Die Urwahl hat eine große Verliererin zurückgelassen: Parteichefin Claudia Roth . Seit zehn Jahren führt sie die Grünen, ist bekannt für den einen oder anderen schrägen Auftritt, für einen emotionalen Politikstil. Roth liebt ihre Partei, Kritik an ihrer Art konnte sie stets mit dem Argument, die Partei liebe sie so wie sei, an sich abprallen lassen. Roths Selbstbild wird durch dieses Ergebnis erschüttert: Nur jedes vierte Mitglied hat für sie gestimmt. Wie bitter, wie ironisch: War es nicht Roth, die einen Mitgliederentscheid erst durchgefochten hat? Die wollte, dass die grüne Basis entscheidet und die beiden Kandidaten nicht im Hinterzimmer gekürt werden. Jetzt muss sie erfahren, dass die Partei ihr im Zweifel seriösere Politiker vorzieht.

Was wird Roth nun tun? Das ist die große Frage des Samstags. Kommende Woche treffen sich die Grünen zum Parteitag, Roth wollte sich dort wieder zur Bundesvorsitzenden wählen lassen. Unklar, ob sie sich durchringen kann, noch einmal anzutreten.

Die Grünen sind dabei, sich grundzuerneuern. Göring-Eckardt hatte lange mit ihrer Kandidatur für die Urwahl gezögert, sie hat einen ruhigen, wenig spektakulären Wahlkampf geführt. Jetzt ist sie die strahlende Siegerin, gilt als die Erneuerin. Vielleicht motiviert das auch weitere – wirklich frische – Gesichter der mittleren Parteiführung, den Oldies nach und nach die Verantwortung zu entziehen.

Auch Fraktionschefin Künast könnte das noch merken. Sie ist bei der Wahl nicht so hart abgestraft worden, wie manche es erwartet hatten. Aber ein Befreiungsschlag ist auch ihr nicht gelungen.