks , der wichtige Stellen in seinem Amt mit Sozialdemokraten und Grünen besetzt hat. Außerdem tausche sich der ehemalige Pastor weder genug mit der FDP aus, noch binde er systematisch das Parlament ein, heißt es.

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Auch inhaltlich hat sich die FDP mehr von dem Präsidenten versprochen, eine Grundsatzrede zu Europa etwa. Die Liberalen kritisieren, dass Gauck seine Beliebtheit nicht dafür einsetze, für die in die Krise geratene Idee von Europa zu werben. Ermahnungen an die Kanzlerin, ihre Krisenpolitik zu erklären, seien dafür kein Ausgleich.

Besonders enttäuscht zeigen sich die Liberalen vom Umgang des Präsidenten mit beider Lieblingsthema: der Freiheit. Zu pathetisch und allgemein rede Gauck, so lauten die Vorwürfe.

Die FDP hatte nach dem Rücktritt von Christian Wulff im Februar den eigentlich von SPD und Grünen gewünschten Kandidaten Gauck gegen den Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt. Die Union gab dem Druck des Koalitionspartners nach, die Regierung nominierte Gauck als Bundespräsidenten.

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Leserkommentare
  1. Die FDP ärgert sich darüber, dass Gauck nicht deren Parteisoldat ist? Gut so.

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    finde ich die Vorstellung bzw. Erwartung der FDP, daß ein Bundespräsident die Wünsche der ihn wählenden erfüllt!

    Demokratieverständnis à la FDP...

  2. Es ist mir wirklich schleierhaft, wie Gauck, der den Anspruch hat, "unbequem" für die Regierenden im Sinne der Bürger zu sein, auf einmal zu völlig bequem und leise umschwenkt.

    Themen gäbe es ja nun wirklich genug, bei denen die "Stimme der Bürger" in die Politik Einfluss finden sollte, Themen die nicht nur Nischen, sondern weite Teile des Bürgertums betreffen.

    Ich habe den Eindruck, Herr Gauck ist einfach selbstverliebt, um die Sache, gar darum mit Risiko zu kämpfen geht es ihm nicht.

    Erwartet man hingegen nun nach seinem beiden Vorgängern "eine lautlose" Abwicklung im Amt des Bundespräsidenten, dann frage ich mich, wofür man dieses Amt denn überhaupt braucht?

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    >>"Es ist mir wirklich schleierhaft, wie Gauck ... auf einmal zu völlig bequem und leise umschwenkt."<<
    So kann man nicht sagen, wenn Gauck z. Bsp. sagt die Polen sind fleißiger als die Deutschen. Aber das hat nur FOKUS Online berichtet. Andere Medien haben das, warum auch immer, verschwiegen. Außerdem. War das im Sinne der Bürger?

    Für Sie aber scheint Herr Gauck ja doch "unbequem" zu sein. Verstehe jetzt gar nicht, worüber Sie sich ärgern?

  3. sie liegt meistens falsch.

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    ... jetzt hat sie schon mal etwas richtig gemacht (wenn auch mit einer ziemlich bescheuerten Begleitmusik), und anstatt sich dafür auf die Schulter zu klopfen, maulen sie herum.

    Und die Moral von der Geschicht: Taktieren lohnt sich nicht.
    Jedenfalls nicht für die FDP. Für das Land aber hat es sich gelohnt.

  4. ...dass die FDP als Partei bekannt ist, in der Peronalpolitik gänzlich unparteiisch vorgenommen wird. Vor allem im Entwicklungsministerium.

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    ... dass die f.d.p. nicht das Entwicklungsministerium "leitet", sondern nur das Entwicklungshilfeministerium.
    Aber das tut sie ja hoffentlich nicht mehr lange...

    Gruß
    S_R

  5. >> Besonders enttäuscht zeigen sich die Liberalen vom Umgang des Präsidenten mit beider Lieblingsthema: der Freiheit. Zu pathetisch und allgemein rede Gauck, so lauten die Vorwürfe. <<

    ... informiert Euch doch einfach mal vorher, wen ihr da unterstützt, statt nachher zu heulen. Pathetisch und allgemein? Hätte man wissen können.

    P.S.: Pathetisches Allgemeingeschwurbel ist allerdings immer noch besser als Euer Freiheitsbegriff. Der hat mit Freiheit nämlich wenig zu tun, eher mit Faustrecht.

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    • edgar
    • 28. November 2012 15:33 Uhr

    "Der hat mit Freiheit nämlich wenig zu tun, eher mit Faustrecht."

    Und das hat der FDP ja eben gefallen, da auch bei der FDP das F eher für (Klientel- und Lobbybestimmtes) "Faustrecht" als für echte Freiheit steht.

  6. Der Bundespräsident dieses Land ist doch nicht der Parteiblindgänger der FDP. Sollte der BP sich seinen Staff selbst aussuchen so ist das sein Recht. Nun muß die FDP ihre Parteispezis in andere gut honorierte Positionen verbringen. Es ist nicht die Aufgabe des BP, den Parteispezis der FDP gut honorierte Postionen zu verschaffen.

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  7. "...zu pathetisch und allgemein rede Gauck..."

    Soll der Bundespräsident über "spätrömische Dekadenz" schwadronieren oder Armutsberichte schönreden? Der Freiheits-Begriff der FDP ist nicht der allein seligmachende. Nicht jeder sieht aus der Propagierung des Rechts des Stärkeren Freiheit erwachsen. Gut, dass Gauck seit seinem Amtsantritt den eigenen Freiheitsbegriff zu überdenken und zu modifizieren scheint. Mittlerweile redet er sogar der Finanzindustrie ins Gewissen. Das ist gut so, auch wenn es der FDP nicht passt. Ein Bundespräsident hat keiner Klientel und keiner Lobby verantwortlich zu sein.

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  8. wer wuerde in Gauck's Schuhen Stellen mit Leuten einer Partei besetzen, die so wie es gerade aussieht Schwierigkeiten hat die Schwelle ins Parlament zu kommen zu ueberwinden. Vielleicht besetzt er die Stellen ja auch einfach mit den best-qualifizierten Bewerbern, egal welches Parteibuch die haben? Wir haben uns von der FDP auch mehr versprochen, z.B. dass Sie die Buergerrechtspartei ist, die sie mal war. Wo wollen wir da anfangen? Beim Freiheitsbegriff von Gauck? Dass dieser nicht der ist, den der dominierende Fluegel der FDP definiert, haette jeder wissen koennen, der einmal Gauck's kleines Buechlein zum Thema gelesen hat. Fuer den Bundespraesidenten ist Freiheit eben nicht reduzierbar auf Konsumerismus und Renditenkapitalismus. Vielleicht sollte er ja einfach das naechste Mal bei einer Rede, wie etwa jener beim SZ Wirtschaftstreffen eine schicke PowerPoint Praesentation machen, mit ein paar Bulletpoints. Dann wird es eventuell ja fuer die FDP -Herren (und -Damen?) verstaendlicher.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, jam
  • Schlagworte Joachim Gauck | FDP | Angela Merkel | Christian Wulff | Grüne | SPD
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