UrwahlGrüne sorgen sich um Claudia Roth

Beim Mitgliederentscheid der Grünen schaffte sie es nicht ins Spitzenduo für 2013. Bleibt Roth Bundesvorsitzende der Partei? von 

Claudia Roth

Claudia Roth  |  ©Stephanie Pilick/dpa

Was dachte sich Claudia Roth wohl, als sie die SMS von Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke erreichte? Am Samstagmorgen war das, um 9.57 Uhr. Nur drei Minuten später trat Lemke vor die Presse und verkündete das Ergebnis des Mitgliederentscheids: Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin werden die Grünen in die Bundestagswahl führen.

Mehr als 35.000 Mitglieder haben so abgestimmt. Sie haben sich gegen Mitbewerberin Roth entschieden, gegen ihre langjährige Vorsitzende. Die Grünen haben sie in dem parteiinternen Beliebtheitsranking sogar auf Platz vier verbannt, noch hinter Renate Künast , die doch angeblich nach der enttäuschenden Berlin-Wahl keiner mehr mochte. Künast hat nun ganze 4.000 Stimmen mehr bekommen als Roth. Die Parteilinke wiederum wollte nur jeder vierte Grüne an herausgehobener Position wahlkämpfen sehen.

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Politik ist ein grausames Geschäft, an diesem Samstag bekommt dies die lebenslustige Bayerin Roth mit voller Härte zu spüren. Sie war es schließlich, die den Mitgliederentscheid über die Spitzenkandidatur lauthals eingefordert hatte und sich eines guten Ergebnisses stets recht gewiss war. Wie wird sie umgehen mit dieser Klatsche? Gerade sie, die doch immer suggerierte: Lästert ruhig über mich, ich bin so wie ich bin, ich bin gerne bunter Vogel, ich bin gerne Nervensäge. Und meine Partei mag mich gerade dafür. Kann sie das noch sagen, künftig, nach diesem Ergebnis?

"Das ist Demokratie!"

Roth spricht am Samstag erst mal gar nicht. Sie ist auch für den engsten Zirkel der Partei nicht zu erreichen. Auf Facebook postet sie (oder ein Mitarbeiter) nüchtern: "Ich gratuliere von Herzen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt . Das ist Demokratie!"

Lisa Caspari
Lisa Caspari

Lisa Caspari ist Redakteurin im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Zehn Jahre ist die 57-Jährige Parteivorsitzende, sie liebt ihren Job. Kommende Woche wollte sie sich beim Parteitag der Grünen erneut zur Vorsitzenden küren lassen. Jetzt steht alles infrage. Zu Beginn der Urwahl hatte Roth in einem Fernsehinterview angedeutet, sie würde im Fall eines schlechten Abschneidens nicht mehr als Parteivorsitzende kandidieren.

Die Grünen-Führung fürchtet nun, sie könnte tatsächlich hinschmeißen. Die frisch gekürten Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Trittin versuchten in ihrer Pressekonferenzen am Samstag jedenfalls alles, um den Anschein zu vermeiden, dass Roth durch die Entscheidung als Vorsitzende beschädigt wurde. Er wünsche sich, dass der Bundesvorstand am kommenden Samstag bestätigt werde, sagte Trittin auf Nachfrage eines Journalisten. Und Göring-Eckardt betonte mehrfach, nur im "Team" sei der harte Wahlkampf zu bewältigen. Dafür brauche es mehr als zwei Spitzenkandidaten. Das Urwahl-Ergebnis sei keine persönliche Abqualifizierung der Person und Politikerin Roth, heißt es aus der Partei, wohin man auch hört.

Selten sind sich die Funktionäre so einig. Sogar eine Erklärung für das schlechte Abschneiden Roths wird unisono geliefert: Es könnte doch sein, dass die Grünen bei der Wahl ihrer Spitzenkandidaten auch taktisch vorgegangen seien. Roth polarisiere im normalen Volk, breitere Wählerschichten erreiche man wohl mit Göring-Eckardt, so hätten die Grünen sich das vielleicht gedacht, aber damit doch die Bundesvorsitzende nicht beschädigen wollen. Roth müsse in jedem Fall weitermachen.

Man braucht Roth als Wahlkämpferin

Wer soll den Job auch sonst machen? Bei der Frage nach möglichen anderen Kandidaten schütteln Beteiligte ratlos den Kopf. Roth sei eine Identifikationsfigur für die Parteilinken, trotz allem, betonen Funktionäre. Man brauche sie im Wahlkampf, auch als mitreißende Rednerin. Damit ist klar, dass die Partei- und Fraktionsführung alles tun wird, um sie trotz der schwierigen Situation zu einer erneuten Kandidatur zu bewegen.

Sollte sich Roth durchringen und nochmal als Parteivorsitzende antreten, dürfte ihr ein sehr gutes Wahlergebnis sicher sein. Der Parteitag in Hannover würde wohl ein Signal der Solidarität und Unterstützung für sie abgeben.

Die Frage ist nur: Macht Roth es nochmal? Kann sie, die Emotionale, dieses schlechte Urwahl-Ergebnis so einfach weglächeln?

Über die Spitzengrüne heißt es gerne, sie habe nichts außer der Partei, denn um ihr Privatleben sei es schlecht bestellt. Ausgerechnet einen Tag vor der nicht absehbaren Niederlage veröffentlichte die FAZ ein Interview mit ihr, in dem sie bestätigte: "Einsamkeit ist in dem Job schon ein Thema (...) Ich kenne wenige Frauen, die in einer Spitzenposition sind und einen Mann haben, der zu Hause auf sie wartet. Der Preis, den Frauen zahlen, wenn sie Karriere machen, ist immer noch höher als der Preis, den Männer dafür zahlen." Für die Liebe würde sie im Beruf nicht kürzer treten, sagte Roth in dem Interview außerdem weiter: "Dafür bin ich viel zu preußisch."

Wird sie auch so preußisch sein, am kommenden Samstag wieder zu kandidieren?

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Leserkommentare
  1. Es ist ein gewaltiges, aber leider unlösbares - internationales - Defizit der Demokratie, vor allem der Mediendemokratie, dass Politiker quasi zerfallen in eine Persönlichkeit, von der intellektuelle und kreative Fähigkeiten erwartet werden, und eine andere, die in der Lage sein sollte, durch gewinnendes Auftreten und geschliffene, mitreißende und begeisternde Rhetorik (vulgo: Charisma) Wähler zu gewinnen. Im seltenen Idealfall fällt beides zusammen. Aber dem Charismatiker kann es auch genügen, wenigstens den Eindruck zu erwecken, dass er die Geistesblitze seiner Redenschreiber auch selbst versteht. Hingegen hätte selbst ein intellektuelles und kreatives Genie keine Wahlchance, wenn die charismatische Komponente fehlt. Charisma ist nicht erlernbar; sogar ein Blender, so er sich nicht z.B. beim Plagiieren erwischen lässt, ist immer im Vorteil.

    Nicht-Charismatiker werden, wenn es sie denn schon in exponierte Positionen gespült hat, von Medien und Kabarettisten (auch von den intelligenteren!) dankbar und zumeist unisono als Bashing-Objekte angenommen; beispielhaft nenne ich Günter Beckstein, Sigmar Gabriel - und eben auch Claudia Roth. Dass solch ständiges Getrommel auch auf Leser, Zuschauer (an "Schwarmintelligenz" glaube ich nicht) und viele ZEIT-Online-Foristen duchschlägt, darf nicht verwundern.

    Aber es wäre tödlich für die Gesellschaft, wenn die nicht-charismatischen Rad-Dreher frustriert das Handtuch würfen.

  2. die sich "GRÜNE Sachkompetenz" und entsprechende Vermittlung wünschen, statt hohle Statements dieser permanent emotionsgeladenen Aus-dem-Bauch-Rednerin.
    Dagegen können Persönlichkeiten wie z.B. W.Kretschmann (BW), Bärbel Höhn (NRW) - oder K. Göring-Eckardt der Partei überzeugend Profil verleihen.

    Frau Roth präsentiert sich ausschließlich selbst mit der "emotionalen Seite ihrer Persönlichkeit", weswegen sie von @ribera (9) als sich "aufdrängende Betroffenheitssuse" beschrieben wird. Sehr zutreffend, wie ich meine!
    Ich kann mich nicht erinnern, mal einen wirklich sachdienlichen Beitrag zu einem "grünen Thema" von ihr vernommen zu haben. Mit schlechter Rhetorik, sich immer wiederholenden Satzbausteinen und unterstreichender Betroffenheitsmimik, drischt sie ihre inhaltslosen ideologischen Phrasen. Wenig bis kaum Inhalt - viel demagogische Attitüde.
    Ähnlich erscheint Cem Özdemir, der alles und nichts argumentfrei wichtig nickend in die Mikrofone postuliert.

    Wenn die Basis sich dazu durchringen könnte, sich von diesen beiden Blasrohren an der Spitze zu verabschieden, wären die GRÜNEN nicht nur für mich sogar wieder eine Option bei der nächsten Bundestagswahl

    Ich wünsche Frau Roth, dass sie einen passenden Lebenspartner findet, mit dem sie ihre emotionale Seite in Zukunft vorrangig privat ausleben kann!

  3. Haben sie außer dem dämlichen und an Dramatik kaum zu unterbietenden Video noch etwas inhaltliches zu mitzuteilen? Wie die meisten anderen hier wohl leider nicht. Man muss Frau Roth in ihrem medialen Auftreten nicht als angenehm empfinden, aber was ihr hier an blindem Hass, Häme und vollkommen unsachlichen Aussagen über ihr Privatleben entgegen schlägt lässt tief in die Seele der Kommentatoren blicken und lässt mich einmal mehr schockiert zurück.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • H.v.T.
    • 11. November 2012 6:19 Uhr

    " Man muss Frau Roth in ihrem medialen Auftreten nicht als angenehm empfinden, aber was ihr hier an blindem Hass, Häme und vollkommen unsachlichen Aussagen über ihr Privatleben entgegen schlägt lässt tief in die Seele der Kommentatoren blicken und lässt mich einmal mehr schockiert zurück."
    ----

    Wo bitte finden Sie in den Kommentaren "blinden Hass" ?

    Sie versteigen sich.

    • devise
    • 11. November 2012 7:33 Uhr

    Danke für Ihre Reaktion.
    Aus der Anonymität heraus nachtreten. Ein abgrundtiefer Blick in Volkes Seele.

    Die Quelle war, ich muss es gestehen, ungeschickt gewählt. Einen besseren Einblick mit noch mehr Hintergrundinformationen gewährt die Sendung von Erwin Pelzig vom 3.7.2012, in der Claudia Roth zu Gast war [ vgl.: http://www.zdf.de/ZDFmedi... ].

    Ein Stück weit hat sich in meinem Beitrag #7 auch meine Enttäuschung über das schlechte Abschneiden meines persönlichen Favoriten Werner Winkler (1,33%; vgl.: http://www.gruene.de/part... ] bei der Urwahl Bahn gebrochen, was ich zutiefst bedauere.

  4. wurde nicht gewaehlt.

    Hervorragend!

    Sogar fuer die Rotgruene-EPD (= Einheitspartei
    Deutschlands)!

    • H.v.T.
    • 11. November 2012 6:14 Uhr

    " Rothationsprinzip

    Dafür sollen doch die Grünen seit ihren Anfängen gestanden haben ?"
    ----

    Das ist aber schon richtig lange her !

    Antwort auf "Rothationsprinzip"
    • H.v.T.
    • 11. November 2012 6:19 Uhr

    " Man muss Frau Roth in ihrem medialen Auftreten nicht als angenehm empfinden, aber was ihr hier an blindem Hass, Häme und vollkommen unsachlichen Aussagen über ihr Privatleben entgegen schlägt lässt tief in die Seele der Kommentatoren blicken und lässt mich einmal mehr schockiert zurück."
    ----

    Wo bitte finden Sie in den Kommentaren "blinden Hass" ?

    Sie versteigen sich.

    Antwort auf "Dämlich..."
    • H.v.T.
    • 11. November 2012 6:25 Uhr

    und ein ganzes Stück weit betroffen ist, aber sie hat kein Recht auf ein ihr genehmes Wahlergebnis.

    Auch dann nicht, wenn die Partei als Familienersatz herhalten muß. Die Wähler schulden ihr nichts.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • H.v.T.
    • 11. November 2012 6:30 Uhr

    ....aber sie hat kein grundsätzliches Anrecht auf ein ihr genehmes Wahlergebnis.

    • H.v.T.
    • 11. November 2012 6:30 Uhr

    ....aber sie hat kein grundsätzliches Anrecht auf ein ihr genehmes Wahlergebnis.

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