So sehen sie also aus, die vermeintlichen Anführer der enttäuschten Konservativen in der Union: Fünf Männer mittleren bis gehobenen Alters, gekleidet in dunklen Zwirn mit farbenfroher Krawatte, an den Fingern glänzen goldene Eheringe. Die Rebellen sind freundlich-zuvorkommend, man legt Wert auf Umgangsformen: Jeder Gast wird mit einem Handschlag beehrt. Christean Wagner , Fraktionsvorsitzender der CDU in Hessen , sagt hallo, außerdem Steffen Flath, der den CDU-Abgeordneten im sächsischen Landtag vorsteht. Drei Bundestagsabgeordnete grüßen freundlich: Euro-Rettungsschirm-Skeptiker Wolfgang Bosbach , Energiepolitiker Thomas Bareiß, außerdem Thomas Dörflinger aus dem Hochschwarzwald.

Diese fünf Männer stehen für den Berliner Kreis , einen Zusammenschluss von Konservativen in der Union. Recht kurzfristig haben sie zum Pressegespräch eingeladen: Sie wollten sich jetzt mal erklären, ihre Positionen darlegen. Das ist natürlich spannend, wenige Wochen vor dem CDU-Bundesparteitag und zwei Tage vor dem Koalitionsgipfel , auf dem Schwarz-Gelb versuchen wird, die vielen inhaltlichen Differenzen auszubügeln. Gehen die enttäuschten Unionsanhänger jetzt also doch in die Offensive?

Bisher war über den so konspirativen wie unorganisierten Berliner Kreis nur dies bekannt: Es gebe da diese "Merkel-Kritiker" in der CDU, die planten die zunehmende Sozialdemokratisierung der Partei aufzuhalten. Wie sie das tun wollen und wer alles dahintersteht, oder wer den Kreis anführt, das blieb im Dunkeln. Im Sommer wurde ein Vorstellungstermin abgesagt, weil sich die Akteure intern nicht einigen konnten, für was sie denn genau eintreten .

Ein loses Netzwerk mit fünf Damen

Jetzt wagen sie sich also aus der Deckung, aber das Pressegespräch am Freitag bringt wenig Klärung. Man sei ein loses "Netzwerk" von "aktiven Bundes- und Landespolitikern der CDU und CSU ", sagt Wagner. Der Berliner Kreis wolle eine starke konservative Stimme in der Partei sein, strebe aber nicht an, eine offizielle Parteigliederung innerhalb der CDU zu werden – wie es zum Beispiel der Arbeitnehmerflügel CDA oder die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung MIT sind.

Der Berliner Kreis habe daher auch keinen Vorsitzenden oder Sprecher, jeder käme mal zu Wort. Schwer fällt es den Anwesenden auch zu benennen, wie viele Unterstützer denn das konservative Netzwerk nun hat. Anfangs ist von 20 bis 30 Kollegen die Rede, später im Gespräch wird die Zahl der Gleichgesinnten plötzlich mit 35 bis 40 beziffert. Wie viele Frauen gehören dazu? "Vier bis fünf Damen sind dabei", sagt Wagner – und seufzt: Er habe schon mit so einer kritischen Frage zum Geschlechterproporz gerechnet.

Immerhin, ein acht Seiten langes Manifest ist vorbereitet und ausgedruckt worden. "Standortbestimmung" heißt es und darin beklagen die Initiatoren, dass "jeden Monat etwa 1.000 Mitglieder aus der Union austreten." Der Berliner Kreis wolle "Anstöße liefern, die die Union dringend braucht, wenn sie erkennbar bleiben will." "Unser Hauptziel ist es, bei den kommenden Wahlen den Erfolg der Union sicherzustellen", sagt Wagner – und betont sogleich: Man wolle die Kanzlerin auf gar keinen Fall in ihrer Führungsposition als Parteivorsitzende oder Regierungschefin infrage stellen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder sei das Manifest übrigens schon vorab zugeleitet worden: "Das gehört sich so".

Die CDU-Führung hatte schon zu Jahresbeginn sehr deutlich gemacht , dass sie von dem Trüppchen rebellischer Konservativer herzlich wenig hält. Als es dann Meldungen gab, dass der Berliner Kreis sich eine eigene Geschäftsstelle geben wolle, wurden die Abtrünnigen zum Stelldichein bei Generalsekretär Hermann Gröhe geladen. "Sehr konstruktiv" sei das Gespräch verlaufen, sagte Wagner nun am Freitag. Keinesfalls sei man unter Druck gesetzt worden. Das mit der geplanten Geschäftsstelle sei sowieso nur eine Falschmeldung gewesen, man habe immer schon nur ein loses Netzwerk sein wollen.