Behrens bestreitet, selbst die Anweisung gegeben zu haben, nicht mehr von Terror zu sprechen. Es müsse aber jemand aus seinem Ministerium gewesen sein. Das sei auch richtig so, schließlich habe man eine Vorfestlegung der Ermittlungen vermeiden müssen. Tragisch sei es allerdings, dass die Ermittler dann schnell völlig von einer Rechtsextremismus-These abrückten, so Behrens.

Um 21.03 Uhr am Abend des Anschlags rief der Minister noch einmal im Lagezentrum an. "Warum ist der Verfassungsschutz eingeschaltet?", fragte er. Woher er davon überhaupt wusste – Behrens sagt, er erinnere sich nicht. Er habe mit seiner Nachfrage auch nicht drohen wollen. Der Vorwurf, er habe so die Ermittlungen bewusst vom Rechtsextremismus abgelenkt, sei "absurd" und "an den Haaren herbeigezogen".

Vehement wehrt sich der Exminister auch gegen die Darstellung, er habe gemeinsam mit dem damaligen Bundesinnenminister Otto Schily ( SPD ) schon am Tag nach dem Anschlag einen rechtsextremistischen Hintergrund öffentlich ausgeschlossen. Tatsächlich finden sich nach Angaben von Ausschussmitgliedern auch im ausführlichen Pressearchiv des Bundestages keine Beweise dafür. Im Gegenteil: Behrens hat sich, ebenso wie sein damaliger Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD), zu dem spektakulären Fall auffällig selten geäußert. CDU-Mann Binninger spricht deshalb gar von einer "Medienstrategie des Schweigens". Es scheint, als habe sich der Minister möglichst aus allem heraushalten wollen.

Befremdliche Erinnerungslücken

An viele Details der acht Jahre zurückliegenden Ereignisse kann Behrens sich nicht erinnern. "So könnte es gewesen sein", antwortet er auf die allermeisten Fragen der Abgeordneten. Ob er selbst den Bundesinnenminister angerufen habe, fragt der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD). "Wir werden sicher telefoniert haben. Ich vermute am nächsten Vormittag", ist die Antwort. Diese Telefonate mit dem Parteikollegen Schily seien auch "nicht immer vergnügungssteuerpflichtig" gewesen.

Die Erinnerungslücken befremden die Abgeordneten. "Mit wie vielen terroristischen Anschlägen hatten Sie denn in ihrer Amtszeit zu tun, dass sie sich nicht mehr an dieses Ereignis erinnern können", fragt Edathy seinen Parteifreund mit kaum verhohlener Kritik. Behrens beteuert, der Fall sei ihm ans Herz gegangen. Die Opfer besucht aber habe er nicht. Auch hakte er nicht nach, warum die Ermittlungen der Polizei sich so gar nicht mit rechtsextremistischen Motiven und Spuren beschäftigten. Stattdessen: Resignation. "Was bleibt einem anderes übrig als politischer Verantwortlicher, als dieses Ermittlungsergebnis erst mal zur Kenntnis zu nehmen?" Im Nachhinein tue es ihm "persönlich leid", dass da so viel falsch gelaufen sei.