Der CSU-Politiker Markus Söder hat in der Vergangenheit mehrmals versucht, die Berichterstattung des ZDF zu beeinflussen. Als Söder Generalsekretär der CSU war (2003 bis 2008), intervenierte er nach Informationen von Spiegel Online mehrfach schriftlich beim damaligen ZDF-Intendanten Markus Schächter .

Unter anderem habe Söder den Intendanten ermahnt, die CSU stärker in der Berichterstattung zu berücksichtigen. Der Politiker war zu dieser Zeit auch Mitglied des ZDF-Fernsehrats. Heute ist er bayerischer Finanzminister.

Dabei geht es dem Bericht zufolge insbesondere um einen konkreten Brief Söders. Er habe sich am 11. April 2006 schriftlich bei Schächter beschwert, dass in der Berichterstattung über den Rücktritt des damaligen SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck die CSU nicht berücksichtigt worden sei. Mit einer "gewissen Enttäuschung" habe er die Berichterstattung verfolgt und "um Klärung" gebeten.

Schächter habe daraufhin geantwortet, es seien Zitate von Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) berücksichtigt worden, diese repräsentierten seiner Meinung nach die Union insgesamt. Söder habe daraufhin geantwortet, Merkel spreche nicht für die CSU. Diese sei eine eigenständige Partei und eine Regierungspartei. Im Anschluss sei der Briefwechsel abgebrochen.

"Normaler Vorgang"

Söders Sprecher bestätigte Spiegel Online , dass es in dessen Zeit als Generalsekretär Briefe an das ZDF gegeben habe. Die Korrespondenz halte Söder "für einen normalen Vorgang".

Der Sprecher verwies auf Söders Mitgliedschaft im ZDF-Fernsehrat. Zu dessen Aufgaben gehöre auch die Beratung in Programmfragen sowie die Überwachung der Einhaltung der Richtlinien. "Er hat diese Kontroll- und Aufsichtspflichten sehr ernst genommen." Söder habe aber mit den Briefen nicht in die redaktionelle Arbeit des Senders eingegriffen. In leitenden ZDF-Kreisen wird Söder hingegen als gutes Beispiel für Einmischungsversuche seitens der Politik gesehen. Söder habe auch versucht, auf die Gästelisten des Morgenmagazins und von politischen Talkshows Einfluss zu nehmen.

Rücktritt des CSU-Sprechers

Begonnen hatte die Medien-Affäre der CSU , als ein Drohanruf des damaligen Parteisprechers Hans Michael Strepp beim ZDF bekannt wurde. Er wollte damit verhindern, dass der Sender über den Parteitag der Landes-SPD berichtet. Als der Vorfall öffentlich wurde, musste Strepp zurücktreten .

Kurz danach wurde ein ähnlicher Fall bekannt: Die Sprecherin von Finanzminister Söder hatte beim Bayerischen Rundfunk angerufen . Sie beschwerte sich über einen Bericht, der Söder in einem schlechten Licht erscheinen ließ. Der Sender verzichtete daraufhin auf eine Wiederholung des Beitrages.