Nach nur drei Jahren im Amt ist der Landesvorsitzende der Linken in Mecklenburg-Vorpommern , Steffen Bockhahn, überraschend zurückgetreten. Er wolle sich ganz auf die Verteidigung seines Direktmandats bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 und sein Kommunalmandat in der Rostocker Bürgerschaft konzentrieren, teilte er mit. Da dies "mehr Zeit beansprucht als ich sie im kommenden Jahr aufbringen kann, werde ich diese Verantwortung abgeben müssen", schrieb er in einer Erklärung .

Seit 2004 sitzt Bockhahn im Kommunalparlament in Rostock , 2007 wählten ihn die Linke-Abgeordneten zum Fraktionschef. Seit 2009 stellt die Linke dort die größte Fraktion. Diesen Erfolg will Bockhahn nicht aufgeben. "Mir bedeutet dieses kommunale Mandat sehr viel, ebenso meine Aufgabe als Vorsitzender des Finanzausschusses in Rostock", schrieb er.

Der gebürtige Rostocker hatte sich maßgeblich für die Rettung des Drittligisten Hansa Rostock eingesetzt. Seine Verankerung in der Stadt ist wichtig für ihn als Bundespolitiker: Aus Sicht eines Wahlkampfstrategen steht und fällt das Direktmandat mit Bockhahns kommunalem Engagement. Am Freitag hatten ihn die Genossen im Wahlkreis Rostock erneut für den Bundestag nominiert.

Nicht unumstritten

Bockhahn trat 1995 mit 16 Jahren der Linkspartei bei. Im September 2009 hatte der Politikwissenschaftler in seiner Heimatstadt als erster und bislang einziger Linke-Politiker im Nordosten ein Direktmandat für den Bundestag gewonnen. Wenige Wochen später wählte ihn die Landespartei zu ihrem Vorsitzenden.

Er wird zum pragmatischen Flügel in der Linken gerechnet, der Regierungsbeteiligungen befürwortet, um eigene Ziele durchsetzen zu können. Mit dieser Haltung war Bockhahn in der Landespartei nicht unumstritten. Vielfach geriet er mit Traditionalisten in den eigenen Reihen in Konflikt. Nach den Gründen für Bockhahns Rücktritt befragt, verweist einer seiner Vertrauter auf ebendiesen Flügelstreit.

Bockhahn selbst ließ das in seiner Erklärung auch durchblicken: "Ich habe die Aufgabe als Landesvorsitzender sehr gerne wahrgenommen, wenngleich es nicht immer einfach gewesen ist." Gegen den Bundestrend habe der Landesverband 2011 bei einer Landtagswahl prozentual zulegen können, bilanzierte der 33-Jährige. "Unsere Landtagsfraktion leistet tolle Arbeit."

Streitpunkt Regierungsbeteiligung

Die Linke regierte in Mecklenburg-Vorpommern bis November 2006, dann folgte eine Große Koalition aus SPD und CDU . Die in der Linkspartei verhassten Hartz-Reformen der Bundesregierung waren zu dieser Zeit bereits weitgehend umgesetzt.

Hauptstreitpunkt zwischen Pragmatikern und Fundamentalisten blieb aber die Frage, ob sich die Linke künftig wieder an Regierungen beteiligen sollte. Bockhahn warb stets dafür, die dafür notwendigen Kompromisse einzugehen – sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. In der Erinnerung von Beteiligten zog dies "schwere Auseinandersetzungen im Landesverband" nach sich.

Konflikte dieser Art soll nun die bisherige Parteivize Heidrun Bluhm schlichten. Die Schwerinerin ist als Nachfolgerin im Gespräch . Wie Bockhahn sitzt sie im Bundestag. Auf einem Sonderparteitag am 17. November will die Landeslinke die neue Führung offiziell wählen.